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Rennertshofen-Stepperg

03.10.2019

SPD: Politische Analyse und geistreiches Kabarett

Der Ehrengast Christian Ude (links) vor dem Eintrag ins Goldene Buch des Marktes Rennertshofens. Mit am Tisch Bürgermeister Georg Hirschbeck (rechts).
Bild: Michael Geyer

Wie der Rennertshofener SPD-Ortsverein seinen runden Geburtstag feierte.

Glückwünsche und Grußworte von prominenter Seite gab es für die Rennertshofener SPD zum 100. Geburtstag. Es war ein besonderer Trumpf, dass die Genossen Christian Ude als Ehrengast gewinnen konnten. Der Ehrenbürger und ehemalige Oberbürgermeister der Stadt München setzte der Geburtstagsfeier durch seine umgängliche, unkomplizierte Art und vor allem messerscharfe Analyse der derzeitigen Lage der Partei einige Glanzlichter auf. Und auch als Kabarettist wusste der Gast zu begeistern.

Am Anfang der Feier stand der Empfang von Ude und SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Schrodi, der auch den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen betreut. Schon beim Eintrag ins Goldene Buch des Marktes ließ Ude Humor aufblitzen, als er erzählte, dass ein amerikanischer Gast bei einem Städtetag in Gotha als Widmung „The red wine was wonderful“ geschrieben hatte, weil er nicht so recht über den Zweck eines Goldenen Buches Bescheid wusste. Ude und Schrodi beließen es bei ihrem Namenszug und erfuhren danach von Bürgermeister Georg Hirschbeck und aus einem neu konzipierten Imagefilm Interessantes über Rennertshofen.

Eine eindrucksvolle Vorstellung gab Christian Ude mit seinem Kabarett
Bild: Michael Geyer

So feierte der SPD-Ortsverein im Kegelheim in Stepperg

Im Stepperger Kegelheim begrüßte SPD-Ortsvorsitzender Heinrich Müller dann neben der Geistlichkeit und politischen Prominenz zahlreiche Genossen aus den umliegenden Orten. Er erinnerte an die Gründung des Ortsvereins am 14. Februar 1919. Rennertshofen hatte damals 728 Einwohner. 58 beherzte und mutige Männer hoben den Verein aus der Taufe. Etliche der Gründer kamen wohl auch aus den Nachbargemeinden, vor allem aus Stepperg und Riedensheim, wo sie in den gutsherrlichen Ökonomien des Grafen von Moy beschäftigt waren. In den Kleingemeinden wurden die Wahlerfolge der Rennertshofener SPD bei den Reichstagswahlen 1919 und 1920 sogar noch übertroffen. Heinrich Müller verwies auf die vielen Reformen, die es ohne die SPD nicht oder erst später gegeben hätte wie Wahlrecht für Frauen (1918), Tarifrecht (1919) oder Arbeitslosenversicherung (1927), Acht-Stunden-Tag, Verbot der Kinderarbeit und Lernmittelfreiheit an Schulen. Dem ersten Ortsvorsitzenden Georg Dirmeier folgte Wilhelm Streckfuß bis zum Parteienverbot während des NS-Regimes im Jahre 1933. 1945 kam es zur Neugründung durch Ludwig Riedelsheimer. Streckfuß stellte sich wieder bis 1972 als Vorsitzender zur Verfügung. Dann übernahm Riedelsheimer bis 1981. Weitere Vorsitzende waren Adolf Hummel, Dieter Fleck, Manfred Zawinell, Franz Heider und Anton Wiedemann. Seit 2006 leitet Heinrich Müller den Ortsverein. Seit 1945 saßen immer SPD-Mitglieder im Gemeinderat. „Auch wenn die große Politik vermeintlich woanders gemacht wird, hier vor Ort, wo die politischen Kräfte ganz nah an den Menschen sind, ist die Keimzelle der politischen Willensbildung. Wir sind stolz, dass wir Teil der ältesten Volkspartei Europas sind“, betonte Müller.

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SPD hat selten so schwierige Zeiten erlebt

In seinem Grußwort analysierte Ude die politische Lage: Für die SPD habe es selten so schwierige Zeiten gegeben wie aktuell. Deswegen mache es keinen Sinn, sich in Jubellaune und Feierstimmung darüber hinwegzumogeln, mahnte er. Die Krise der Sozialdemokratie ziehe sich durch ganz Europa, egal ob Sozialdemokraten in der Regierung oder in der Opposition seien. Opposition sei ein karges Brot, mit dem man noch schwächer werden könne. Nach ruhmreichen Jahrzehnten sei die SPD nicht mehr auf der Höhe der Zeit und könne keine Antworten geben, auf die die Menschen warten. „Wir dürfen nicht um uns selbst kreisen und Moden hinterherlaufen, sondern müssen die Probleme erkennen und Lösungen anbieten“, sagte er. In Zukunft würden Parlamente mit vier und mehr Parteien die Regel werden. Dann ginge ohne Kompromisse nichts mehr.

Bundestagsabgeordneter Michael Schrodi thematisierte die künftigen Aufgaben: Bau von Sozialwohnungen, gleicher Lohn bei gleichwertiger Arbeit für Mann und Frau, Tarifbindung, Stärkung der Gewerkschaften und Sicherung eines demokratischen, sozialen Europas. Nach dem Essen und dem Lied „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ klang der Abend mit dem Kabarett von Christian Ude heiter aus. Zuerst ließ er die Gründerväter der bayerischen SPD Georg von Vollmar, Kurt Eisner und Wilhelm Högner anhand humorvoller Episoden Revue passieren. Danach erzählte er Geschichten von seiner „Kärrnerarbeit an der Basis“ und persönlichen Begegnungen mit den Oberbürgermeistern Georg Kronawitter, Max von Heckel und Hans-Jochen Vogel. Mit der lustigen Geschichte „Ozapft is“ bereitete er dem Abend einen ganz persönlichen Höhepunkt und ließ die Zuhörer miterleben, welche Probleme sich aus seiner Linkshändigkeit beim Anzapfen des ersten Fasses auf dem Oktoberfest ergaben.

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