1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Schloßfest: Notfall-Tropfen gegen Lampenfieber

Neuburg

04.06.2019

Schloßfest: Notfall-Tropfen gegen Lampenfieber

Dieses Gruppenfoto ist von der letzten Produktion 2017. Das Stück damals hieß „Der Hexenauffinder“ von Wolfgang Rüppel. 
Bild: Gassenspieler

Plus Ursula Kober gründete vor 36 Jahren die „Gassenspieler“. Doch sie hat immer noch Bammel vor jedem Auftritt. Was ihre Kollegen gegen die Nervosität tun.

Ohne Bachblüten-Notfalltropfen geht es nicht. Obwohl Ursula Kober ein alter Hase im Schauspielgeschäft ist, stirbt sie vor jedem Auftritt 1000 Tode, wie sie selbst freimütig gesteht. Während sich ihre Kollegen gegen Lampenfieber gerne ein Schlückchen Johannisbeerwein genehmigen, schluckt Kober lieber ein paar pflanzliche Tropfen, um ihre Nerven zu beruhigen.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Vor 36 Jahren hat sie die „Neuburger Gassenspieler“ ins Leben gerufen. Es war eine Hauruck-Aktion. Kurz vor dem Schloßfest 1983 wurde Ursula Kober von Schloßfest-Mitbegründer Mathias Schieber angesprochen, ob sie nicht ein Hans Sachs-Schauspiel auf die Beine stellen könnte. Als Mitwirkende beim Volkstheater lag ihr das Schauspielern im Blut. Insofern verwundert es nicht, dass die umtriebige Neuburgerin schon kurze Zeit später ein kleines Ensemble präsentieren konnte, das zwei kleine Hans Sachs-Stücke auf dem Schloßfest zeigte, garniert mit einem Zauberer, Turnern und handgemachter Musik. „Das war eine wilde Mischung damals“, erinnert sich Ursula Kober. „Wir hatten große Freiheiten, weil es keinerlei Erwartungen gab.“

1987: Ursula Kober mit ihrer Nichte Vera auf dem Arm, die seit zwei Produktionen auch in der aktuellen Schauspielertruppe dabei ist.
Bild: Gassenspieler

Auf dem Neuburger Schloßfest spielt die Gruppe im Theatergarten

Aber der Erfolg gab ihnen recht. Kobers Bruder Bernhard gab einen sensationellen Till Eulenspiegel, der die Menschen mit flotten Sprüchen in den Stadtmuseumsgarten zu den Vorstellungen lockte. Seit 1997 spielt die Gruppe im Theatergartenund kann bei Regenwetter einfach in das Foyer umziehen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Requisiten für die ersten Stücke hat Ursula Kober auf dem Flohmarkt gekauft, Mutter Luise nähte die Kostüme. Alte Gemälde dienten als Inspiration. Mit den Jahren ist daraus ein recht beachtlicher Fundus geworden. Andere Feste wurden auf die Gruppe aufmerksam und luden sie ein. „Harburg, Hexenagger, Pappenheim – jedes zweite Wochenende waren wir woanders“, erinnert sich Franz Rucker, der vor vier Jahren die künstlerische Leitung der Gruppe von Ursula Kober übernommen hat. „Das war eine schöne Zeit, aber irgendwann wurde es zu viel.“ 2006 zogen die Gassenspieler einen Schlussstrich und treten seitdem fast nur noch auf dem Schloßfest auf.

Die Neuburger Gassenspieler zeigen das Stück "Der Weltuntergang"

Die Gruppe möchte mit ihren Stücken das Publikum unterhalten und Themen der Renaissance-Zeit aufgreifen. Wolfgang Rüppel hat viele Stücke geschrieben, auch heuer gibt es wieder eines von ihm zu sehen. Es heißt „Der Weltuntergang“ und wurde vor 20 Jahren schon einmal von den Gassenspielern gezeigt. Damals zauberte Franz Trux als Truxini noch mit den Kindern in der ersten Reihe oder zog in der Pause auch Erwachsenen eine Münze aus den Ohren.

Die Gassenspieler inszenieren ihre Stücke ganz ohne Technik. Dementsprechend müssen sie hin und wieder ganz schön brüllen, damit die Zuschauer noch etwas verstehen, wenn der Fanfarenzug draußen vorbeitrommelt.

Zwei Mal täglich (freitags ein Mal) gibt es die Vorstellung der Gassenspieler auf dme Schloßfest zu sehen. Musikalisch umrahmt wird sie von „Ceretanus“, der Musikgruppe der Pfalzritter, und falls einer bei seinem Text mal wirklich nicht mehr weiter weiß, dann hilft ihm Souffleuse Gabi Röschke auf die Sprünge.

Ein Selfie zur Erinnerung: Die Gassenspieler sind eine Truppe, bei der es durchaus lustig zugeht. Unten links: Franz Rucker, der künstlerische Leiter.
Bild: Gassenspieler

Die zwölf Gassenspieler sind eine eingeschworene Gemeinschaft, in der alle mithelfen. Rita Mehringer zum Beispiel kümmert sich um alles Organisatorische, Karl Kunze betreut die größeren Teile der Requisite und Ursula Kober macht nach wie vor den Kartenverkauf und kümmert sich um die Auswahl und Instandhaltung der Kostüme. Dennoch ist die Gruppe auf der Suche nach Nachwuchs. Franz Rucker erklärt es humorvoll: „Wenn ich im hohen Alter immer noch den jungen Liebhaber spielen muss, nimmt mir das keiner mehr ab.“

Die „Neuburger Gassenspieler“ spielen den „Weltuntergang“ jeweils im Theatergarten freitags um 20 Uhr, samstags um 17.30 und 20 Uhr und sonntags um 17.30 und 19 Uhr. Der Eintritt kostet 5 Euro und die Tickets sind bereits vor dem Schloßfest in der Tourist-Info erhältlich oder dann am Stand des Verkehrsvereins.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren