Sommerkonzert

17.07.2013

Restlos begeistert

David Garrett spielt Qualität

Verdi, Beethoven, Brahms, ein großes Orchester und ein Solist mit dem Nimbus eines Rockstars: Was braucht es mehr um den Festsaal zu füllen und das Publikum restlos zu begeistern? Für Pathos, Drama, Emotion war reichlich gesorgt beim Audi Sommerkonzert mit David Garrett und „La Verdi“ – und für höchste Qualität.

Er war der Headliner der diesjährigen Sommerkonzerte, heiß geliebt von vielen, die Karten binnen kürzester Zeit vergriffen. Und David Garrett ließ sich nicht lumpen bei Brahms einzigem Violinkonzert. Mit Jeans, T-Shirt, knappem Sakko und offenen Boots, das wallende Haupthaar aufgesteckt zum Zopf, kam der weltbekannte Geiger auf die Bühne, lächelte freundlich, setzte sich auf den bereitgestellten Barhocker, ließ sich in den weichen Klang des Orchesters förmlich sinken, setzte den ersten Soloabschnitt mit kraftvoll aufgesetztem Bogen an und fand nach hartem Einsatz zu strahlend warmem Ton und behutsamer Sensibilität. Sein Spiel war geprägt von unmittelbarem Zugang zur Komposition, souveräner Virtuosität und einfühlsamer Gestaltung der Melodiebögen. Interpretatorisch setzte David Garrett im Wechsel von resoluten und lyrischen Passagen auf fassliche Nachvollziehbarkeit, Energie und Emotion. So lässig er sich äußerlich gab, so wenig spielte er locker vom Hocker. Das lässt schon das Werk nicht zu, schließlich galt die Komposition zu ihrer Zeit als geradezu unspielbar. Stets im Dialog mit dem hellwachen Orchester war das Stück in erkennbarem Ernst erarbeitet. Ohne Allüren, theatralische Gesten oder selbstdarstellerische Posen spielte David Garrett erkennbar im Dienst der Musik und ihrer Vermittlung an die ihm zufliegenden Herzen der Zuhörer. Ein Plädoyer für den unbefangenen Umgang mit klassischer Musik! Wer wollte ihm den Erfolg verdenken?

Die eigentliche Überraschung gab es zu Beginn: Das Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi – kurz „La Verdi“ - gab die selten gehörte Ouvertüre zu „Aida“ in eindrucksvollem Wechsel von sensitiv ausmusizierter Gefühligkeit und wuchtiger Dramatik. Mit dem alerten Amerikaner John Axelrod am Pult zeigte sich ein geradezu schmissig agierendes Orchester, das Beethovens Fünfte anging wie ein ICE in voller Fahrt, schnell, schnittig, elegant. Bei allem Tempo spielte das Orchester in federweich abgerundeter Klangkultur, bei allem schicksalhaften Drängen der Komposition in tänzerischem Charme, lebensbejahendem Strahlen, in üppigen Kontrasten, heiterer Fülle und geradezu süffiger Elastizität. Was braucht es mehr an einem Sommerabend?

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