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25.03.2009

Seltsamer Testamentsschwund in der Familie

Neuburg (hofse) - Im Leben ist nichts umsonst, nur der Tod und selbst der kostet Selbiges - und zu weilen auch noch sehr viele Nerven. Im Fall einer Familie aus dem südlichen Landkreis nämlich waren vor drei Jahren mehrere Testamente der verstorbenen Mutter aufgetaucht. Eines davon war gefälscht. Deshalb musste sich gestern einer der Söhne der Erblasserin wegen Urkundenfälschung vor dem Neuburger Amtsgericht verantworten.

Zwei Testamente

Staatsanwältin Verena Kikut legte dem 44-Jährigen zur Last, den "Letzten Willen" gefälscht oder zumindest wissentlich ein gefälschtes Dokument beim Nachlassgericht abgegeben zu haben. "Des is gar nicht wahr", sagte der Angeklagte vor Richter Ruprecht Herbst. "Des hat jeder gwusst, dass ich unsern Bauernhof mal krieg, wenn die Mutter nicht mehr ist." Genau das war nämlich der strittige Punkt im Vorfeld der Verhandlungen gewesen: Welches der vier Geschwister bekommt das Familienerbe, einen Bauernhof? Ein zweites - echtes - Testament hatte bestätigt, dass der ältere Bruder und nicht der Angeklagte den Grund erben würde. Erst dadurch sei der Verdacht einer Fälschung des erstgenannten Dokumentes aufgekommen.

Das gefälschte Papier hätte den 44-Jährigen zum Alleinerben gemacht, die drei anderen Geschwister wären leer ausgegangen. Und so eindeutig, wie der Angeklagte schilderte, waren die Nachlassverhältnisse auch nicht innerhalb der Familie. Sein älterer Bruder hatte den Hof nämlich schon seit rund 27 Jahren von der Mutter gepachtet und sehr viel Geld in die Landwirtschaft investiert. "Und wieso hätten dann gerade Sie den Hof bekommen sollen?", fragte Richter Herbst den Angeklagten. "Weil mich unsere Mutter am liebsten gehabt hat", gab dieser naiv zurück.

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Zweifel nicht ausgeräumt

Im weiteren Verlauf der gestrigen Verhandlung hagelte es quasi widersprüchliche Aussagen von allen Beteiligten. Die Brüder widerriefen einige Aussagen früherer Verhandlungen, eine der Schwestern war trotz Vorladung als Zeugin gar nicht erst vor Gericht erschienen.

"Das ist ja ein seltsamer Testamentsschwund in dieser Familie", stellte Richter Herbst fest, als es um die verqueren Aussagen um das Auftauchen und anschließende Verschwinden beider Dokumente ging. Viel Aufwand, der letztlich - wenn auch nicht direkt - dem Angeklagten zugute kam, hat sich eine Sachverständige mit der Fälschung gemacht. "Ich habe Vergleichsschriften gehabt und es wird deutlich, dass es sich um eine direkte Fälschung und keine Kopie mit Änderungen handelt", sagte sie.

"Letzte Zweifel an den Aussagen des Angeklagten konnten wir heute nicht ausräumen", sagte Staatsanwältin Verena Kikut in ihrem Abschlussplädoyer. "Vielleicht hat er auch einfach nicht gewusst, dass er eine Fälschung abgegeben hat." Sie stellte einen Antrag auf Freispruch, dem sich auch der Verteidiger des 44-Jährigen anschloss. Nach kurzer Beratung mit den Schöffen kam Richter Ruprecht Herbst diesen Anträgen nach.

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