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Ehekirchen

22.01.2020

Sind Spargelfelder mit an Überflutungen schuld?

In Ehekirchen stehen Spargelfelder in der Kritik, dessen Böden kaum mehr Wasser durchsickern lassen. Genau das Gegenteil soll mit dem Projekt „boden:ständig“ erreicht werden. 
Bild: Alexandra Kaya

Plus In Ehekirchen sollen mithilfe der Landwirte Überschwemmungen eingedämmt werden. Ein Gemeinderat bezweifelt allerdings die ungeteilte Unterstützung der Bauern. 

Vor gut zwei Jahren erlebten einige Ehekirchener und Schönesberger ihr blaues Wunder. Starke Regenfälle hinterließen überflutete Straßen, Steine und Schlamm. Nun plant die Gemeinde Gegenmaßnahmen. Mithilfe des Projekts „boden:ständig“ will die Gemeinde Ehekirchen ihre Probleme mit Überschwemmungen bei Starkregenereignissen in den Griff bekommen. Am Dienstagabend wurde der Gemeinderat über die laufenden und noch geplanten Arbeiten im Rahmen dieses Projektes informiert. Die Kosten sind zum Großteil förderfähig.

In der Initiative der bayerischen Verwaltung für ländliche Entwicklung engagieren sich Menschen, die vor Ort selber konkret an der Lösung eines Problems arbeiten, wie eben lokale Überschwemmungen nach Starkregen, Erosion, Nährstoffeinträge in Seen oder Wassermangel durch extreme Trockenperioden. Das Motto von „boden:ständig“ lautet: Das Machbare jetzt tun! Damit ist die Initiative vor allem auf die Landwirte angewiesen. Sie können ihre Fläche so bewirtschaften, dass diese Wasser besser speichern und der Boden dort bleibt, wo er hingehört. Gemeinden und Landwirte engagieren sich gemeinsam, um den Wasserabfluss in der Flur zu bremsen und Wasser in Rückhaltungen zu speichern.

Im Moment sind rund 80 Projekte in ganz Bayern in Arbeit. Ehekirchen ist mit von der Partie. Geht es um Bodenerosion, sind vor allem die Landwirte gefragt. Denn die Anbaumethode entscheidet oft darüber, ob der Boden erodiert.

Sind Spargelfelder mit an Überflutungen schuld?

Seit Dezember wird in Ehekirchen bereits gearbeitet. Die begleitende Firma H&S aus Freising hat die vorhandenen Daten gesichtet und wertet diese nun aus. Zudem wird die relief- und strukturbedingte Abflusssituation analysiert und die bisher aufgetretenen Schäden werden eingehend betrachtet. Im Februar wird an den neuralgischen Stellen, zusammen mit Betroffenen und Landwirten, eine Ortsbegehung stattfinden. Im Anschluss ist eine Informationsveranstaltung für die Bevölkerung geplant. Ein Facharbeitskreis arbeitet danach einen Bestands- und Bewertungsplan aus, gefolgt von konkreten Maßnahmen, die im Sommer vorgestellt werden.

Bei den gemeinsamen Begehungen, die in Ehekirchen und in den Ortsteilen Schönesberg mit Ried, Schainbach und Walda sowie in Weidorf, Haselbach und Buch stattfinden, sollen möglichst je ein Gemeinderat, ein bis zwei Betroffene und einige Landwirte mit dabei sein. Das gesamte Projekt soll bis August 2021 laufen. Ob dann allerdings auch die Maßnahmen abgeschlossen werden, konnte Projektleiter Felix Schmitt von H&S nicht sagen. Sehr schnell umsetzbar seien immer die Schritte, die in Händen der Landwirte lägen. Bauliche Maßnahmen dagegen würden mit den vorgelagerten Verfahren erfahrungsgemäß länger dauern.

Ob die Landwirte alle mitziehen, bezweifelte indes Gemeinderat Josef Karmann. Vor allem ein Spargelbauer ist ihm ein Dorn im Auge. Inzwischen werde an Hanglagen Spargel angebaut und damit der Boden zuerst mit Folie abgedichtet und danach durch die Ernte auch noch verdichtet. Auf diesen Lehmböden werde normalerweise kein Spargel angebaut, die Fläche für das Edelgemüse wachse aber kontinuierlich. Karmann wurde deutlich: „Für einen Schmarotzer müssen dann andere Landwirte den Kopf hinhalten.“ Schmitt konnte nur zustimmen: „Manche Anbauflächen sind versiegelt wie Industrieflächen, allerdings ohne Entwässerungsplan.“

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