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Neuburg

28.01.2021

Skandal im Nachbarkreis: Halten sich Krankenhäuser bei uns an Impf-Priorisierung?

Arzt impft Arzt: Die mobilen Impfteams besuchen auch die Krankenhäuser, um dort Mitarbeiter zu impfen, die auf Intensivstationen, in Notaufnahmen oder in Rettungsdiensten arbeiten.
Foto: picture alliance/dpa/EPA Pool/AP

Plus Im Donau-Ries-Kreis wurden auch Verwaltungsmitarbeiter geimpft, was für Entrüstung gesorgt hat. Wie sieht es in den Kliniken in Neuburg-Schrobenhausen aus?

Die Entrüstung im Nachbarlandkreis Donau-Ries war groß. Dort gab es Ärger um die Verteilung des Corona-Impfstoffs, genauer gesagt um die Organisation der Impfung in den Krankenhäusern des gemeinsamen Kommunalunternehmens (gKU) im Landkreis. Dort wurden nämlich nicht nur das Pflegepersonal oder andere medizinische Fachkräfte, sondern auch Berufsgruppen geimpft, die keinen Kontakt zu Patienten haben, wie Verwaltungsmitarbeiter an der Pforte, Reinigungskräfte und das Personal in der Krankenhaus-Großküche.

Corona-Impfung: Halten sich Krankenhäuser Neuburg und Schrobenhausen an Priorisierung?

Dieses Vorgehen schürte großen Unmut, nicht zuletzt unter den Hausärzten. Von Impfbetrug war die Rede und Unterwanderung der Priorisierung. Jede verfügbare Dosis sollte an Menschen über 80 Jahre und an medizinisches Fachpersonal gehen. Jürgen Busse, Vorstandsvorsitzender des gKU, zeigte jedoch „null Verständnis“ für die Kritik der Hausärzte. „Alle Mitarbeiter des Krankenhauses sind gelistet als Bürger der Priorität 1“, betont Busse. Deshalb habe er die Möglichkeit für alle eingeräumt, sich impfen zu lassen, als Anfang Januar einige Impfdosen übrig waren, die sonst verfallen wären.

Corona-Impfung richtet sich nach Impfverordnung

Doch das war nicht korrekt. Laut Corona-Impfverordnung des Bundes haben Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem sehr hohen Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere auf Intensivstationen, in Notaufnahmen oder in Rettungsdiensten, mit höchster Priorität Anspruch auf eine Schutzimpfung, teilt das Gesundheitsministerium Bayern auf Nachfrage mit. Zwischen den dort durchgeführten Aufgaben werde in der Impfverordnung grundsätzlich nicht unterschieden. Allerdings sei zwingende Voraussetzung, dass eine Tätigkeit mit sehr hohem Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 ausgeübt wird. Das werde bei Verwaltungspersonal, Empfangs- und Küchenpersonal typischerweise nicht der Fall sein. Denkbar könne dies hingegen bei einer Reinigungskraft sein, die auf der Intensivstation für COVID-Patienten tätig ist. Letztlich sei stets eine konkrete Einzelfallbetrachtung anzustellen.

In der KJF Klinik St. Elisabeth in Neuburg wurden bisher 25 Beschäftigte geimpft, teilt ein Unternehmenssprecher mit – und zwar mit Erst- und Zweitimpfung. Weitere neun Beschäftigte haben ihre Erstimpfung erhalten. Mitarbeiter der Verwaltung oder der Küche seien nicht darunter, wie der Sprecher versichert: „Alle Geimpften sind in der Prioritätenliste der Gruppe 1 gelistet und dazu gehören die Bereiche Infektionsbereich (COVID), Notaufnahme, Intensivstationen, Ambulanzen, OP, Anästhesieabteilung und Endoskopieabteilung. Die wenigen Impfungen in unserer Klinik erfolgten nach der Priorisierung der bayrischen Staatsregierung.“

In Neuburg und Schrobenhausen wurden Krankenhaus-Mitarbeiter geimpft

Dieses Vorgehen bestätigt auch das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen. Bisher habe ein Termin stattgefunden, an dem 25 Mitarbeiter geimpft worden seien. Diese seien den Priorisierungskategorien 1 und 2 zuzuordnen, also aus der Notaufnahme und der COVID-Station, sowie Mitarbeiter aus dem Altenheim Steingriff und der geriatrischen Station im Krankenhaus.

Ihre Spritze bekamen die Mitarbeiter von einem mobilen Impfteam des Impfzentrums Schrobenhausen in den Räumlichkeiten der Klinik. Dem Impfzentrum obliegt auch die gesamte Koordination der Impfungen – im Neuburger Krankenhaus ebenso wie in dem in Schrobenhausen. „In allen Einrichtungen sind die Organisatoren dafür verantwortlich, dass die Priorisierungen eingehalten werden. Durch die aufwendige Logistik des Impfstoffs kann eine Dosis nicht mehr mitgenommen und anderweitig verwendet werden“, sagt Stefanie Schmid, Pressesprecherin im Kreiskrankenhaus Schrobenhausen.

Mobile Impfteams kommen in die Kliniken

Die Impfbereitschaft der Mitarbeiter im Neuburger Krankenhaus ist hoch. Inzwischen hätten nahezu 600 Personen von rund 1000 Mitarbeitern Interesse an der Impfung bekundet, heißt es auf Nachfrage. In Schrobenhausen sind es weniger, dort sind es rund 25 Prozent. Stefanie Schmid erklärt: „Von vielen hört man, dass man grundsätzlich nicht gegen eine Impfung ist, aber zunächst noch etwas abwarten möchte.“

Im Nachbarlandkreis Donau-Ries hat man inzwischen reagiert. Ab dem 1. Februar obliegt die Impfstoffbestellung und -verwaltung dem BRK Nordschwaben. Zudem wird es eine Nachrückerliste geben, auf der Personen der höchsten Kategorie stehen, die kurzfristig zu einer Impfung kommen können. Damit auch jede einzelne Spritze wirklich an die relevanten Gruppen geht, koordiniert das Rote Kreuz auch die Termine mit diesen Impfberechtigten.

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