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Neuburg

24.07.2018

Schuldspruch: Mann hat 14-Jährigen vergewaltigt

Am Amtsgericht Neuburg ging es um Vergewaltigung.
Bild: Isabella Tartamella

Nach drei intensiven Verhandlungstagen gibt es ein Urteil im Missbrauchsprozess vor dem Neuburger Amtsgericht.

Sexueller Missbrauch von Kindern gehört zu den schwierigsten Fällen, mit denen sich ein Gericht auseinandersetzen kann. Denn in der Regel kennen nur Täter und Opfer die ganze Wahrheit. Zeugen sind selten dabei. Darin waren sich sowohl Staatsanwältin Sandra von Dahl als auch Verteidiger Marcus Knoller einig, als sie am Dienstag vor dem Neuburger Amtsgericht ihre Plädoyers vortrugen. Ihre Forderungen hätten unterschiedlicher nicht sein können: drei Jahre und sechs Monate Gefängnis oder Freispruch? Am Ende war es an Jugendrichter Gerhard Ebner und seinen beiden Schöffen, eine Entscheidung zu treffen.

Der Richter sprach den Angeklagten der Vergewaltigung schuldig

Der Angeklagte sei schuldig der sexuellen Nötigung in mehreren Fällen und der Vergewaltigung, verkündete Ebner nach fast zehn Stunden Sitzung. Dafür muss der mittlerweile 40-jährige Neuburger insgesamt zwei Jahre und vier Monate in Haft, eine Bewährung ist bei diesem Strafmaß nicht mehr möglich. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, es kann Berufung oder Revision eingelegt werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte dem Mann vorgeworfen, dass er zwischen November 2015 und Februar 2017 den damals 14-jährigen Sohn eines sehr guten Freundes und entfernten Verwandten mehrmals sexuell missbraucht habe. Wenn die Eltern des Jungen nicht zuhause waren oder auch an abgelegenen Orten, sei es zu intimen Berührungen, Oralverkehr und versuchtem Analverkehr gekommen. Der Vorwurf des Verbreitens pornografischer Schriften wurde eingestellt.

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Zu Beginn des dritten Verhandlungstages hatte Verteidiger Knoller zunächst noch versucht, das Glaubwürdigkeitsgutachten von Fachfrau Uta Hirschberg auseinanderzunehmen. Jedoch vergeblich. Die Expertin ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und betonte immer wieder, dass das Opfer als Zeuge glaubwürdig sei. Dass daran auch kleine Abweichungen in den Schilderungen nichts änderten. Im Gegenteil: Dies sei normal für das menschliche Erinnerungsvermögen. Knoller hingegen bezeichnete die Aussagen des heute 17-Jährigen als „dünn“. Er würde seine Erzählungen „situativ anpassen“. Der Rechtsanwalt sprach von Autosuggestion. Der Junge hätte seine Angst vor der eigenen Homosexualität, die er inzwischen verneint, und vor der Reaktion der Eltern, deren Religion diese Neigung nicht billigt, auf einen dritten – den Angeklagten – projiziert. Diese Sündenbock-Theorie wies der Richter in seinem Urteil allerdings mit der Begründung zurück, dass der Junge in seiner ersten Aussage vor der Polizei dann nicht zugegeben hätte, tatsächlich möglicherweise schwul zu sein. Ebner erklärte weiter, dass der Bub keinerlei Belastungseifer gezeigt habe und eine erhebliche Kontinuität im Kern seiner Aussagen vorhanden sei. Für den Angeklagten spreche hingegen lediglich, dass dieser bislang weder in Deutschland noch in seinem Heimatland strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Ein Geständnis, das positiv hätte gewertet werden können, gab es nicht. Die letzten Worte des Angeklagten, der sich ansonsten nicht zur Sache geäußert hatte, waren vielmehr: „Ich bin unschuldig!“

Missbrauchsprozess: Experten halten die Aussagen des Jungen für glaubwürdig

Staatsanwältin Sandra von Dahl hatte sich in ihrem Plädoyer der Gutachterin angeschlossen. Auch sie hielt die Aussagen des Geschädigten für glaubwürdig, insbesondere zum Beispiel aufgrund der Entwicklung der Delikte. Es sei ihrer Erfahrung nach typisch, dass Täter im Laufe der Zeit immer mehr von ihren Opfern verlangten. Sich alles ausgedacht zu haben, traute keiner im Gerichtssaal dem Jungen und seinen kognitiven Fähigkeiten zu.

Nebenklagevertreterin Váleria Szabó hatte für den Angeklagten übrigens sogar vier Jahre Haft und 10000 Euro Schmerzensgeld gefordert. In ihrem Plädoyer sprach sie von einem planmäßigen Vorgehen des Mannes mit dem einzigen Ziel, sich selbst zu befriedigen. Am Ende meinte sie sogar: „Es besteht die Gefahr, dass er erneuten sexuellen Versuchungen nicht widerstehen könnte.“

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