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Ingolstadt

06.02.2018

Razzia in Audi-Zentrale wegen Abgas-Affäre

Razzia in Ingolstadt: Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Zuge der Abgasaffäre.
Bild: Stefan Küpper

Die Abgasaffäre zieht immer weitere Kreise. Bei einer Razzia in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und einem Werk in Baden-Württemberg wollen die Ermittler neue Beweise sichern.

In einem von mehreren Polizeitransportern vor dem Gebäude A50 der Unternehmensleitung von Audi hängt ein großes Lebkuchenherz. „Meine liebe Prinzessin“ steht da in Zucker gegossen. Wer die Glückliche ist, bleibt auf Nachfrage unbeantwortet. Es ist jedenfalls niemand im Konzern. Und herzig findet man bei der Ingolstädter VW-Tochter ohnehin nicht, was die Ermittler da wieder veranstalten.

Seit 7 Uhr durchsuchen am Dienstmorgen allein 18 Staatsanwälte und „zahlreiche“ Beamte des Bayerischen und Baden-Württembergischen Landeskriminalamtes Büro und Geschäftsräume von Audi in Ingolstadt und Neckarsulm (Baden-Württemberg). In Ingolstadt sind sie nicht nur im Gebäude der Unternehmensleitung unterwegs, sondern an mindestens zwei weiteren Standorten vorgefahren. Sie ermitteln nach wie vor wegen des Verdachts auf Betrug und strafbare Werbung. Es geht inzwischen um 210.000 Autos mit einem V6-3-Liter Dieselmotor, die seit 2009 auf dem europäischen und US-amerikanischen Markt ausgeliefert wurden und an denen die Abgaswerte manipuliert worden sein sollen.

Diesel-Betrug? Es ist nicht die erste Razzia bei Audi

Es ist die zweite Razzia im Stammwerk seit Bekanntwerden des Diesel-Gates. Bereits vor einem Jahr war man in vergleichbarer Mannstärke angerollt. Just am Tag der Jahrespressekonferenz, drei Stunden vor der Präsentation der Geschäftszahlen für 2016. Der Tag war hinüber gewesen. Unternehmenserfolge machten keine Schlagzeilen. Auch am Dienstag ging es bei Audi weniger um den Abschluss des Tarifkonfliktes mit der IG Metall, nicht darum, dass keine 24-Stunden-Streiks mehr zu überstehen sind, sondern die am meisten gestellte Frage lautete: Warum durchsuchen die denn schon wieder?

Die Antwort lautet schlicht: Die Ermittlungen wurden – aufgrund der eigenen Arbeitsergebnisse und nach Hinweisen aus dem Kraftfahrt-Bundesamtes – ausgeweitet.

Hatte die Staatsanwaltschaft vor einem knappen Jahr zunächst noch gegen „Unbekannt“ ermittelt, führt die Staatsanwaltschaft München II inzwischen 14 Beschuldigte. Wie berichtet, waren erst vergangene Woche wegen des Diesel-Skandals Privatwohnungen in drei Bundesländern durchsucht worden. Und es geht nicht mehr um die ursprünglich etwa 80.000 Autos für den amerikanischen Markt, sondern auch um Verkäufe in Europa und um deutlich mehr Exemplare.

Reden will niemand so recht über die Razzia bei Audi

In U-Haft sitzt derzeit noch der ehemalige Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz, früher Manager bei Audi. Unter den Beschuldigten ist aber nach wie vor kein „derzeitiger oder früherer Audi-Vorstand“, wie die Ermittlungsbehörde weiter mitteilt. Allerdings wurde inzwischen ein Bußgeldverfahren gegen „noch unbekannte Vorstände“ der Audi AG eingeleitet.

Das passiert nach Angaben einer Behördensprecherin dann, wenn ein Anfangsverdacht besteht, dass jemand seine Aufsichtspflichten im Unternehmen vorsätzlich oder fahrlässig verletzt hat. Ob dem tatsächlich so ist, wird derzeit ebenfalls ermittelt. Bei Audi wollte man sich am Dienstag zu den neuerlichen Durchsuchungen auf Anfrage nicht äußern. Ein Sprecher teilte mit: „Wir kooperieren weiter uneingeschränkt mit den Behörden. Zu den Gründen der Durchsuchung müssen Sie bitte die Staatsanwaltschaft fragen.“

Bei den Audianern löst die Ansammlung von Polizeitransportern vor dem Vorstandsgebäude rein äußerlich wenig aus. Ein bisschen Razzia-Tourismus gibt es schon, das bleibt nicht aus, wenn eine der Kantinen in der Nähe ist. Aber reden will so richtig niemand. Schon gar nicht vor dem Vorstandsgebäude. Wie die Stimmung in der Belegschaft ist, angesichts der aktuellen Ereignisse? Die verhuschten Antworten: „Kein Kommentar“, „Besser nichts sagen“; Blicke senken sich, man geht lieber schnell weiter. Auch der Betriebsrat möchte sich auf Anfrage nicht äußern. Nicht zu den laufenden Ermittlungen und nicht zu der Stimmung in der Belegschaft. Der Himmel ist blau, aber es klingt nach dicker Luft. Selbst auf den abseits gelegenen Parkplätzen an einer ganz anderen Werksecke bleibt man vorsichtig. „Die Razzia“, sagt einer, „das ist für mich inzwischen Schikane.“ Andere Autobauer wären schließlich auch verdächtig.

Auf einem anderen Parkplatz hängt an einer Ladestation ein smart electric drive. Hinten drauf klebt ein Aufkleber der ÖDP. In der Masse der Audis sieht man ihn kaum.

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