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06.07.2010

Schweizer Justizministerin besucht Neuburger Jugendstrafanstalt

Bayerns Justizministerin Beate Merk (links) zeigt ihrer schweizer Kollegin Eveline Widmer-Schlumpf (rechts) den Jugendstrafvollzug in Neuburg. Werkdienstleiter Josef Reil beantwortete Fragen. Foto: Barbara Feneberg
Bild: Barbara Feneberg

Neuburg Vor gut einem Jahr prügelten drei schweizer Jugendliche in München wahllos Passanten nieder. Zwei davon starben beinahe. Die damals 16-Jährigen stehen seit März vor dem Landgericht München.

Dieser Vorfall war Anstoß für die schweizer Vorsteherin des Justizdepartements Eveline Widmer-Schlumpf sich anzusehen, wie in Nachbarländern mit jugendlichen Straftätern umgegangen wird. Dazu kam sie gestern nach Neuburg in die JVA Herrenwörth.

Bayerns Justizministerin Dr. Beate Merk ( CSU) begleitete ihre Kollegin, hatte sie doch selbst schon die Gelegenheit genutzt, sich eine Jungendstrafanstalt in der Schweiz anzusehen. Dort wird ein anderes Konzept verfolgt. Die Jugendlichen Straftäter in der Schweiz beginnen bereits in der Untersuchungshaft mit erzieherischen Maßnahmen. Bis zum 18. Lebensjahr werden sie nach Jugendstrafrecht bestraft. Zudem sind die Strafen länger angelegt, um beispielsweise Schul- und Berufsausbildung abzuschließen. "Die jungen Menschen müssen den Weg in die Gesellschaft zurückfinden", sagte Widmer-Schlumpf, die mit ihrer Generalkonsulin und weiteren Mitarbeitern ihres Departements angereist war. "Wir haben das gleiche Ziel, aber unterschiedliche Wege", sagte die Schweizerin und promovierte Juristin.

Großes Interesse weckte bei ihr das sozialtherapeutische Angebot in Bayern. Im "modernsten Jugendgefängnis Bayerns" (Merk) ließ sich Widmer-Schlumpf die Inhalte erklären, denn Sozialtherapie wird in schweizerischen Jugendgefängnissen kaum praktiziert. Franz Kalatschek, Leiter der Sozialtherapie, berichtete von erstaunlichen Erfolgen: Jugendliche, die sich zuvor kaum artikulieren konnten, werden Dank Kommunikationstraining zu souveränen Rednern und lernen in Konfliktsituationen, nicht die Fäuste zu benutzen.

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Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen nimmt zu

Die Gewaltbereitschaft bei den Jugendlichen nimmt zu. "Die Kinder kennen keine Grenzen, verwahrlosen in Familien", sagt die bayerische Justizministerin. Ähnliche Entwicklungen sind in der Schweiz zu beobachten. Auch die Probleme durch das Internet kennt man in den Kantonen.

In Herrenwörth sitzen derzeit 178 Gefangene ein, noch acht weitere Plätze stehen zur Verfügung. Die Verantwortlichen nutzen die Anwesenheit ihrer Ministerin, Wünsche zu formulieren. Mehr Personal für den allgemeinen Vollzugsdienst - diese Forderungen kennt Merk. "Die Leute sind hoch motiviert, aber auch hoch belastet", sagt sie. Doch angesichts der Kassenlage wird sich daran so schnell nichts ändern. Zudem stehe Neuburg im Vergleich gut da.

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