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Neuburg

11.01.2019

So ein Theater beim Neujahrsemfang!

Das Stadttheater war anlässlich des Empfangs festlich beleuchtet.
6 Bilder
Das Stadttheater war anlässlich des Empfangs festlich beleuchtet.
Bild: Marcel Rother

Beim Neujahrsempfang der Stadt Neuburg steht das Stadttheater im Mittelpunkt. Passend dazu beginnt der Abend mit einer kreativen Show-Einlage.

Bernhard Mahlers Stimme tönt aus dem Off: „Herzlich willkommen zum Neujahrsempfang 2019. Begrüßen Sie Ihren Gastgeber, Oberbürgermeister Bernhard Gmehling!“ Nichts passiert. Die Bühne des Stadttheaters bleibt leer – dabei ist es schon kurz nach 19 Uhr. Beunruhigt kommt der Stadtsprecher auf die Bühne, entschuldigt sich, der „falsche“ Bernhard zu sein. Wo ist der Gastgeber bloß? Begleitet von einem Kameramann, der einen Film über den Empfang der Stadt Neuburg drehen soll, verschwindet Mahler hinter die Bühne und begibt sich auf die Suche. Per Video-Übertragung können die Gäste einen Blick hinter die Kulissen werfen: Gmehling sitzt noch in der Maske, lässt sich zurechtmachen. Seine Sekretärin Helga Murr kämmt ihm die Haare, Mediengestalter Dominik Weiß poliert seine Schuhe, Organisationsassistentin Julia Klier feilt ihm die Nägel. Genüsslich zischt der OB ein Weizen. Da stürmt Mahler in den Raum und drängt seinen Chef zur Eile. Dieser küsst noch kurz das Foto seines Lieblingsministerpräsidenten – der jetzige Bundesinnenminister Horst Seehofer. „Horst, steh mir bei!“, ruft er. Dann betritt Gmehling die Bühne des Theaters.

Der Pressesprecher der Stadt, Bernhard Mahler, war voll in seinem Element.
Bild: Marcel Rother

Das Neuburger Stadttheater steht 2019 im Fokus des Neujahrsempfangs. Im August wird es 150 Jahre alt. Deshalb gehe die Veranstaltung heuer „etwas anders über die Bühne“, eröffnet der OB seine Rede. Insbesondere den Theaterschaffenden wolle er beste Unterhaltung bieten. „Die Geschichte des Stadttheaters hat alles, was ein gutes Theaterstück selbst auch haben muss: Wünsche und Ideen, kühne Pläne, Mut, Rückschläge, scheinbar unüberwindliche Herausforderungen, kurzfristiges Verzagen, erneute Hoffnung und schließlich ein Happy End – sogar mehrfach“, sagt Gmehling und startet anschließend einen interessanten Rückblick auf die Historie des Hauses.

Aus einem ehemaligen Getreidespeicher wurde das Neuburger Stadttheater

Bis 1815 gab es ein eigenes Schlosstheater im großen Saal im zweiten Obergeschoss des Ottheinrichbaues. Wegen Baufälligkeit musste es aber in den heutigen Kongregationssaal verlegt werden. Doch auch von dort musste es bald wieder weichen, woraufhin es keinen eigenen Theaterraum mehr gab. Ein Theater-Neubau wurde aus Kostengründen verworfen. Bürgermeister Karl Sing machte den Vorschlag, den sogenannten Rentamtsstadel, also den ehemaligen fürstlichen Getreidespeicher, zu verwenden. Die Tragfähigkeit habe er durch in allen Stockwerken gleichzeitig exerzierende und trampelnde Soldaten prüfen lassen, erzählt der OB. „Ein Prüfverfahren zur Baustatik, mit dem auch ich mich aus Kostengründen anfreunden könne, das unserem Stadtbaumeister aber sicherlich die Schweißperlen auf die Stirn treiben würde.“

Highlights vom Neujahrsempfang der Stadt Neuburg.
Video: Marcel Rother


Die Kosten für Umbau und Einrichtung des Getreidespeichers betrugen damals laut Stadtschreiber Eduard Burgstaller 17.206 Gulden, 23 Kreuzer und 4 Heller. Der Zuschauerraum sei rechteckig gewesen und habe auf den drei Etagen 248 Sitzplätze und 297 Stehplätze umfasst, so Gmehling. Licht spendete eine Petroleumlampe, eine Wind- und Regenmaschine sorgte für „Mordsgetöse im geeigneten Moment“.

1965 wurde der Spielbetrieb jedoch mit sofortiger Wirkung wegen feuerpolizeilicher Mängel eingestellt. Was danach geschah, sei vor allem zwei Protagonisten zu verdanken gewesen: dem damaligen OB Theo Lauber und Kultur- und Theaterreferent Anton Sprenzel. Die beiden hätten sich im Stadtrat einen Sanierungsbeschluss über 100.000 Mark erkämpft, fährt Gmehling fort. Die Arbeiten seien teilweise von Strafgefangenen durchgeführt worden. Am Ende wurden 400.000 Mark investiert, zum Beispiel in Treppenhaus, Foyer, Garderobe, Bestuhlung und Orchestergraben. 1969 wurde das Stadttheater wieder eröffnet.

Neujahrsempfang: Der Dank des Oberbürgermeisters galt vor allem Anton Sprenzel

Gmehlings Dank gilt am Donnerstagabend vor allem einem: „Zeitzeuge, Initiator, Ideengeber, Motivator, Programmgestalter, Bühnentechniker, und zur Not auch Garderobier und Kartenabreißer. Anton Sprenzel hat sich über Jahre hinweg in unzähligen Stunden für dieses Theater eingesetzt“. An dieser Stelle gibt es tosenden Applaus.

Oberbürgermeister Bernhard Gmehling und seine Frau Hermine begrüßen Ehrenbürger Anton Sprenzel (rechts).
Bild: Marcel Rother

16 Jahre nach der Modernisierung wurde die Nutzung des Stadttheaters vom Bayerischen Gemeindeunfallversicherungsverband wegen Mängel an der Bühnenmaschinerie allerdings erneut untersagt. Die Bühnentechnik war zuvor ausgespart worden. Sprenzel setzte durch, dass das Theater bei der zweiten Sanierung unter anderem um eine Hinterbühne, Übernachtungsmöglichkeiten und eine Tiefgarage erweitert wurde. Die Gesamtkosten lagen am Ende laut Gmehling bei rund 5,4 Millionen Mark.

Der OB nutzt die Gelegenheit, einmal mehr auf Neuburgs Bedeutung als Kulturstadt hinzuweisen. Er bedankt sich bei den vielen Theatergruppen und Chören, die das Theater und die Stadt mit Leben erfüllten – überhaupt bei allen Neuburger Kulturschaffenden inklusive Kulturamt und bei denen, die im Hintergrund wirken.

Bernhard Gmehling warf einen Blick voraus ins Jahr 2019

Zum Schluss des offiziellen Teils gibt der OB noch einen Ausblick auf die wichtigsten Projekte, die 2019 in Neuburg anstehen: zum Beispiel das Parkhaus am Hallenbad, die Sanierung der Gärtnerstraße, das Kinderhaus bei den Stadtwerken, das Baugebiet zwischen Heckenweg und Grünauer Straße, sozialer Wohnungsbau und die Erweiterung der Schwalbangerschule. Außerdem will Gmehling die Stadtwerke wieder auf Kurs bringen. Er möchte den Campus der THI sowie die Umsetzung einer zweiten Donaubrücke vorantreiben. Das persönliche Ziel des Oberbürgermeisters für 2019 lautet, „weiter nach Kräften zu investieren, dabei aber den Schuldenstand so gering wie möglich zu halten. Kein leichter Weg, wenn man bedenkt, dass Neuburg wächst wie noch nie“.

Mit einem Zitat des deutsch-polnischen Schriftstellers und Satirikers Gabriel Laub schließt Gmehling: „Das Neujahr und seine Feier ist sowas wie eine Theaterpause – man geht ans Buffet auf ein Gläschen und kommt auf seinen Platz zurück. Die Optimisten hoffen dabei, dass der nächste Akt besser sein wird als die vorigen."

Die besten Bilder vom Neujahrsempfang der Stadt Neuburg.
27 Bilder
Großes Theater: Die besten Bilder vom Neujahrsempfang der Stadt Neuburg
Bild: Marcel Rother

Im Marstall fand der gemütliche Teil des Neujahrsempfangs statt

Um schließlich tatsächlich zum Buffet zu gelangen, müssen die Gäste die Örtlichkeit wechseln. Der gesellschaftliche Teil findet nämlich im Marstall statt. Wie schon in den Jahren zuvor – etwa in der Parkhalle, im Schloss, in der Schwalbangerschule und in der Hofkirche – haben die Verantwortlichen wieder viel Mühe in die Gestaltung des Abends und das Ambiente gesteckt: Mit weißen Tüchern sind Loungebereiche abgegrenzt, alte Theaterplakate hängen an den Stoffwänden. Keine der Sitzecken gleicht der anderen. Stühle, die einst im Theater standen, zeugen von Liebe zum Detail. Auf den Stehtischen erinnern weiße Masken an „Phantom der Oper“.

Im umgestalteten Marstall tummelt sich nun alles, was in der Region Rang und Namen hat: Bundestagsabgeordneter Reinhard Brandl, Staatssekretär Roland Weigert, Bezirksrätin Martina Baur, Bezirksrat Ludwig Bayer, Landrat Alois Rauscher, diverse Bürgermeister aus dem Landkreis, Ehrenbürger, Stadträte – und an diesem Abend natürlich viele Kulturschaffende. Mit Gesprächen, Häppchen und dem ein oder anderen Gläschen lassen die zahlreichen Gäste den Abend ausklingen. Auf dem Nachhauseweg hoffen die Optimisten unter ihnen, dass der nächste Akt besser wird...

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