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Neuburg

04.12.2020

„Riesen-Schlag“: So reagiert Neuburg auf die Schloßfest-Absage

Die Absage des Neuburger Schloßfestes 2021 bedauern viele Menschen in der Region.
Bild: Florian Staron

Plus Die endgültige Absage des Schloßfestes 2021 trifft in Neuburg viele. So reagieren der OB und langjährige Beteiligte – und das denken sie über ein mögliches Alternativprogramm.

Das Schloßfest ist nicht irgendein Fest. „Das ist ein Stück Identifikation für Neuburg“, sagt Horst Bollinger. Schon von klein auf wachse man hier mit dem Renaissance-Spektakel auf. „Selbst Babys bekommen schon ihr Schloßfest-Kostüm.“ Er bekomme Gänsehaut, wenn er daran denkt, wie Menschen von weit her kommen, um gemeinsam ein besonderes Fest zu feiern. Doch was ist nun im kommenden Sommer?

Neuburger Schloßfest 2021 abgesagt: Das sind die Reaktionen

Bollinger weiß, wovon er spricht. Er ist Vorsitzender der „Woazenbuam“, die seit 40 Jahren als Landsknechte fester Bestandteil des Schloßfestes sind. Bollinger und viele andere hat die Nachricht, dass das Fest im kommenden Jahr nun endgültig abgesagt ist, tief getroffen. „Das ist ein Riesen-Schlag für uns Neuburger“, sagt er. Auf einen solchen Höhepunkt verzichten zu müssen, tue weh. Aber man müsse es akzeptieren. „Die Gesundheit geht vor“, hat Bollinger Verständnis für die coronabedingte Absage des Schloßfestkomitees. Man wisse nicht, was bis zum geplanten Fest-Start Ende Juni passiert. Und der Vorlauf für alle Beteiligten sei groß.

Nun soll es einen Ersatz geben. Man werde sich im Verein zusammensetzen und besprechen, was unter den Bedingungen möglich ist. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir gar nichts machen“, sagt Bollinger. „Irgendetwas wird uns einfallen.“

Vereine in Neuburg wollen sich Alternativen überlegen

Alternativen wollen sich auch die Beteiligten des BSV Neuburg überlegen, die mit ihrem Karussell zum selber anschieben und dem „Hau den Lukas“ ebenfalls eine Institution auf dem Schloßfest sind. Im Verein zusammensetzen wird man sich jedoch frühestens ab Ende Januar. „Was man jetzt plant, ist ohnehin nur für den Papierkorb“, sagt Vorsitzender Klaus Sartoris. Erst müsse man das weitere Infektionsgeschehen abwarten. Dann wird es um die Frage gehen, ob man im Sommer das Karussell einfach so, losgelöst vom Schloßfest, in Neuburg aufstellen könnte. Sartoris kann sich dies vorstellen und denkt dabei an einen zentralen Platz, wie etwa den Schrannenplatz oder den Hofgarten. Dies müsse man jedoch anhand der Infektionslage entscheiden. Für die Entscheidung, das Schloßfest abzusagen, hat Sartoris Verständnis: „Bei dem Menschenandrang wird das nicht zu organisieren sein, ohne einen Hotspot zu produzieren.“

Solche Bilder wie hier vom Neuburger Schloßfest 2019 wird es 2021 nicht geben.
Bild: Florian Staron

Anders sieht es Gerd Faude. Er ist Vorsitzender des Neuburger Keglervereins, der mit seiner Holzkegelbahn schon immer fester Bestandteil des Renaissance-Treibens ist. Für Faude sei die Entscheidung, das Fest abzusagen, „nur schwer nachvollziehbar“, wie er sagt. Im Freien sei die Gefahr einer Infektion geringer, erst recht im Sommer. Und die Besucherzahl könnte man an den Eingängen begrenzen, meint Faude. Er hat aber vollstes Verständnis dafür, dass die Organisatoren ihrer Fürsorgepflicht nachkommen möchten.

Die Absage treibt die Menschen um

Die Entscheidung, das Schloßfest ausfallen zu lassen, treibt die Menschen in der Region um. In einer nicht repräsentativen Umfrage auf der Facebook-Seite der Neuburger Rundschau sind bis zum frühen Freitagabend 168 Menschen der Meinung, die Absage „ist besser so“. 148 Menschen finden dagegen, dass die Durchführung des Festes „irgendwie gegangen wäre“. Auch in den zahlreichen Kommentaren sind alle Ansichten vertreten. „Die einzig sinnvolle Entscheidung“, schreibt eine Nutzerin. „Habt ihr kein Vertrauen in den Impfstoff?“, fragt eine andere.

Und was ist nun mit der Holzkegelbahn? Faude kann sich vorstellen, diese im Sommer in Neuburg auch ohne Fest aufzustellen. Zunächst müsse er dies aber im Verein klären. Solange die Kegelbahn nicht gebraucht wird, ist sie bei einem Gärtner aus Neuburg untergestellt, berichtet Faude.

Auch OB Bernhard Gmehling ist "unendlich traurig"

Voll hinter der Absage steht Franz Bohnert, Geschäftsführer des Jagdschutzvereins Neuburg. „Wenn das Oktoberfest abgesagt wird, können wir nicht das Schloßfest planen“, sagt er. Dies sei angesichts der Corona-Pandemie „verantwortungslos“, so Bohnert. Der Verzicht auf das Altstadt-Treiben bezeichnet er als „furchtbar schade“. Der Spaß und der Zusammenhalt werden fehlen, aber auch ein „kleines Zubrot“, das sich die Ehrenamtlichen des Vereins mit ihren Ständen verdienen würden. Als „Kurpfälzer Jäger“ verkaufen sie Essen und Trinken, bieten einen Schießstand für Kinder oder ziehen als Bläsertruppe durch die Altstadt. Eigene Ideen, wie die Jäger möglicherweise einen Ersatz anbieten könnten, haben sie noch nicht, sagt Bohnert. „Aber wenn es eine geschmälerte Version des Festes geben wird, wären wir dabei.“

Die Absage des Schloßfestes betrübt natürlich auch OB Bernhard Gmehling. „Ich bin unendlich traurig über die Absage. Ich bin ein absoluter Schloßfestfan. Es ist immer toll, mit welcher Gemeinschaftsleistung Verkehrsverein und Stadt das auf die Beine stellen“, sagt er. Die Beweggründe für die Absage könne er aber gut nachvollziehen. „Das bewegt sich mittlerweile in Dimensionen mit Verträgen und Proben und Vorbereitungen, das kann man nicht mal eben in ein, zwei Monaten realisieren.“ Der Veranstalter habe deshalb recht, wenn er jetzt die Reißleine zieht. „Ich bin gespannt, welche Ersatzveranstaltungen es geben wird. Vielleicht Veranstaltungen mit weniger Besuchern im Schlosshof“, so Gmehling.

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