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Neuburg an der Donau

28.04.2015

Schüler entscheiden sich für Extrajahr

Die Hälfte der Schüler der 7. Jahrgangsstufe am Descartes-Gymnasiums in Neuburg entschied sich für die Mittelstufe plus und damit ein Extrajahr.
Bild: Norbert Eibel

Wie viele wollen die Mittelstufe Plus? Eine Frage, die Rektoren, das Kultusministerium und die Regierung zittern lässt. Neuburg liefert die Antwort: Genau die Hälfte. Für die Zusatzklasse benötigt die Schule aber mehr Mittel

Das Descartes-Gymnasium liegt im Trend. Fast auf den Schüler genau haben sich die Hälfte aller Siebtklässler für eine verlängerte Zeit am Gymnasium und somit für die Mittelstufe Plus entschieden. Die Plus-Schüler bleiben damit neun Jahre bis zum Abitur, die G8-Schüler haben acht Jahre Zeit.

Nach ersten Informationen aus den 47 Schulen in Bayern, die am Modellversuch Mittelstufe Plus teilnehmen, haben sich im Schnitt 50 bis 60 Prozent der Siebtklässler für die Klasse „Neun Plus“ beworben. Tatsächlich hat das Formular den Anschein einer Bewerbung. Denn nicht an jeder Schule sei es nach Medienberichten möglich, alle Schüler in der Zusatzklasse nach der Neunten unterzubringen. Dillingen beispielsweise liege mit 75 Prozent Plus-Schüler bisher an der Spitze in Bayern. An einigen Schulen läuft die Bewerbungsfrist erst am 4. Mai ab. Dann werden die Zahlen und die Umsetzungsmöglichkeiten konkret.

Am Descartes-Gymnasium ist seit Montag Einsendeschluss. Genau 61 Schüler haben sich für die längere Variante entschieden. 60 bleiben am G8. Obwohl die Eltern auch in Neuburg kurze Begründungen schreiben mussten, warum sich ihr Kind für die „Mittelstufe Plus“ entscheidet, will Rektor Peter Seyberth nur im Notfall auf ein Ausschlussverfahren zurückgreifen. Dann würden die Schüler je nach der Brisanz ihrer Begründung die Plus-Klasse besuchen. Alle anderen müssten weiterhin das achtstufige Gymnasium besuchen.

Doch diese Möglichkeit will Rektor Seyberth möglichst schon in den nächsten Monaten ausschließen. „Wir wollen allen Schülern die Chance geben“, sagt Seyberth, obwohl er zugibt, dass weitere Mittel vonseiten der Regierung dringend nötig seien. Zum jetzigen Stand gibt es vier Zusatzstunden für den Lehrer, der die Betreuung des Modellversuchs übernimmt. Seyberth bezieht dazu klar Stellung: „Der Wunsch der Schüler darf nicht an den Mitteln scheitern.“ Doch zuletzt habe Ministerpräsident Horst Seehofer versichert, dass den Schulen weitere Mittel zur Verfügung gestellt werden. Darauf hofft Seyberth.

In zweieinhalb Jahren, wenn die Siebtklässler die neunte Klasse geschafft haben, werden die ersten Neun-Plus-Klassen am Descartes-Gymnasium eingeführt – und damit die kleinste zehnte Stufe aller Zeiten. 60 Schüler – abzüglich Sitzenbleiber und Schulabbrecher – verteilen sich dann auf die G8-Klassen, während ihre Mitschüler das Zusatzjahr absolvieren. Seyberth spricht vom „dezimierten Jahrgang“, der in Kleinstbesetzung die drei Jahre bis zum Abitur bewältigen wird.

Die größte Herausforderung sei jedoch die Konzeption des gemeinsamen Lehrplans. In den Neun-Plus-Klassen werden Schüler aus den sprachlichen Zweigen und dem naturwissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums aufeinandertreffen. Seyberth spricht deshalb von „gekoppelten Klassen“, an deren inhaltlicher Umsetzung gearbeitet wird. Denn dafür braucht es einen neuen Lehrplan. In der Mittelstufe Plus wird der Stoff statt auf drei Jahre, auf vier verteilt. Plus-Schüler leisten weniger Wochenstunden als ihre Mitschüler.

Den ersten Entwurf legen die Projektschulen bis Mitte Mai dem Kultusministerium vor. Anschließend wird bis in den Herbst hinein weiterverhandelt. Für die Regierung beinhalten die Mittelstufe-Plus-Zahlen eine klare Botschaft: Die Sehnsucht nach dem neunstufigen Gymnasium ist offensichtlich größer als der Wunsch nach der Durchsetzung des G8.

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