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31.07.2010

Schlammschlacht in der FDP

Das ist ein Bild aus nur vermeintlich glücklicheren Tagen, denn zwischen Christel Ernst und Alexander Kalouti - persönlicher Referent von Wirtschaftsminister Martin Zeil - herrscht schon seit Jahren ein angespanntes Verhältnis. Jetzt trat die Stadträtin aus dem Kreisvorstand zurück und wirft dem Kreisvorsitzenden Philipp Philippson (rechts) vor, der Handlanger von Kalouti zu sein. Archivfoto: John Müller

Ingolstadt Die FDP Ingolstadt hat ihre einzige Mandatsträgerin als Mitglied in der Spitze des Kreisvorstands verloren: Christel Ernst trat jetzt völlig überraschend als stellvertretende Vorsitzende zurück. Mit ihr warfen Schatzmeisterin Gisela Ullmann und Schriftführerin Jutta Herzner-Tomei hin. Alle drei erheben schwere Vorwürfe gegen den Kreisvorsitzenden Philipp Philippson und den persönlichen Referenten von Wirtschaftsminister Martin Zeil, Alexander Kalouti. Beide schießen nicht minder scharf zurück. Die Schlammschlacht ist eröffnet.

Eine konstruktive Zusammenarbeit in diesem Kreisvorstand sei nicht mehr möglich, ihr Vertrauen endgültig erschöpft, so Ernst. "Wenn ein Kreisvorsitzender zwei verschiedene Adressenlisten für seine Rundmails hat und ich als Stadträtin regelmäßig ausgeklammert werde, wenn es um wichtige Dinge geht, dann muss ich die Konsequenzen ziehen", begründete sie ihren Rücktritt jetzt im Gespräch mit der Neuburger Rundschau.

Philippson sei "viel zu leicht beeinflussbar" und würde sich "schnell vor einen Karren spannen lassen", meint die Stadträtin weiter. Vor wessen Karren? Da nennt sie auch gleich einen Namen - den von Alexander Kalouti. Der war bis Ende März 2007 Pressesprecher im Stadttheater und Kreisvorsitzender der Ingolstädter FDP. Als er dann Referent des neuen Wirtschaftsministers Martin Zeil wurde, trat er im Frühjarh 2008 zurück, im April wurde Philippson zum Nachfolger gewählt.

Kalouti blieb Mitglied im Ingolstädter Kreisvorstand. Er habe lediglich an drei von 14 Vorstandssitzungen teilgenommen, würde aber quasi per Fernsteuerung via Philippson den Kreisverband steuern, wirft Ernst ihm vor. Es ist ein offenes Geheimnis, dass sie und Kalouti noch nie ein besonders gutes Verhältnis zueinander hatten.

Schlammschlacht in der FDP

Dass er zu seinem Vorgänger nach wie vor "sehr gute Kontakte" hat, daraus macht Philippson auch gar keinen Hehl. Dass er sich hingegen vor dessen Karren spannen lasse, weist er entschieden zurück: "Ich bin kein Handlanger! Es ist aber so, dass ich halt nicht alles annehme, was die Frau Ernst mir vorgeben will", kontert Philippson.

Ernst's Vorwurf, er sei nicht in der Lage den Kreisverband zu führen, begenet er mit einem Hinweis auf die Mitgliederstatistik. Als er den Kreisverband übernommen habe, seien es gerade mal 25 Mitglieder gewesen, jetzt habe man immerhin über 70. Und auch die Wahlergebnisse seien seit 2008 jeweils "steil nach oben gegangen". Er habe sich "wirklich nichts vorzuwerfen" und werde der Rücktrittsforderung von Ernst keinesfalls nachkommen. Ganz im Gegenteil: "Ich gebe nicht auf!", sagt Philippson.

Der von Ernst nicht minder schwer angegriffene Alexander Kalouti "bedauert diese Wendung und den Schritt von Frau Ernst". Ihre Vorwürfe, er würde permanent Stimmung gegen sie und den Kreisverband Ingolstadt zum Spielball seiner ganz persönlichen Interessen machen, weist er jedoch "aufs Schärfste zurück". Christel Ernst arbeite "mit Unterstellungen". Die Zusammenarbeit sei allerdings tatsächlich schwierig gewesen. Ernst habe nie verstanden, "dass in Ingolstadt Leute zur Partei gekommen sind, die tatsächlich ernsthaft etwas bewegen und mit Politik etwas bewirken wollen und vielleicht ganz andere Vorstellungen von Politik haben". Deshalb habe es viele sehr kritische Diskussionen gegeben. Doch "Frau Ernst versteht Kritik leider immer gleich als Mobbing", sagt Kalouti. Der Kreisverband wird laut Philippson möglichst schnell Nachwahlen durchführen. Dabei könnte es zur Nagelprobe kommen, denn Christel Ernst hat signalisiert, dass sie wieder zur Verfügung stehen würde, wenn Philippson und Kalouti nicht mehr dem Vorstand angehören. Falls es anders komme, werde sie "weitere Konsequenzen ziehen" und vermutlich als parteifreies Mitglied im Stadtrat weitermachen, sagte sie der NR.

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