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Asylpolitik

26.02.2016

Schülerzahlen steigen sprunghaft

Die Zahl der Flüchtlingskinder an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis nahm im ersten Schulhalbjahr stetig zu. Dabei gibt es eine starke Fluktuation, 132 Zugängen stehen 40 Abgänge gegenüber.

Immer mehr Flüchtlingskinder an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis. Staatliches Schulamt schöpft alle verfügbaren Reserven aus.

Überwiegend geht es in der Diskussion um die Asylpolitik, zu Recht, um bloße Zahlen. Allerdings trübt der bloße Blick auf die Statistik die Wahrnehmung auf die Menschen dahinter. Was die Zuwanderung für Herausforderungen an die Gesellschaft stellt, zeigt etwa die Auswirkungen der Migrationswelle auf die Schullandschaft im Landkreis, die derzeit alle demografischen Szenarien der vergangenen Jahre obsolet macht.

Wie das Staatliche Schulamt sich nach Kräften bemüht, die Situation zu meistern, schilderte gestern Schulamtsdirektorin Ilse Stork dem Kreistag. Insgesamt 13132 Kinder und Jugendliche drücken zum Stand 31. Dezember 2015 an Volks-, Förder- und weiterführenden Schulen im Landkreis die Schulbank. Doch die Zahlen sind alles andere als fix. Seit September hat man 132 Zugänge und 40 Abgänge verzeichnet, was in der Summe einen Zuwachs an 92 Schülern bedeutet. Das entspricht drei kompletten Klassen. Vor dem Hintergrund, dass die Flüchtlingskinder durchgehend Grund- oder Mittelschulen (4942 Schüler) besuchen, liegt die Fluktuation von einem Prozent auf diese Schularten übertragen sogar bei über 2,5 Prozent der Kinder, und zwar während des Schuljahres.

„Die Lehrer müssen damit zurecht kommen und können es auch bewältigen. Aber es ist im Prinzip ein Kommen und Gehen“, machte Ilse Stork deutlich. Dabei gibt es Schwerpunkte im Landkreis und die Schulamtsleiterin nannte Beispiele: In der Stadt Neuburg seien 56 Schüler dazugekommen, unter ihnen 20 Analphabeten. In Schrobenhausen lag der Zuwachs bei 14 Schülern an der Franziska-Umfahrer-Grundschule, wo eine Übergangsklasse eingerichtet wurde. In Aresing sind ebenfalls 14 Kinder neu hinzugestoßen und in Gachenbach zehn. In der Gemeinde im äußersten Landkreissüden macht das einen Zuwachs von 9,8 Prozent oder konkret zwei bis drei Schüler pro Klasse ohne Deutschkenntnisse. Für die Lehrer bedeute das 100 Stunden zusätzlich im gesamten Schulamtsbezirk, unterstrich Ilse Stork. Realisiert werde der Mehrbedarf großteils durch Teilzeitaufstocker, vorzeitige Rückkehrer aus der Elternzeit, Pensionisten und einige Neueinstellungen. „Alle Möglichkeiten werden ausgeschöpft und ich bin stolz auf das Engagement meiner Lehrkräfte“, zog sie ein Fazit. Noch sei man gut versorgt und verfüge über Personalreserven.

Landrat Roland Weigert hatte zuvor dem Gremium einen kurzen Abriss der aktuellen Asylsituation im Landkreis geliefert. Seit dieser Woche liegt die wöchentliche Zuweisung für die dezentrale Unterbringung bei 17 Personen (zuvor 23). Ursache ist ein mittlerweile abgebautes Defizit Oberbayerns gegenüber den anderen Regierungsbezirken. Die sinkende Quote, so der Landkreischef, liege aber mitnichten in einer Reduzierung des Flüchtlingszustromes, sondern einzig in anderen Berechnungsmodi. „Das sind alles nur Werte, von denen kein Mensch weiß, ob sie eintreten.“ Er gehe davon aus, dass heuer weitere 1000 Asylbewerber im Landkreis untergebracht werden müssen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge prognostiziere über eine Million, was nach geltendem Verteilerschlüssel für den Landkreis ein Promille ausmache. „Eine nachhaltige Entspannung des Zustroms in das Bundesgebiet ist derzeit nicht absehbar“, zitierte er aus einem Interview des Bayernkuriers mit Frontex-Chef Fabrice Leggeri. Weigerts Streben ist es deshalb, vor dem nächsten Winter bis September möglichst viele dezentrale Quartiere zu beschaffen. Notfalls werde man auf kommunalen Grundstücken Streifenfundamente legen, um dort Container aufzustellen. Der Landrat will, wie er immer wieder betont hat, keinesfalls Asylsuchende in Turnhallen unterbringen müssen. Um dies glaubhaft vermeiden zu können, muss der Landkreis allerdings mit der Regierung von Oberbayern kooperieren. „Wir werden die Quote erfüllen. Und wenn es nicht möglich ist, haben wir in Gottes Namen alles versucht. Magier sind wir nicht!“, so Weigert.

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