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Archäologie

05.12.2020

Schätze unter neuem Baugebiet

Gelegentlich kommen Bergheimer Bürger am Unteren Anger vorbei und schauen sich den Fortgang der Arbeiten an.
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Gelegentlich kommen Bergheimer Bürger am Unteren Anger vorbei und schauen sich den Fortgang der Arbeiten an.

Rund 100 Funde machte das Grabungsteam im Boden unter dem neuen Baugebiet in Bergheim. Nach den Grabungen soll hier die Erschließungsstraße verlaufen

Pinkfarbene Linien und Kreise, teils von blau besprühten Nägeln flankiert und mit Nummern versehen, zieren den vom Humus befreiten Boden am Rand des neuen Bergheimer Baugebiets „Am Unteren Anger“. An einigen Stellen ist eine kleine Mondkraterlandschaft mit nebenliegenden Maulwurfshügeln entstanden. Was so geheimnisvoll aussieht, ist für das Grabungsteam um Archäologin Silvia Wiedmann Routine.

Drei Öfen, zahlreiche runde Abdrücke, die wohl von hölzernen Pfosten stammen und die erwähnten Linien, die auf kleine Gräben, alte Feldgrenzen oder Überreste von Holzwänden hinweisen, summieren sich auf aktuell 82 Funde, und es werden wohl noch ein paar mehr. „Ich rechne mit insgesamt rund 100, bis wir fertig sind“, sagt die Grabungsleiterin, die hier im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege das Bodendenkmal untersucht, ehe es unter der Erschließungsstraße des Baugebiets verschwinden wird. Die soll heuer noch fertig untersucht werden, das Baugebiet selbst wird im Frühjahr folgen.

„Wir lassen gleich alles untersuchen, dann müssen die Bauherren sich nicht später selber darum kümmern“, sagt Bürgermeister Tobias Gensberger, der damit auch möglichen späteren Baustopps und höheren Kosten sowie Organisationsaufwand für die Bauwerber vorbeugt. Die Baugruben hätten auf jeden Fall untersucht werden müssen. Gensberger rechnet insgesamt mit Kosten von circa 60.000 Euro, die auf die Erschließungskosten umgelegt werden, und hofft, die Grundstücke im Januar oder Februar zum Verkauf ausschreiben zu können. Ab da können sich Bauwillige um ein Grundstück bewerben.

Etwa vier bis sechs Wochen Zeit kosteten die Grabungen, eigentlich wollte er heuer noch den Kanal in der Erschließungsstraße verlegen lassen, doch das muss er wohl ins neue Jahr verschieben. Dennoch hofft er, den Zeitplan mit Grundstücksvergabe im Frühjahr einhalten zu können. Gensberger nimmt es gelassen, er kennt sich mit Bodendenkmälern aus, denn es gibt sie zur Genüge in seinem Gemeindegebiet.

„Der Untere Anger war als Vermutungsfall eingestuft“, erklärt Archäologe Hubert Fehr, „das hat sich nun bestätigt“. Was den für Bodendenkmalpflege im nördlichen Oberbayern zuständigen Referenten nicht verwundert, „denn die hochwasserfreien Hoch- und Niederterrassen am Rand der Donauauen waren schon immer bevorzugtes Siedlungsgebiet“.

Aufgrund des Fischreichtums der Donauauen, guten Bedingungen für den Ackerbau und uralter Verkehrswege waren sie seit der Jungsteinzeit durchgängig besiedelt, erklärt Fehr, der bei den Funden in Bergheim von einer Siedlung aus vorrömischer Zeit, vermutlich der Hallsteinzeit (circa 800 bis 450 vor Christus) ausgeht. Genaueres lasse sich möglicherweise sagen, wenn die wenigen Keramikfunde gereinigt und näher untersucht wurden. Es handele sich dabei vermutlich um handgemachte Ware für den Alltagsgebrauch.

Die Gräbchen, wie Wiedmann die dunklen Linien bezeichnet, und die runden Abdrücke seien typisch für jene Siedlungen, Öfen fänden sich auch immer wieder mal – von der Herdstelle bis zum technischen Ofen für Eisenverhüttung zum Beispiel. Sie deuteten meist auf einen handwerklichen Beruf des Besitzers hin.

Etwa 160 Grabungen verantwortet Fehr alljährlich in der Region 10 - wobei es sich praktisch ausnahmslos um Bodendenkmäler handelt, die überbaut werden. Ansonsten lautet die Devise, sie möglichst im derzeitigen Zustand zu erhalten und nicht auszugraben. Forschungsmaterial gibt es ohnehin reichlich aufgrund der regen Bautätigkeit. Ob es sich wirklich um reine Routine handelt, wird sich erst am Ende herausstellen. „Wir wissen nie, was wir finden“, sagt Fehr, „die meisten spektakulären Funde waren Zufallsfunde“. Wie die römischen Schiffe bei Manching zum Beispiel.

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