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Bergheim

25.10.2019

Sechs Jahre Bergheim in einer Bürgerversammlung

Nach einem Brand bekam der Waldkindergarten in Unterstall neue Blockhütten. Im September wurden sie eröffnet.
Bild: Julia Abspracher

Auf seiner sechsten und letzten Bürgerversammlung vor der Kommunalwahl blickt  Bürgermeister Tobias Gensberger zurück. Für seine Arbeit bekommt er viel Lob.

So eine Bürgerversammlung kann ganz schön unangenehm werden. Rund 70 Bürger im Attenfelder Feuerwehrhaus, dessen Gemeinschaftsraum kaum größer als ein Wohnzimmer ist, können einen Bürgermeister arg ins Schwitzen bringen, wenn sie unzufrieden sind. Aber Grantler gibt es in der Gemeinde Bergheim nicht. Und falls doch, dann sind sie am Donnerstagabend zuhause geblieben.

Also wagte Bürgermeister Tobias Gensberger (Dorfgemeinschaft Bergheim) einen Parforceritt durch seine bisherige Amtszeit, die 2014 begonnen hatte. Damals hatte er den amtierenden CSU-Bürgermeister Michael Hartmann bei der Kommunalwahl besiegt. Im kommenden März will Gensberger sich erneut zur Wahl stellen lassen. Die Chancen, dass er sein Amt dann behalten darf, stehen nicht schlecht. Denn der Stimmung auf der Bürgerversammlung nach zu urteilen, hat Gensberger sehr vieles richtig gemacht, das sehen auch Vertreter der anderen Parteien im Gemeinderat so.

Bürgerversammlung in Bergheim: Bürgermeister fährt die Leute persönlich

Weil „der Tobi“ jeden Bürger im Feuerwehrhaus vermutlich persönlich kennt, ist er dementsprechend gut informiert. „Heuer gab es erst sieben Geburten in der Gemeinde, aber: Da kommt noch einiges nach, was ich so weiß“, erzählt er in der Versammlung – und hat die Lacher auf seiner Seite. Angereist zur Versammlung ist er mit dem Kindergartenbus der Gemeinde. Wer mag, den würde er nach der Versammlung persönlich nach Hause fahren, kündigt er an.

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So wundert es nicht, dass die übrigen Parteien in der Gemeinde Gensberger kaum angreifen wollen – und können. „Eine Bürgermeisterwahl ist meistens eine Personenwahl“, sagt Claudia Heinzmann. Sie ist Zweite Bürgermeisterin der Gemeinde und gehört der Bürgergemeinschaft Unterstall an. Gensberger sei bei seiner Wahl damals total unbekannt gewesen, sie habe deshalb Skepsis gehabt. „Aber ich bin total begeistert davon, dass er die Dinge angeht und wie er sie angeht“, sagt sie.

Zu diesen Dingen zählt etwa die Kläranlage in Attenfeld, die saniert werden müsste. Geplant ist nun eine Druckleitung nach Unterstall, statt den Standort in Attenfeld selbst auf Vordermann zu bringen. Das würde zwar zunächst zwei statt 1,8 Millionen Euro für die Sanierung kosten, soll langfristig jedoch Geld einsparen. Denn damit würde eine Kläranlage wegfallen – und damit auch die Kosten für deren Unterhalt. Fertig gebaut ist bereits der neue Waldkindergarten, in dessen vorheriger Unterkunft es vor eineinhalb Jahren gebrannt hatte. Der Rohbau von Feuerwehrhaus und Bauhof in Bergheim steht schon, die Planungen für das Feuerwehr- und Gemeinschaftshaus in Unterstall sind abgeschlossen. Auch die Planungen für das bereits beschlossene Kneippbecken am Sportplatz in Bergheim sind weit fortgeschritten. Rund 30 Blühflächen hat die Gemeinde zudem angesät.

Mehr Blitzer, weniger Raser in Bergheim

Und weniger Raser gebe es in der Gemeinde: Sei 2014 bei Geschwindigkeitskontrollen noch jeder zehnte Fahrer geblitzt worden, ist der Anteil jetzt kaum noch halb so hoch. Sieben Geschwindigkeitsanzeigen mit Smileys stehen aktuell an den Straßen in der Gemeinde, eine 70er-Zone werde in Attenfeld demnächst eingerichtet, an der Staustufe und zwischen Joshofen und Unterstall besteht diese bereits. Morgens gegen sechs Uhr seien dort dennoch viele noch sehr rasant unterwegs, merkt einer der Bürger auf der Versammlung an. Gensberger notiert sich das sofort. Er werde das an die Polizei weitergeben, sagt er.

Im Sommer hatten Eichenprozessionsspinner einige Unterstaller auf die Barrikaden getrieben – doch nicht gegen Gensberger. Der hatte sich dafür eingesetzt, dass die Eichen am Rande eines Wohngebietes gefällt werden. Dort nisteten die Raupen, deren Brennhaare schwere allergische Reaktionen auslösen. Das Landratsamt untersagte jedoch zunächst, dass die Eichen gefällt werden dürfen, inzwischen liegt das Einverständnis aber vor. Vier der zwölf Eichen, die unmittelbar an das Wohngebiet grenzen, wird die Gemeinde demnächst fällen lassen. „Das Landratsamt ist dem anfänglichen Vorschlag des Gemeinderates gefolgt“, kommentiert Gensberger das.

Die Bergheimer sind dem Augenschein nach zufrieden mit ihrem Bürgermeister. Auch der CSU-Ortsvorsitzende Matthias Seitz sagt: „Seine Arbeit ist in großen Teilen positiv.“ Seine Partei wird am 6. November ihre Liste für den Gemeinderat aufstellen – die Wahl eines Bürgermeisterkandidaten ist auf der Tagesordnung nicht vorgesehen. Was Seitz in der Gemeinde vermisst, ist ein Entwicklungsprogramm für die Ortskerne, Neubaugebiete am Ortsrand sollten nicht um jeden Preis entstehen. In der Tat: Aktuell sind fünf neue Wohngebiete angedacht oder geplant. In der Versammlung selbst erhob er dazu allerdings nicht das Wort. Keiner der Bürger im Raum fand ein kritisches Wort für die Lage der Gemeinde. Alles blieb harmonisch – von Anfang bis Ende.

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