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Neuburg-Schrobenhausen

08.02.2018

Roland Weigert sorgt für mächtig Druck

Landrat Roland Weigert möchte seinen Arbeitsplatz im Landratsamt gegen einen Posten im Landtag eintauschen.
Bild: Norbert Eibel

Warum der Landrat mit der Bewerbung für den Landtag vor allem die CSU in Bedrängnis bringt.

Die Spannbreite der Mutmaßungen, weshalb Roland Weigert seinen Landratssessel gegen einen Platz, vielleicht sogar auf einem der hinteren Bänkchen, im Landtag in München tauschen möchte, ist groß. Die Vorwürfe reichen von wegducken über Betrug am Wähler bis hin zu anerkennenden Worten für den mutigen Schritt und der Überzeugung, dass Weigert als Seehofer-Nachfolger für den Landkreis tatsächlich viel bewirken könnte. Für eines sorgt seine Ansage aber auf alle Fälle: für mächtig Druck auf einige Beteiligten.

Für die CSU im Landkreis ist das lokalpolitische Schwergewicht Weigert als Landtagskandidat der Freien Wähler die größte Herausforderung. Denn die Christsozialen müssen das Direktmandat gewinnen, um ihren Bewerber in den Landtag zu bringen, weil sie über einen Listenplatz keine Chance hätten. Der amtierende Landrat dagegen schon, weil er für die Parteifreien in Bayern einen Platz ganz vorne erhalten soll. Außerdem hinkt die CSU mit der Benennung ihres Kandidaten hinterher. Während SPD, FDP, Grüne, Linke und AfD ihre Bewerber längst nominiert haben und Weigert für die Freien Wähler gesetzt ist, haben die 100 Delegierten der CSU am 9. März erst noch die Qual der Wahl. Sie müssen sich zwischen nicht weniger als fünf Kandidaten entscheiden. Der späte Zeitpunkt und die Zahl der Bewerber haben bereits für unüberhörbares Gemurmel innerhalb der Kreis-CSU gesorgt.

Parallel zum Landtagswahlkampf haben die Parteien eine zweite Aufgabe. Es ist die Vorbereitung auf den zu erwartenden Wechsel auf dem Chefposten im Landratsamt. Dies wäre zwar nur eine Fleißarbeit, wenn Weigert den Sprung ins Maximilianeum nicht schaffen sollte. Doch davon ist nicht auszugehen. Deshalb lastet auch in dieser Frage der größte Druck auf der CSU. Denn die Christsozialen wollen bei der anstehenden Wahl Anfang 2019 zurückerobern, was sie 2008 mit dem Ausscheiden von Alt-Landrat Richard Keßler überraschend verloren haben. Doch wer lässt öffentlich mit sich werben, wenn noch gar nicht 100-prozentig feststeht, dass Weigert tatsächlich in den Landtag einziehen wird? Deshalb gilt es zunächst die Weichen für den Fall des Falles zu stellen.

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CSU-Kreischef Alfred Lengler sagt, dass er bereits mit demjenigen, den er für den Posten im Auge habe, telefoniert habe. „Wenn die Person Ja sagt, dann stellen wir den Kandidaten spätestens eine Woche nach der Landtagswahl am 14. Oktober als Landratskandidat auf“, erklärt er. Nur wenn der Bewerber es selbst wolle, würde die CSU ihn auch schon früher der Öffentlichkeit präsentieren. Die kommenden Monate bezeichnet Lengler als politisch schwierige Zeit. Schließlich könne man im Wissen um den zu erwartenden Wechsel Weigerts nach München nicht weiter richtungsweisende Entscheidungen treffen. Lengler denkt dabei an den Neubau der Realschule genauso wie an die Zukunft des Kreiskrankenhauses oder mögliche Auslagerungen von Ämtern im beengten Landratsamt in Neuburg in einen Neubau nach Schrobenhausen. „Wir können doch einen neuen Landrat bei millionenschweren Projekten nicht vor vollendete Tatsachen stellen“, hofft er auch auf die Unterstützung der anderen Kreistagsfraktionen.

Gelassener sehen die anderen Parteien die Kür eines Landratskandidaten. Die Grünen haben darüber noch gar nicht diskutiert haben (Theo Walter: „Ich glaube aber eher nicht, dass wir einen aufstellen werden.“), und auch SPD-Fraktionsführer Anton Krammer sieht keinen Grund für Aktionismus. „Wir werden jedenfalls einen Teufel tun und einen Bewerber vor der Landtagswahl vorstellen“, macht er deutlich. Für die vorgezogene Wahl 2019 habe man sich ohnehin noch keine Gedanken gemacht. Da die SPD aber für die Kommunalwahl 2020 bereits jemanden im Auge habe, würde man dessen Kandidatur vorziehen, sofern dieser das auch wolle. Krammer bedauert übrigens den absehbaren Wechsel Weigerts, weil er ihm eine gute Arbeit attestiert. Der Zeitpunkt sei zwar wegen wichtiger politischer Entscheidungen, nicht zuletzt zum Kreiskrankenhauses, unglücklich. Aber wichtige Entscheidungen würden doch immer anfallen, meint er.

Für die kleineren Parteien ist eine Kandidatur auch eine Prestigesache. So sieht es zumindest Lothar Klingenberg, Vize-Kreisvorsitzender der FDP. „Wir waren natürlich überrascht von Weigerts Schritt und haben noch niemand im Auge. Ich denke aber schon, dass wir uns präsentieren werden.“ Und auch die AFD, versichert Kreisvorsitzende Christina Wilhelm, werde antreten. „Wir bleiben kommunal am Ball.“

Perfekt vorbereitet sein auf den Wechsel wollen die Freien Wähler. „Alles andere wäre ja dumm“, sagt Kreisvorsitzender Klaus Brems. Zieht Parteikollege Weigert ins Maximilianeum ein, sollen gleich am Montag nach der Landtagswahl das Team, der Plan und der Landrats-Kandidat vorgestellt werden. Dies werde jemand sein, der aufgrund seiner kaufmännischen Ausbildung für das höchste poltische Amt im Landkreis genauso qualifiziert sei wie der amtierende Landrat, sagt Brems. Er sei im Übrigen überzeugt, dass Weigert bei der Landtagswahl das Direktmandat gewinnen werde, weil kein anderer Kandidat im Landkreis so bekannt sei wie er. „Und über die Liste schafft er es 1000-prozentig.“

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