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Neuburg-Schrobenhausen

02.05.2019

Selbstversuch: Eine Woche mit dem E-Auto unterwegs

Eine Ladesäule für Elektroautos.
Bild: Sina Schuldt/dpa

Plus Unser Mitarbeiter hat sich einen Audi e-tron ausgeliehen und damit den Alltagsversuch gemacht. Woran er sich schnell gewöhnte und wo die Bedenken bleiben.

Zu Beginn gleich ein Hinweis: Dies ist ein Selbstversuch eines bekennenden Dieselfahrers, der bisher die Reichweiten von E-Fahrzeugen außerhalb jeglicher Toleranz sah. Zu wenige Kilometer, zu wenige E-Tankstellen – und damit zu unsicher. Nun aber kommen Fahrzeuge deutscher Hersteller auf den Markt, die 400 Kilometer Reichweite versprechen. Da ich ein Fahrtenbuch führe, weiß ich genau, wie viele Kilometer ich pro Tag zurücklege. Ich stelle fest, dass meine Fahrten zu 80 Prozent im Bereich von unter 100 Kilometern liegen. Ideal für ein Elektroauto. Also teste ich einen Audi e-tron für meinen Alltagsgebrauch.

Gewöhnungssache: Die Anzeigen eines E-Fahrzeugs unterscheiden sich von dem eines Verbrenners.
Bild: Manfred Dittenhofer

Die erste Erkenntnis in einem elektrisch angetriebenen Fahrzeug ist das leise Dahingleiten. Das ist vor allem im Stadtverkehr absolut angenehm – nicht nur für die Insassen. Den Wagen übernahm ich vollgeladen und mit einer Reichweitenanzeige von 403 Kilometern. Nach fünf Kilometern im Neuburger Stadtverkehr ist die Reichweitenangabe bereits auf 370 Kilometer gesunken.

Problem: Verbrenner blockieren die Parkplätze neben den Ladestationen

Zuerst einmal will ich mir die Ladesäulen in Neuburg anschauen. Die stellen die Stadtwerke Neuburg am Bahnhof, auf der Schlösslwiese und im Eulatal in Bittenbrunn zur Verfügung. Ich werde sie alle ausprobieren. Da ich den Wagen nur für einige Tage geliehen habe, bin ich nicht im Besitz einer Tankkarte. Das ist bei den Neuburger Säulen aber gar nicht nötig. Man kann sich auch mit einer Kreditkarte identifizieren. Der Strom aus diesen Ladesäulen ist dann kostenlos – sofern man eine freie Ladesäule findet. Auf der Schlösslwiese parken bereits ein Audi A3 e-tron und ein BMW I3. Also fahre ich zum Bahnhof. Dort steht eine neue, noch nicht freigegebene Ladesäule mit zwei Anschlüssen direkt gegenüber dem Bahnhofsgebäude. Die ist aber erst vor Kurzem montiert worden und noch nicht einsatzbereit. In einem dunklen Parkplatzeck befindet sich eine weitere Säule. Dort angeschlossen ist der Carsharing-BMW der Stadtwerke. An der zweiten Buchse könnte ich nun laden, aber ich versuche es noch einmal an der Schlösslwiese. Prima, der I3 ist inzwischen weg. Nicht ganz so prima: Der Audi A3 steht so weit rechts auf der linken Parkfläche, dass der Audi e-tron, immerhin kein kleiner SUV, nicht in die schmale Lücke passt. Würde ich jetzt von auswärts kommen und Strom wirklich benötigen, müsste ich in zweiter Reihe parken und hoffen, dass das Ladekabel bis zur Steckdose reicht.

Auto mit Steckdose: Stecker der Ladesäule reinstecken und schon wird der Strom abgezapft.
Bild: Manfred Dittenhofer

Ein erneuter Versuch am nächsten Tag. Und siehe da, derselbe Wagen parkt immer noch vor der Ladesäule. Der Audi A3 mit Neuburger Kennzeichen steht von Freitag bis Montag – meines Erachtens nicht ein einziges Mal bewegt – vor der Ladesäule. Er ist dort anscheinend übers Wochenende geparkt. Wie egoistisch ist das denn? Bald schon drängt sich mir die Frage auf, ob Ladesäulen auf Parkplätzen installiert sein sollten. Denn mir passiert es in den kommenden Tagen immer wieder, dass Verbrenner vor den E-Ladesäule parken und sie damit für Stromer unbenutzbar machen.

Der Parkplatz vor Stromladesäulen steht E-Autos nur während des Ladevorgangs zur Verfügung. Leider hält sich nicht immer jeder daran.
Bild: Manfred Dittenhofer

Die 400 Kilometer Reichweite schafft man mit dem e-tron nicht

Glücklicherweise habe ich in meiner Garage einen Starkstromanschluss. Der schafft pro Stunde etwa 15 Kilowattstunden. Bei einer 94-Kilowattstunden-Batterie, wie sie der e-tron besitzt, braucht man also einiges an Zeit. Aber richtig leer ist die Batterie ja nie. Zudem reicht eine Nacht locker, um sie komplett aufzuladen. Aber einen solchen Anschluss hat nicht jeder. Vor allem Mieter tun sich schwer, ihre Fahrzeuge zu Hause voll zu bekommen.

An die 400 Kilometer Reichweite, die Audi verspricht, komme ich nicht ran. Da man den Wagen mit seinen über 400 PS sehr sportlich fahren kann, probiere ich das auch aus und komme auf einen Verbrauch von rund 50 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Bei normaler Fahrt auf Landstraßen, Tempomat auf 100, ab und zu mal überholen, braucht der e-tron um die 27 Kilowattstunden, was immerhin einer Reichweite von rund 350 Kilometern entspricht. Nur benötigt man bei dem noch dünnen Netz an Ladestationen auch mehr Reservepuffer als beim Benziner.

Wo normalerweise bei Autos mit Verbrennungsmotoren nur Platz für den Motor ist, sind bei Elektruautos die Ladekabel untergebracht. Beim Audi e-tron ist das unter der Motorhaube.
Bild: Manfred Dittenhofer

Deshalb überlege ich bei beinahe jeder Fahrt, wo ich Strom ziehen könnte. Und habe ich die passende Tankkarte für den jeweiligen Anbieter? In der Oberpfalz etwa finde ich Tanksäulen vom Nürnberger Energieanbieter N-Ergie. Automobilhersteller und auch der ADAC bieten inzwischen übergeordnete Karten, die man bei mehreren Anbietern nutzen kann. Aber ein einfaches System mit der Kreditkarte gibt es meines Wissens noch nicht. Bei den Neuburger Stadtwerken denkt man bereits über die Einführung eines Preises für den Strom aus den Ladestationen und über die Expansion des Ladenetzes nach. Nahe der Tiefgarage am Fürstgarten soll eine aufgestellt werden. Auch das Parkdeck an der Luitpoldstraße soll ausgerüstet werden. Und für zu Hause bieten die Stadtwerke so genannte Wallboxes an, die in der Garage oder am Stellplatz installiert werden. Die liefern zwar nicht mehr Strom als mein herkömmlicher Starkstromanschluss, aber sie sind von den Stadtwerken steuerbar. Denn in jeder Garage ein ladendes E-Auto schaffen die Erdkabel nicht. Schaut man sich im Landkreis um, findet man laut einschlägiger Apps, die einen zu den Ladesäulen navigieren, vier in Schrobenhausen. Die nächsten sind dann in Eichstätt (5) und in Ingolstadt (rund 50).

Die Infrastruktur für E-Autos muss ausgebaut werden

An die Reichweiten des E-Autos könnte ich mich rasch gewöhnen. Es stellt sich nur die Frage, wie sicher und schnell kann ich unterwegs aufladen. Sollten jetzt die Zahlen der Zulassungen von E-Fahrzeugen schnell steigen, könnte es zu Engpässen an den Ladesäulen kommen. Und wie viel kostet dann der Strom? Bei einem Strompreis von knapp 30 Cent für die Kilowattstunde und einem Verbrauch von nur 20 Kilowattstunden kosten 100 Kilometer sechs Euro. Eine eigene Photovoltaikanlage könnte diesen Strom dagegen kostenlos liefern. Zudem muss die Ladeinfrastruktur in den Städten für die Menschen in Mietwohnungen mit Tiefgaragenstellplätzen und Laternenparkplätzen funktionieren.

Mit Tankkarte, oder an Neuburger Zapfsäulen, mit Kreditkarte anmelden, dann öffnet sich der Stecker an der Ladesäule.
Bild: Manfred Dittenhofer

Deshalb mein ganz persönliches Fazit: Sollte der Zweitwagen den Geist aufgeben, wird der Nachfolger auf jeden Fall ein E-Auto. Trotzdem behalte ich meinen Diesel und beobachte nun die Entwicklung der Infrastruktur und der Fahrzeugpreise. Außerdem treibt mich die Angst um, dass die Batterien nach einigen Jahren ihren Geist aufgeben. Ich würde eine solche Batterie oder das Fahrzeug deshalb leasen.

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