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Polizei

14.11.2017

Schläge mitten in die Seele

Die Kripo-Beamtin Silke Poller hält zahlreiche Vorträge zum Thema Gewalt gegen Frauen und will für dieses Thema sensibilisieren.
Bild: Luzia Grasser

Silke Poller informiert in der gesamten Region über Gewalt gegen Frauen und Kinder

Silke Poller weiß nicht, hinter welchen Wänden und Gartenzäunen sich Dramen abspielen. Aber sie weiß, dass es überall sein könnte. Hinter den hellhörigen Wänden eines Hochhauses genauso wie hinter den dicken Mauern einer Villa. Im Reihenhäuschen genauso wie in der notdürftig eingerichteten Einzimmerwohnung. Gewalt, sagt Silke Poller, gibt es überall. Bei den Reichen und den Armen, bei den Alten und den Jungen. Opfer der Schläge, Beschimpfungen und des Missbrauchs sind fast immer Frauen und Kinder. Selten trifft es Männer. Und in den meisten Fällen passiert es innerhalb der Familie.

Silke Poller ist Kriminalhauptkommissarin in Ingolstadt und Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer. Zu ihr kommen Frauen, die der Spirale der Gewalt entfliehen wollen. Genau dieses Bild der Spirale verwendet Poller. Denn die ersten Schläge seien vielleicht noch erklärbar. Der Stress im Beruf, finanzielle Probleme – und irgendwann tickt der Mann aus. Nachvollziehbar, denkt da so manche Frau. Doch irgendwann schlägt der Mann wieder zu, ohne dass es eine objektive Erklärung geben könnte. Er entschuldigt sich – und schlägt wieder zu. Wieder und wieder. Die Frau schämt sich, gibt sich selbst die Schuld für die Gewaltausbrüche – die Spirale wird enger, die Schläge mehr, die Kraft, auszubrechen, immer geringer. Vor allem, wenn der Mann noch dafür gesorgt hat, dass die Frau finanziell von ihm abhängig ist. Manchmal ist erst ein Polizeieinsatz der Auslöser, dass Frauen sich helfen lassen wollen, zum Beispiel mit Hilfe von Interventionsstellen. Manche aber wollen sich nie helfen lassen.

Silke Poller kennt viele dieser Schicksale. Mittlerweile ist es eine ihrer wichtigsten Aufgaben, in Vorträgen über das Thema Gewalt in all ihren Auswüchsen zu sprechen. Sie kommt zu Vereinen, sie spricht an Schulen. Da geht es nicht allein um häusliche Gewalt, sie informiert auch über Menschenhandel, Zwangsverheiratung, Prostitution und Ehrenmord. Die Gewalt, sagt Poller, habe sich über die Jahre nicht verändert. Doch die Menschen seien sensibler geworden. Beigetragen hat auch, dass das Sexualstrafrecht im vergangenen Jahr geändert worden ist. „Nein heißt nein“, so wird die Gesetzesänderung oft zusammengefasst.

Eltern wollen wissen, was es mit Loverboys auf sich hat, Vereinsmitglieder wollen sich über sexuellen Missbrauch von Kindern informieren, Frauengruppen thematisieren häusliche Gewalt. Das Thema bewegt. So kommt es hin und wieder vor, dass nach einem Vortrag eine Zuhörerin auf Silke Poller zukommt, ihr erzählt, wie „eine Freundin“ unter ihrem Mann zu leiden habe. Die Kripo-Beamtin hat mittlerweile ein Gespür für Zwischentöne bekommen. Gibt es diese Freundin vielleicht gar nicht, erzählt die Zuhörerin von sich selbst? Aufklärung, Informationen und Hilfsangebote sind nötig. Und so wird Silke Poller noch viele Vorträge halten.

Silke Poller spricht zusammen mit der Rechtsanwältin Nasan Simsek bei einem Vortrag des Ingolstädter Zonta Clubs zum Thema „Ja zu Respekt! Können Recht und Gesetz Frauen vor Gewalt schützen?“. Die Veranstaltung findet am 28. November um 18.30 Uhr in der Stadtbücherei statt.

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