Newsticker
RKI meldet 16.417 Neuinfektionen und 879 Todesfälle
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Sitzenbleiben im Corona-Jahr: Verantwortliche in Neuburg gegen Ausnahmen

Neuburg-Schrobenhausen

14.01.2021

Sitzenbleiben im Corona-Jahr: Verantwortliche in Neuburg gegen Ausnahmen

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft fordert den sicheren Übertritt ins nächste Schuljahr für alle Schüler.
Bild: Andreas Arnold /dpa (Symbolbild)

Plus Geht es nach der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, sollen Schülerinnen und Schüler trotz mieser Zensuren in diesem Jahr versetzt werden. Im Landkreis sorgt dieser Vorstoß allerdings für Skepsis.

„Es ist kein normales Schuljahr“, sagt Gabriele Kaps als Lehrerin am Descartes-Gymnasium. Im Vergleich zum März 2020 sei die Situation eingespielter, die Schüler motivierter. Es zeige sich aber auch, dass eben jene Schüler, die sich bereits im Präsenzunterricht entzogen haben, eher versuchen, sich auch zuhause zu entziehen. Die Lücken, die dadurch entstehen, werden den Bildungssektor noch länger beschäftigen, weiß die Kulturreferentin.

Gerade sei man dabei, sagt Gabriele Kaps, auszuloten, wo und was man in diesem Schuljahr kürzen könne - im Stoff, im Lehrplan. Die Debatte um das Sitzenbleiben, hält sie für verfrüht. „Es ist jetzt erst einmal wichtig, das Schuljahr den Modalitäten anzupassen.“ Da sei noch Spielraum, findet die Lehrerin, etwa durch Fördermaßnahmen, Brückenkurse und das Vorrücken auf Probe. Außerdem: Für manche sei ein Wiederholungsjahr gar nicht so schlecht, sagt Gabriele Kaps. Einige brauchen vielleicht den Druck, um wieder Engagement zeigen zu können. Bei den Abschlussklassen sei das etwas anderes. Da müsse man großzügig sein.

Vorsitzende Elternbeirat: Situation ist eine "Katastrophe"

Marieke Hoffmann, Elternbeiratsvorsitzende an der Paul-Winter-Realschule in Neuburg, ist der Meinung, dass trotz der Umstände das Sitzenbleiben nicht generell ausgesetzt werden sollte. „Manchmal ist es angemessen, dass man das Jahr wiederholt“, sagt die Elternvertreterin. „Bei manchen Schülern bestehen große Defizite, die nichts mit Corona zu tun haben.“ Sie plädiert aber dafür, in diesem Schuljahr verstärkt die Einzelfälle im Blick zu haben. Sollte ein Schüler bemüht sein und eine erforderliche Note nur ganz knapp verfehlen, müsse man heuer mehr Nachsicht walten lassen als sonst. Schließlich sei die derzeitige Situation für Schüler, Lehrer und Eltern eine „Katastrophe“.

Es herrsche eine große Ungewissheit, was die Prüfungstermine angeht. Nach wie vor fehlen beispielsweise Computer, die man Schülern, denen zuhause die Ausstattung fehlt, für den Heimunterricht leihen könnte. Der Landkreis hatte zu Beginn des neuen Schuljahres 200 neue Laptops und Tablets bestellt. Wegen Lieferschwierigkeiten sind die Geräte immer noch nicht da, berichtet Hoffmann. Ein weiteres Problem ist die Internetverbindung.

Internetkapazität reicht auf dem Land oft nicht aus

Gerade in ländlichen Regionen reichen schlicht die Internetkapazitäten nicht aus. Und an staatlichen Schulen warte man seit mehr als sieben Monaten auf einen Zugang zur Kommunikationsplattform Teams. „Das ist unfassbar, das kann nicht sein“, kritisiert die Elternvertreterin. Sie ist sicher, dass sich unter diesen Bedingungen die Leistungen der Schüler fast zwangsläufig verschlechtern werden. Und das, obwohl Schulen und Lehrer derzeit alles geben würden. „An den Grundbedingungen können sie aber auch nichts ändern.“

Bedenken hat auch Gabriela Eibl, Rektorin an der Grund- und Mittelschule in Ehekirchen. „Man muss von Fall zu Fall entscheiden, ob jemand sitzen bleibt oder nicht“, sagt sie. „Wenn eine schlechtere Leistung in diesem Schuljahr daran liegt, dass ein Schüler weniger Betreuung zuhause hatte, beispielsweise, weil die Eltern nicht die zeitlichen Kapazitäten hatten oder wenig Interesse, dann sollte das Kind eine Chance bekommen.“ Es könne aber auch passieren, dass Schüler das garantierte Vorrücken als Freischein sehen. Sie lehnt deswegen eine Pauschalisierung der Entscheidung ab.

Auch Lars Springwald, Konrektor in der Maurus-Gerle Schule in Karlshuld hält es nicht für richtig, diese schwerwiegende Frage für alle gleich zu beantworten. „Ich bin mir sicher, keine Schule wird in diesem Jahr einen harten Kurs fahren, wenn es um die Versetzung der Schüler geht“, sagt Springwald. Er hofft, dass es vielleicht in absehbarer Zeit wieder möglich sein wird, Präsenzunterricht abzuhalten.

Einen Kommentar dazu finden Sie hier: Am Problem vorbei

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren