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Neuburg/Klingsmoos

11.02.2019

„Rettet die Bienen“: Immer mehr Landwirte suchen Pächter für Blumenwiesen

Im Zuge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ sind Landwirte jetzt aktiv geworden.  
Bild: Kerstin Weidner

Plus Immer mehr Landwirte verpachten über Verkaufsportale im Internet Ackerflächen. Wer möchte, kann darauf eine Blumenwiese ansäen.

Egal, ob sie beim Volksbegehren Artenvielfalt unterschrieben haben oder nicht, Naturfreunde können nun auch auf ganz andere Art und Weise zum aktiven Bienen- und Insektenretter werden. Landwirte bieten nämlich inzwischen im Internet bisher intensiv genutzte Ackerflächen an, die man pachten kann, um darauf eine Blumenwiese anzusäen. Einer dieser Landwirte ist Reiner Huber aus Klingsmoos in der Gemeinde Königsmoos.

Die Pacht für eine Blumenwiese ist eine Win-Win-Situation für Landwirte und den Naturschutz

Der 54-Jährige stieß auf eBay zufällig auf die Anzeige eines anderen Landwirts und entdeckte dann, dass sich schon viele Kollegen dieser Aktion angeschlossen haben – und es werden immer mehr. „Ich finde das eine gute Idee“, sagt Huber. Da kann jemand alleine eine Fläche pachten oder sich mit Freunden oder Verwandten zusammentun, um vielleicht sogar ein größeres Areal zu mieten. Der Landwirt würde die Blumenwiese anlegen und, wenn gewünscht, sogar ein Schild aufstellen auf dem zu lesen ist, wer die Patenschaft für diese Blumenwiese übernommen hat. Mit 50 Euro Pacht im Jahr für 100 Quadratmeter habe der Landwirt die gleiche Rendite, als wenn er Mais oder Kartoffeln darauf anbauen würde, erklärt Huber. „Das ist eine sogenannte Win-Win-Situation für Landwirte und den Naturschutz.“ Davon abgesehen seien manche Landwirte ohnehin schon von sich aus aktiv geworden, und hätten zum Beispiel um ein Maisfeld herum einen blühenden Streifen für die Insekten angelegt. „Aber man muss natürlich mehr machen“, sagt Reiner Huber.

Ob Blumenwiese oder intensiver Ackeranbau: Jeder Landwirt muss zusehen, wie er über die Runden kommt

Im Grunde sei es ganz einfach: „Wir Landwirte brauchen ja eine Wertschöpfung aus dem, was wir machen, um unsere Familien ernähren zu können“, erklärt er. Ob aber jemand eine Pacht für zehn Hektar Blumenwiese erhält, oder sein Auskommen aus dem intensiven Anbau von Mais oder Kartoffeln erwirtschaftet, spiele letztlich keine Rolle. „Jeder Landwirt muss ganz einfach für sich zusehen, wie er über die Runden kommt und auch bei einem wie zuletzt trockenen Sommer nicht gleich wieder nach staatlicher Hilfe schreien.“

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Huber sieht sich als Unternehmer und als solcher trage er auch ein gewisses Risiko. Jeder freie Unternehmer müsse vorsorgen, um auch mal schlechte Zeiten überstehen zu können. Die rund 6,5 Milliarden Euro an Subventionen, so wie man sie jetzt verwende und verteile, würden ohnehin in die falsche Richtung zielen, findet der Landwirt aus Klingsmoos. Die Förderungen gebe es vor allem deshalb, damit Landwirte in Deutschland auf dem Weltmarkt – und dort in erster Linie mit den billiger produzierenden Ländern – konkurrenzfähig bleiben würden. Aber das Geld würde nach dem Gießkannenprinzip verteilt, sagt Huber. Da bekomme ein Betrieb mit 2000 Hektar Fläche im Osten Deutschlands, der aufgrund seiner Größe und Ausstattung auch zu Weltmarktpreisen produzieren könne, genauso viel Förderung wie ein Bergbauer, der unter viel härteren Bedingungen sein Geld verdienen muss. „Der müsste im Grunde viel stärker unterstützt werden“, verdeutlicht Huber. Weil die Subventionen zudem mit Auflagen verbunden seien und sich Landwirte immer wieder rechtfertigen müssten, wofür sie denn die Förderungen überhaupt erhalten, hat er eine andere Meinung als der Bayerische Bauernverband: „Ich denke, gerade wir Landwirte in Deutschland brauchen keine Subventionen und wenn, dann müssten sie viel zielgerichteter eingesetzt werden. Ich jedenfalls will selbst entscheiden, wie ich mein Geld verdiene und dieser Meinung sind viel mehr einer Kollegen, als man denkt.“

Auch Landwirt Reiner Huber bietet eine Ackerfläche an.
Bild: Uwe Kühne

Möglicherweise entsteht aus dem Blumenwiesenangebot ein neuer Markt für die Landwirte

Und Geld verdienen lasse sich eben zum Beispiel auch, indem man sich dieser innovativen Aktion anschließt, bei der eine Ackerfläche in eine Blumenwiese verwandelt wird. „Möglicherweise entwickelt sich daraus ja auch ein neuer Markt“, sagt Huber. Er allerdings wartet noch darauf, dass sich ein Interessent bei ihm meldet. Seine Kleinanzeige hat er vor fünf Tagen geschaltet. „Ich glaube, viele wissen noch gar nicht, dass sie sich über diese Angebote aktiv daran beteiligen können, dem Artensterben entgegenzutreten“, meint Huber.

Am Volksbegehren „Rettet die Bienen“ kann man sich noch bis Mittwoch, 13. Januar, in die in den Städten und Gemeinden ausgelegten Unterschriftenlisten eintragen. Nach schleppenden ersten Tagen hat die Beteiligung zugenommen. In Neuburg etwa haben sich von 20.746 Stimmberechtigten bis Montagnachmittag 2130 eingetragen. Auch Rennertshofen liegt mit 366 von möglichen 3819 Unterschriften nur noch knapp unter den angestrebten zehn Prozent. Darüber liegen schon Schrobenhausen (1320 von über 12.000) oder auch Karlshuld (484 von 4490).

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Manfred Rinke "Das Angebot der Landwirte steht"

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