Weltputzfrauentag

08.11.2012

Saubere Sache!

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4 Bilder
Auch Kreidestaub hat bei Joanna Filla-Golombek keine Chance.

Putzfrau ist einer der unbeliebtesten Jobs überhaupt. Die Arbeit ist anstrengend und schlecht bezahlt. Doch an der Schule in Rennertshofen arbeiten drei Damen, die das Image der Branche aufpolieren

Rennertshofen Eine Zahnbürste, die ihre Borsten bereits in alle Himmelsrichtungen streckt, ist die Geheimwaffe von Antonia Stadlmayr. „Die hat nicht jede Putzfrau“, sagte sie triumphierend und lacht. Mit ihr rückt die 57-Jährige Kalkablagerungen an Wasserhähnen zu Leibe – egal, wie altersschwach die Armaturen schon aussehen. Sauberkeit muss sein!

Antonia Stadlmayr ist die dienstälteste Dame der Putztruppe an der Rennertshofener Schule. Seit acht Jahren wischt die Bertoldsheimerin schon Schulbänke ab, schrubbt Waschbecken, saugt Teppichböden und sorgt beim Saubermachen der Toiletten für ordentlich Frischluft. „Ich mach’ das gerne“, sagt sie, während sie den Putzlappen auswringt. Das mag im ersten Moment nicht jeder verstehen – so wie eine Schulkameradin ihrer kleinen Enkelin, die Antonia Stadlmayr beim Putzen in der Schule sah und fassungslos fragte: „Ja, hat dei Tante denn nix anders g’lernt?“ Die 57-Jährige kann da nur lachen. Als ob es etwas Verwerfliches wäre, für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen.

Die Bertoldsheimerin kennt es nicht anders. In der Schlosswirtschaft ihrer Schwester hat sie schon immer mit angepackt. Hat die Küche gewischt, den Gastraum gefegt oder sich um die Fremdenzimmer gekümmert. Und dann gibt es ja auch noch ihr eigenes Zuhause, das in Schuss gehalten werden will. Dass sie bereits seit 4.30 Uhr auf den Beinen ist und den Haushalt schon erledigt hat, merkt man ihr am Nachmittag in der Schule nicht an. Antonia Stadlmayr legt ein ordentliches Tempo vor, wischt in gebückter Haltung genauso zackig wie auf Augenhöhe und manövriert den Staubsauger scheinbar mühelos zwischen den Tischbeinen hin und her. „Wir müssen schon schauen, dass wir unser Pensum schaffen“, sagt sie. Zwischen zweieinhalb und vier Stunden haben die drei Damen jeden Tag Zeit, Klassenzimmer, Werkräume, Toiletten, die langen Flure, Turnhalle und Aula von Staub und Schmutz zu befreien.

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Da ist effizientes Arbeiten gefragt. Jeder weiß, was er zu tun hat. Während Antonia Stadlmayr in der 5. Klasse für Ordnung sorgt, macht sich Heike Barcal über die Räume der Mittagsbetreuung im Keller her. 18 Jahre war sie zuvor Verkäuferin in der Metzgerei Buchhard. Als der Betrieb schloss, war sie auf der Suche nach einer Halbtagsstelle. Und weil sie nur einen Katzensprung von der Schule entfernt wohnt, habe sich der Putzjob angeboten. „Da bleibt auch noch Zeit für meine vier Enkelkinder“, sagt sie.

Papierschnipsel-Chaos in der 4. Klasse

Zu dem Trio gehört auch Joanna Filla-Golombek aus Rennertshofen. Ihr Terrain sind die ersten und zweiten Klassen. Weil bei den ABC-Schützen schon mal was daneben gehen kann, muss die 43-Jährige auf den Tischen öfter mal Buntstift- oder Kleberflecken wegreiben. Das hält auf. Eigentlich ist die gebürtige Oberschlesierin Schneiderin. Doch mit einer Nähstube hätte sie nie Feierabend, sagt sie. Da sei es ihr lieber, feste Arbeitszeiten zu haben – auch wenn die sich schon mal in die Nachtstunden ziehen können. So wie heute zum Beispiel. Nach ihrem Putzdienst an der Schule wird sie später vertretungsweise auch den Kindergarten sauber machen. Gegen halb sieben Uhr wird sie dort anfangen und irgendwann zwischen 21 und 22 Uhr Feierabend haben.

Heute hielten sich die bösen Überraschungen in Grenzen. Die 4c hat mal wieder ein „wildes Klassenzimmer“ hinterlassen. Überall auf dem Boden liegen Papierschnipsel. Aber sie sind mit dem Staubsauger schnell eingefangen. „Natürlich kommt man immer wieder mal an Situationen, wo man schluckt und sich denkt: Warum mach ich das?“, erzählt Antonia Stadlmayr. Doch dann nimmt sie ihren Mob, wischt es weg – und alles ist so, als wäre nichts gewesen.

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