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Ingolstadt

15.09.2019

Sebastian Pufpaff: „Der Clown ist der neue Staatschef“

Sieht als „heilloser Optimist“ nicht alles schwarz: Humorist Sebastian Pufpaff kommt mit seinem Programm „Wir nach“ ins Stadttheater nach Ingolstadt.
Bild: Manuel Berninger

Exklusiv Sebastian Pufpaff ist bekannt aus der „heute Show“. Im Gespräch mit der NR erklärt er die Kraft des Lachens und wie er auf Hasskommentare reagiert.

Herr Pufpaff, viele kennen Sie aus der „heute Show“. Dort schlüpfen sie häufig in die Rolle des rücksichtslosen Lobbyisten. Warum?

Sebastian Pufpaff: Häufig sind genau das die Leute, denen wir auf den Leim gehen. Als rückgratlose Aushängeschilder des Kapitalismus steckt unglaublich viel Potenzial in ihnen. Sie sind schlicht am satirefähigsten. Außerdem hat es einen größeren Reiz, das Böse zu spielen. Wenn wir in der „heute Show“ also ein Arschloch brauchen, sagt Moderator Oliver Welke schon immer, dass das eine typische Pufpaff-Rolle ist. Ich habe einige Jahre als Kommunikationstrainer auf der Exekutivebene eines großen deutschen Telekommunikationskonzerns gearbeitet. Da verwechseln die Leute Außenwirkung mit Charakter, Skrupellosigkeit mit Ehrgeiz. Ich trage diese Erfahrungen in diese Rolle mit hinein.

Sie sind studierter Politologe. Hilft oder hemmt das bei politischer Satire?

Sebastian Pufpaff: „Der Clown ist der neue Staatschef“

Pufpaff: Das hilft ungemein. Zum einen hilft das wissenschaftliche Arbeiten dabei, gut zu recherchieren. Ich kann es mir gar nicht erlauben, mit Fake News auf die Bühne zu gehen. Zum anderen hilft es, weil ich den Beruf des Politikers kenne, den Spagat zwischen Mensch und Parlamentarier. Da befindet man sich im Gespräch mit Politikern gleich auf Augenhöhe.

Sie haben mit „Pufpaffs Happy Hour“ eine eigene Sendung, die zur Primetime auf 3sat läuft – mit guten Quoten. Funktioniert Ihrer Meinung nach Satire nur im Nischenfernsehen?

Pufpaff: Man könnte sagen, dass es Satire mittlerweile 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche in Form eines Präsidenten gibt – siehe USA. Der Clown ist der neue Staatschef. Aber klar: Gute Satire ist unbequem und dadurch mehr Nische als Mainstream. Ein Mario Barth ist Comedian, das ist massentauglich wie Spaghetti Bolognese oder Helene Fischer. Doch je zynischer Satire ist, desto mehr ist sie das Arte unter den Komikern. Darum ist die „heute Show“ so wichtig, weil sie jede Woche vier Millionen Zuschauer erreicht. Meine Sendung hat mit 30.000 angefangen, mittlerweile sind wir bei über 600.000 Zuschauern. Man muss Kabarett nur entstauben. Wir erleben derzeit eine Art Renaissance der Komik.

Ein bekanntes Zitat von Ihnen lautet: „Verstehen kommt von Begreifen, aber das kapieren viele nicht. Und deshalb haben wir aufgehört nachzudenken.“ Ist das das aktuelle Problem in der Gesellschaft?

Pufpaff: Ja. Vieles meiner Arbeit baut auf diesem Zitat auf. Nach Feierabend beginnt die Zerstreuung – sei es über Netflix, Youtube oder lineares Fernsehen. Nach 20 Minuten Fernsehen schalten Teile des Gehirns ab. Wir halten das für Erholung, denken in der Zeit aber auch nicht nach. Hinzu kommt, dass wir in der heutigen Zeit das Gefühl haben, immer mehr auffallen zu müssen. Das passiert in der Regel durch Lautstärke, hat aber nichts mit Nachdenken zu tun. All meine Witze haben eine kleine Botschaft. Ich will die Welt nicht besser machen, aber für ein herzlicheres Miteinander sorgen.

Brauchen wir in der heutigen Zeit Satire und Humor vielleicht mehr denn je?

Pufpaff: Satire ist ein Spiegel, der uns dabei hilft, uns zu verorten. Satire ist mittlerweile die fünfte Gewalt und hat damit eine große Verantwortung. Ich bin in erster Linie Unterhalter, es kommt aber darauf an, zu reflektieren. Früher ist das in Großfamilien passiert, da hat einem der Opa mal den Kopf gewaschen. Heute nabeln wir uns von der Familie schneller ab, wir mögen flache Hierarchien. Und dann kommt der Satiriker und zeigt noch andere Wege auf.

Wann ist Ihnen als Humorist zuletzt das Lachen vergangen?

Pufpaff: Ich versuche, dass das niemals passiert. Dann würde ich wohl auch aufhören. Klar sitze ich manchmal da und schüttele den Kopf – beispielsweise über den Strahlenunfall in Russland und ob wir denn nach den Möbeln der 70er Jahre auch den Kalten Krieg wieder hervorkramen müssen. Oder ich schüttele den Kopf über die Elefantenrunde nach den Wahlen, weil es nur noch um Außenwirkung und nicht mehr um Inhalte geht. Aber ich bin ein heilloser Optimist.

War es mit dem Nachnamen schwierig, etwas Ernstes zu machen – oder wie sind Sie Komiker geworden?

Pufpaff: Meine Karriere beruht auf einer wahren Anekdote. Mein Biologielehrer in der 10. Klasse meinte zu mir: „Du warst ein guter Schüler, bis du dachtest, dass ein Lacher mehr wert sei als gute Mitarbeit.“ Ich war auch Schülersprecher und habe die unglaubliche Kraft des Lachens gespürt. Wenn Lehrer gelacht haben, war man plötzlich auf Augenhöhe. Irgendwann habe ich das Ganze sportlich gesehen, wollte Lacher produzieren. Dabei half mir natürlich auch mein Nachname. Als ich dann eine humoristische Abschlussrede hielt, kam ich auf den Geschmack, auf der Bühne zu stehen. Ich habe dafür viel Schulterklopfen geerntet. In meinem späteren Jurastudium gab es wenig Schulterklopfer und Lacher, also habe ich mich für den Weg des Humors entschieden.

Es gibt für die Themen, die Sie beackern, sicher nicht nur Schulterklopfer. Wie gehen Sie mit der Kritik um?

Pufpaff: Klar kommt die Kritik zu einem durch, es sind aber auch viele Hasskommentare, die von Computerprogrammen automatisch erstellt werden. Da sitze ich dann auch wieder kopfschüttelnd vor dem Rechner: Wer programmiert so was? Kritik zeigt mir aber auch, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Wichtig ist nur, sich nicht in Diskussionen zu verstricken. Ich meine, warum soll ich mit dem Arschloch streiten!?

In Ingolstadt treten Sie mit Ihrem aktuellen Programm „Wir nach“ auf. Was erwartet die Zuschauer?

Pufpaff: Man hat das Gefühl, die Welt geht tagtäglich mehrmals unter. Und das feiere ich. Ich zeige den Zuschauern: Es ist schlimm, aber wir kriegen das hin. Die Sonne geht wieder auf, es wird besser. Was ich versprechen kann: Die Zuschauer erhalten die Pufpaff-Sicht, die schwärzer ist als jede andere in Deutschland. Und sie können befreiend lachen.

Sebastian Pufpaff tritt mit seinem Programm „Wir nach“ am Donnerstag, 26. September, um 20 Uhr im Stadttheater in Ingolstadt auf. Karten gibt es unter www.eventim.de.

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