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Neuburg

15.01.2020

Schultheater: Wie die FOS/BOS Shakespeare zähmen will

Jana Schweizer, Anna Geier, Ecem Acat, Celina Reiter, Lea Fischhaber proben für Der Widerspenstigen Zähmung an der FOSBOS Neuburg.
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Jana Schweizer, Anna Geier, Ecem Acat, Celina Reiter, Lea Fischhaber proben für Der Widerspenstigen Zähmung an der FOSBOS Neuburg.
Bild: Tanja Büchl

Neuburger Schüler spielen Theater. Schauspieler Jakob Licht erzählt, worum es geht, wie viel Einsatz es braucht und was man heute von Shakespeare lernen kann.

Großes Drama an der Fach- und Berufsoberschule in Neuburg (FOS/BOS): In dieser Woche wagen sich die Schüler an eines der bekanntesten Theaterstücke aller Zeiten: „Der Widerspenstigen Zähmung“, geschrieben von William Shakespeare. Das Stück ist inzwischen über 400 Jahre alt, wurde unzählige Male auf den Bühnen der Welt aufgeführt und mehrfach verfilmt. An der FOS/BOS wirken nun elf Schüler an der Aufführung mit – und das mitten im Schuljahr, während für manche in wenigen Wochen die Abiturprüfungen anstehen. Einer von ihnen ist Jakob Licht. Er hat uns verraten, wie Schulstress und Theaterleidenschaft zusammen passen.

Jakob, warum spielst du Theater?

Jakob Licht: Anfangs bin ich mehr so aus Versehen reingerutscht. Vor zwei Jahren gab es eine Einschreibung, zu der eine Freundin wollte. Ich bin einfach mitgelaufen, weil wir geratscht haben, und habe gar nicht gemerkt, wo ich da eigentlich gelandet bin. Das Ende vom Lied war: Ich wurde genommen, sie nicht. Ich bin dabei geblieben, weil es unfassbar Spaß macht. Es ist eine Sache, die man selbst erlebt haben muss: In eine Rolle zu schlüpfen, sie über die Zeit zu meistern und dann dem Publikum darzubieten, ist eine Vermischung von Kreativität, Aufregung, Adrenalin. Und unfassbarer Befriedigung, wenn die Zuschauer dann applaudieren.

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Das klingt so, als hättet ihr sogar Castings?

Jakob: Vor zwei Jahren war das so, da war Theater aber noch kein offizielles Fach. Jetzt kann man an der FOS/BOS in der zwölften Klasse als Wahlfach Theater spielen, in der 13. Klasse als Seminarfach. Wir proben teils in den Stunden, die der Lehrplan vorsieht.

Worum geht es denn in eurer Aufführung?

Jakob: Um zwei Töchter einer reichen Frau, die im England des elisabethanischen Zeitalters leben, also im 16. Jahrhundert. Die eine, Bianca, ist sehr schön und hat viele Verehrer. Die ältere, Katharina, ist dagegen sehr widerspenstig und cholerisch und lässt sich von Männern nichts gefallen. Die Mutter verheiratet aber die jüngere Tochter nur dann, wenn auch Katharina einen Mann bekommt. Danach versuchen natürlich alle Freier von Bianca, einen Bräutigam für ihre Schwester zu finden. Einer der Männer schafft es letztendlich: Er findet Petruchio, der genauso wortgewandt ist wie Katharina und außerdem sehr machtbesessen. Er sieht es mehr oder weniger als Spiel an, Katharina zu erobern. Wie die Geschichte aber dann ausgeht, kann man in der Theateraufführung sehen.

Und wen verkörperst du?

Jakob: Ich spiele den Gremio, der eigentlich viel zu alt ist für die Brautsuche, aber trotzdem ein Verehrer von Bianca. Ich habe ein paar lustige Szenen mit dem Hortensio, einem anderen Freier von Bianca, und noch anderen Nebenfiguren.

Viele Proben sind auch außerhalb der Schulzeit. Seit wann probt ihr am aktuellen Stück – und wie schafft ihr das alles neben den anderen Fächern und der Vorbereitung aufs Abitur, das du dieses Jahr schreibst?

Jakob: Seit Oktober proben wir jetzt. Wie wir das alles schaffen, weiß ich selbst nicht. Aber vergangenes Jahr hat es auch funktioniert – also bin ich optimistisch!

Neuburger FOS/BOS spielt Shakespeare

Warum habt ihr euch dieses Stück ausgesucht?

Jakob: Unsere Lehrerin hat uns zwei Stücke zur Auswahl gegeben: „Der Widerspenstigen Zähmung“ oder „Der Besuch der alten Dame“ von Dürrenmatt, da es beide Male sehr stark um Feminismus geht. Die Wahl fiel dann auf Shakespeare.

Und warum führt ihr das Stück in einer neueren Adaption von Peter Haus auf?

Jakob: Dafür haben wir uns entschieden, da die ältere Fassung erstens viel zu lang ist und zweitens wird es am Ende so dargestellt, als müssten alle Frauen unterwürfig sein, um gut zu sein. Die Fassung von Peter Haus dagegen schiebt das so ein, dass das Ganze von den Frauen ein bisschen eingefädelt wird. Die neue Fassung macht Shakespeares Werk praktisch feministischer. Aber ich möchte natürlich jetzt nicht zu viel verraten.

Denkst du, dass der Stoff heute noch relevant ist?

Jakob: Ja, klar! Zum Glück ist es nicht mehr so schlimm wie vor ein paar hundert Jahren. Aber trotzdem werden Frauen heute noch von manchen Leuten nicht ganz ernst genommen. Da geht’s übrigens im Stück auch oft drum. Auch bei manchen Berufen werden selbst hierzulande immer noch lieber Männer als Frauen genommen. Und wenn man in andere Länder schaut, dann ist es oft noch genauso oder sogar noch schlimmer. Das greifen wir auch im Theaterstück wieder auf.

Wem empfiehlst du das Theaterstück?

Jakob: Eigentlich fast jedem, der Theater mag. Manche Stellen sind noch aus dem Originaltext und damit nicht ganz so leicht zu verstehen, außerdem braucht es manchmal ein wenig Vorwissen. Aber allen Theaterinteressierten ab der achten oder neunten Klasse aufwärts kann ich versprechen, dass sie ihre Freude daran finden werden. Außerdem ist es ja – obwohl es ein ernstes Thema ist – alles andere als ein graues oder mürbes Stück, sondern eine Komödie. Interview: Lea Rohleder

Aufführung Drei Vorstellungen spielen die Schüler der FOS: Am Freitag, 17. Januar, Samstag, 18. Januar, und Sonntag, 19. Januar, treten sie jeweils um 19 Uhr in der Schulturnhalle auf. Tickets gibt es an der Abendkasse und kosten drei Euro. Den Trailer für das Theaterstück gibt es auch: Zum Ansehen einfach den QR-Code scannen.

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