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11.06.2018

Sarah Christian verzaubert die Besucher im Stadtsaal

Der Vorsitzende Stephan Gierer
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Der Vorsitzende Stephan Gierer

Konzert Harmonisches Zusammenspiel von Solistin und Orchestervereinigung beim Sommerkonzert in Dillingen

Von Erich Pawlu

Dillingen Nicht nur in der Welt der Kunst ist es üblich geworden, beliebige Veranstaltungen als „Highlights“ und „Sternstunden“ zu deklarieren. Wahre Qualität hat es deshalb schwer, sich angemessen bemerkbar zu machen.

Dem Dillinger Kulturleben ist mit dem Sommerkonzert der Orchestervereinigung aber ein wirklicher künstlerischer Höhepunkt geschenkt worden. Mit Werken von Sibelius und Mozart bewies das Ensemble unter der bewährten Leitung von Ludwig Hornung ein weiteres Mal seinen besonderen Rang. Und in Begeisterung versetzte die Besucherschaft im nahezu ausverkauften Stadtsaal schließlich das Spiel der international gefragten Violinsolistin Sarah Christian bei der Gestaltung des Soloparts in Mozarts 5. Violinkonzert.

„Haben Sie viel Genuss!“ Mit dieser Empfehlung schloss Dr. Stephan Gierer, Erster Vorstand der Orchestervereinigung, seine Begrüßungsworte. Und der erwartete Genuss stellte sich sofort ein, als das Andante festivo op. 117a von Jean Sibelius erklang. Das Werk, 1939 als „Gruß aus Finnland an die Welt“ im finnischen Rundfunk uraufgeführt, erwies sich mit seinen langen Melodienbögen als ein festlicher Willkommensgruß, der mit der wunderschönen Reinheit der Streicherharmonie die Zuhörer auf einen großen Abend vorbereitete.

Wer sich vornimmt, Mozarts große g-Moll-Sinfonie KV 550 zu hören, muss in unserer Zeit gespannt sein, in welchem Tempo der erste Satz vorgetragen wird. Denn immer mehr Stardirigenten nehmen die Satzbezeichnung „Allegro molto“ zum Anlass, mit Vehemenz durch die Themen zu jagen und dadurch die tragische Komponente zu verdecken. Ludwig Hornung wählte einen Vortragsstil, der mit moderater Geschwindigkeit den Allegro-Charakter wahrte, aber auch die zumeist düsteren Emotionen zur Geltung brachte, die in Form von Steigerungen, Tonartwechseln, kontrapunktischen Spannungen und chromatischen Einschüben diese Mozart-Sinfonie so berühmt gemacht haben, dass selbst die Popmusik das Thema aufgriff.

Auch die Interpretation des zweiten Satzes vermittelte ein werktreues Bild von der Ernsthaftigkeit einer Themenbehandlung, die sich im Gewand kunstvoller Verspieltheit präsentiert. Besonders eindrucksvoll wirkte das Menuett des dritten Satzes, weil Bläser und Streicher mit ihrer souveränen Koordination ein berührendes Geflecht von melodiöser Lieblichkeit und dunkler Dynamik erzeugten. Und auch im Allegro assai des Schlusssatzes ließen sich die Finessen Mozarts bestaunen, weil die „Mannheimer Rakete“ des Auftaktmotivs, das Pendelmotiv des zweiten Themas und die Dialoge der hellen und dunklen Streicherstimmen das Bild einer Schicksalssinfonie abrundeten.

Und dann betrat sie, die vielfach ausgezeichnete Virtuosin, die Bühne und eroberte sofort die Herzen der Zuhörer. Sarah Christian bewies mit ihrer perfekten Deutung des letzten Violinkonzerts von Mozart, dass sich dieses berühmte Werk KV 219 nicht nur mit einer Stradivari lebendig machen lässt. Ihre Peter-Greiner-Geige aus dem Jahre 2011 verwandelte sich unter den Händen dieser Künstlerin zu einem Instrument für höchste Ansprüche. Schon mit dem verträumten Adagio mitten im Allegro des ersten Satzes verzauberte Sarah Christian ihr Publikum, weil es ihr gelang, mit stark reduziertem Tempo eine lyrisch-elegische Stimmung zu schaffen, die schon deshalb als gefährdet gelten muss, weil das Motiv im gesamten Allegro aperto nicht mehr wiederkehrt. In dieser durchdachten Darbietung erschienen die Seufzerkonfigurationen des Adagios im zweiten Satz als logische Konsequenz einer Tonsprache, die Schönheit und Trauer zu mischen versteht. Und immer wieder kostete die Geige die für Mozart typischen Halbtonsequenzen aus.

Überzeugend war auch die Umsetzung des Geistes, den Mozart in das Rondo des letzten Satzes gegossen hat. Im Gegensatz zu anderen Spitzengeigern hütete sich Sarah Christian, den Alla-Turca-Abschnitt des vierten Satzes als dämonische Interjektion aufzufassen. Schließlich hat Mozart diesen Teil aus der Ballettmusik seiner geplanten Oper „Le gelosie del Seraglio“ übernommen und bei der Komposition im Dezember 1775 schon an den Fasching gedacht. In Wien war damals jeder mit türkischer Musik verbundene Jux äußerst populär.

Der lang anhaltende Beifall der Besucher erzwang eine Zugabe. Sarah Christian spielte das meditative Adagio aus Bachs C-Dur-Solo-Sonate BWV 1005, das mit kühnen Doppelgriffen alle Schattierungen der gewählten Tonart durchläuft.

„Wie schön, dass wir die Orchestervereinigung in Dillingen haben“, sagte eine Besucherin am Ausgang. Dieses dankbare Gefühl wird bei diesem ungewöhnlichen Konzert alle Zuhörer durchdrungen haben.

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