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Neuburg-Schrobenhausen

24.01.2020

Schnäppchenjagd im Wertstoffhof in Neuburg

Werkleiterin Mathilde Hagl möchte Ressourcen schonen und hat eine pfiffige Idee entwickelt: Aussortiertes soll statt im Müllcontainer im Regal landen und dort auf die „zweite Chance“ warten.
Foto: Annemarie Meilinger

Was brauchbar ist, muss nicht automatisch im Müll landen. Die Werkleiterin hat eine Idee, die die Umwelt schont und das Bewusstsein der Verbraucher stärkt.

Schwimmende Plastikteppiche im Meer, Freitagsdemos von Schülern, Flugscham und Braunkohleausstieg – die Gesellschaft diskutiert wieder über Umweltschutz und es scheint, als ob sich derzeit etwas in den Konsumentenköpfen verändern würde. Auf dem Recyclinghof der Landkreisbetriebe am Sehensander Weg tauchen plötzlich zwei Regale auf. Ein Zeichen?

Zwischen den Containern mit Sperrmüll, Bauschutt und Metallschrott stehen sie und dort, wo „zweite Chance“ draufsteht, können Bürger abstellen, was sie nicht mehr brauchen, aber vielleicht andere. Dort stapeln sich Rollerblades, Kristallvasen und Spielzeug, eine Zeichenplatte und ein Bierkrug – eine bunte Mischung aus Brauchbarem und Überflüssigem steht da und wartet auf Interessenten.

Einen neue Idee im Wertstoffhof

Die Idee dazu stammt von der neuen Werkleiterin der Landkreisbetriebe. Seit August 2019 ist die aus Freising stammende Diplomkauffrau Mathilde Hagl im Amt. Das Regal kommt gut an und es soll bald mehr davon geben. Auch in den anderen Wertstoffhöfen im Landkreis sollen welche aufgestellt werden. „Damit wollen wir das Verbraucherbewusstsein stärken“, sagt sie. „Wir sind hier die letzte Stufe vor der Verwertung, an dieser Stelle könnte ein Gegenstand noch einmal ressourcenschonend weiterverwendet werden.“ Die Hoffnung von Bastlern und Flohmarkthändlern, dass es in Zukunft dann auch möglich sein würde, Wertstoffe aus Containern mitzunehmen, soll damit jedoch nicht genährt werden. „Was einmal drin ist, gehört dem Landkreis. Das ist die Rechtslage“, bekräftigt Mathilde Hagl.

In den Containern auf dem Hof der Landkreisbetriebe in der Sehensander Straße landet noch so manch Brauchbares.
Foto: Annemarie Meilinger

Wer etwas aus einem Container entnimmt, könnte sogar angezeigt werden. Das ist allerdings noch nie gemacht worden, weiß die Werkleiterin. Viele der Wertstoffe bringen allerdings gar keinen Ertrag für die Landkreisbetriebe. Belastetes Holz muss für viel Geld verbrannt werden und die Papierpreise sind soweit im Keller, dass selbst Vereine aufgehört haben zu sammeln. Nur Metalle und Elektroschrott können noch einigermaßen kostendeckend verwertet werden. Das hängt von Verträgen ab und sogar vom Wetter wie beim Grüngut, dessen Menge im vergangenen Sommer deutlich zurückging. „Alle Rohstoffpreise fallen im Moment, da spiegelt sich die konjunkturelle Lage wieder“, erklärt Mathilde Hagl. Deshalb sei es auch wahrscheinlich, dass die Müllgebühren wieder steigen würden. Noch nicht in diesem Jahr, aber der dreijährige Kalkulationszeitraum werde es zeigen, prophezeit die Werkleiterin. Die angesparten Rücklagen seien in den vergangenen zehn Jahren aufgebraucht worden.

Es gibt noch weitere Pläne für den Wertstoffhof

Ein Umdenken der Konsumenten in Bezug auf Müllvermeidung ist bisher noch nicht zu erkennen. Derzeit stagniert die Müllmenge: 478,7 Kilo pro Jahr produziert jeder Einwohner des Landkreises zurzeit, einschließlich der Papiertonnen. Die erfassten Leichtverpackungen aus Plastik machen 35 Kilo pro Einwohner aus. Sie haben sich seit der Einführung der Gelben Tonne verdoppelt. Wie viel davon in der Verbrennung landet, und wie viel davon tatsächlich recycelt wird, danach müsste man beim Dualen System nachfragen. „Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist, was die Müllentsorgung betrifft, richtig gut aufgestellt“, sagt Mathilde Hagl. „Es macht richtig Spaß, hier zu arbeiten“. Die Anregung, wie andernorts schon existierend, auf dem Werksgelände ein „Trödel und Tratsch-Café“ einzurichten, hat sie sich auch schon notiert.

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