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Neuburg

03.07.2019

Schulabschluss: Schaumparty für Schüler kein Ersatz

Sie feiern doch wieder im Hofgarten ihren Abschluss: Schüler der Paul-Winter-Realschule, der Maria-Ward-Realschule und der Mittelschule, die derzeit ihr letzten Prüfungen absolvieren.
Bild: Dorothee Pfaffel

Obwohl extra für sie eine Party geplant ist, feiern Schüler mehrerer Neuburger Schulen doch wieder im Hofgarten ihren Abschluss. Warum die Idee nicht ankommt.

Ihr Gesichter sind mit Filzstift verschmiert. Sie tanzen Macarena, kicken einen Fußball hin und her und – ja natürlich – haben viele eine Flasche Bier in der Hand. Wie jedes Jahr haben sich Schüler der Paul-Winter-Realschule der Maria-Ward-Realschule und ein paar von der Mittelschule im Hofgarten in Neuburg versammelt. Sie feiern, weil sie ihre Abschlussprüfungen hinter sich haben. Doch eigentlich sollten sie das Feiern im Hofgarten heuer bleiben lassen.

Nach einem Exzess im Jahr 2017 hatte ein Arbeitskreis gemeinsam mit einigen Neuburger Schülern ein Konzept erarbeitet. Demnach gibt es eine große Schaumparty am 11. Juli auf der Brandlwiese. Das Treffen im Hofgarten sollte dafür ausfallen. Für die Schüler ist die Schaumparty jedoch kein adäquater Ersatz, wie sie erklären: „Am Tag der letzten Prüfung fällt der ganze Druck von einem ab – und dann will man keine Woche mehr warten“, sagt eine Maria-Ward-Schülerin, die am Mittwoch ihre letzte Prüfung absolviert hat und danach sofort den Hofgarten ansteuerte. „Es ist eine Tradition, dass die Abschlussklassen hier feiern. Der Hofgarten ist ein zentraler Punkt, an dem automatisch alle zusammenkommen“, sagt auch ein Paul-Winter-Schüler. Ungefähr seit 11 Uhr feiern die Jugendlichen an diesem Tag. Am Nachmittag liegen schon ein paar Scherben am Boden. Eine Schülerin macht den Vorschlag: „Die 9. Klassen könnten aufräumen, dafür dürfen sie dann im nächsten Jahr feiern.“ Dass sie ausschließlich zur Schaumparty gehen sollen und überhaupt nicht im Hofgarten feiern dürfen, sei ihnen gar nicht richtig klar gewesen, behaupten gleich mehrere Schüler. Und eine Strafe gebe es auch nicht. Zudem würde die Schaumparty nur drei Stunden dauern – zu kurz, so die Meinung der Schüler. Sie wollen zweimal feiern.

Ein Polizist behält die Schüler im Hofgarten im Auge

Auf der gegenüberliegende Straßenseite parkt eine Polizeistreife. Der Beamte behält die Schüler im Auge. Bislang sei nichts passiert, erzählt er gegen 14.30 Uhr. Er findet, es sei blauäugig gewesen zu glauben, dass die Schüler nicht in den Hofgarten gehen würden.

An ein paar Stellen im Hofgarten liegen Scherben.
Bild: Dorothee Pfaffel

Auch Guido Büttner, der Geschäftsführer des Kreisjugendrings (KJR), der die Schaumparty und das Konzept in Zusammenarbeit mit der SMV (Schüler mit Verantwortung) geplant hat, ist nicht überrascht: „Wir haben immer wieder betont, dass wir den Umbruch nicht von einem Jahr aufs andere hinkriegen werden.“ Die Schüler hätten sich schließlich über Generationen hinweg an das Feiern im Hofgarten gewöhnt. Man wolle aber auf jeden Fall an dem Konzept der einen großen Abschlussparty, wie es auch in Ingolstadt praktiziert werde, festhalten, bekräftigt Büttner. Die Feiern im Hofgarten über eine Woche hinweg personell zu begleiten, wie 2018, sei schlichtweg nicht stemmbar. Damals waren nicht nur der KJR, sondern auch die Caritas, das Jugendzentrum und weitere Organisationen der Jugendarbeit eingebunden. Ein Verbot oder Strafen möchte Büttner nicht aussprechen. Stattdessen rät er dazu, die Feiern „unaufgeregt“ zu beobachten.

Hofgarten: Passantin stört sich nicht am Treiben der Neuburger Schüler

Ganz so entspannt sieht man die Angelegenheit bei der Stadt nicht. „Die Schülervertreter haben uns ihr großes Versprechen gegeben, dass es keine Treffen im Hofgarten mehr geben wird“, sagt Pressesprecher Bernhard Mahler. Nur deshalb habe man das Verbot, das zwischenzeitlich ausgesprochen worden war, zurückgenommen und der Schaumparty zugestimmt. Die Stadt werde sich das Treiben im Hofgarten anschauen und dann überlegen, was zu tun sei.

Vereinzelt stehen am Mittwoch herrenlose Flaschen herum.
Bild: Dorothee Pfaffel

Eine Passantin, die am Mittwoch durch den Hofgarten spaziert, fühlt sich von den Jugendlichen nicht gestört. „Dann müsste man ja alles verbieten“, meint die Seniorin.

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