Rohrenfels

01.08.2017

So geht Blasmusik

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Die Rohrenfelser Musikanten marschierten beim Zug zum Festgottesdienst vorne weg. Alle örtlichen Vereine nahmen daran teil. 

Der Musikverein Rohrenfels ist 90 Jahre alt geworden. Wer mitgefeiert hat und was geboten war.

Begünstigt vom Wettergott konnte die Rohrenfelser Blasmusik am vergangenen Wochenende ihr 90-jähriges Gründungsfest feiern. Samstagabend pünktlich um 19 Uhr zählte der Dirigent der Rohrenfelser zum Eröffnungsmarsch „Auf und Ab“ ein.

Der Titel schien fast sinnbildlich für die bewegte Geschichte des Vereins zu sein. Denn der Werdegang der Kapelle verlief in den vergangenen 90 Jahren nicht immer ganz stringent. Aber daran wollte an diesem Wochenende niemand denken. Mit einem ausgewogenen Programm wussten die Musiker von Anfang an ihr Publikum zu begeistern.

Den zweiten Teil des Abends übernahm dann die Paten- und Trachtenkapelle aus dem südbadischen Ort Nenzingen. Mit der Kapelle, die dem Blasmusikverband Hegau Bodensee angehört, sind die Rohrenfelser Musiker nun schon seit 43 Jahren freundschaftlich verbunden. Schon mit ihrem ersten Stück, dem Marsch Abel Tasman spielten sich die Nenzinger in die Herzen der Zuhörer. Im folgenden Programm bewiesen die Badener in Rohrenfels erneut, dass sie ein Klangkörper der Extraklasse sind. Einen nicht geringen Anteil daran hatte an diesem Abend der Virtuose am Taktstock, der erst 21-jährige Vizedirigent Tobias Probst. Mit seinem präzisen, aber unaufdringlichen Dirigat riss er seine Musiker mit. Zwischen den Stücken ging der Vorsitzende des Musikvereins Nenzingen in einer humorvollen Ansprache auf die langjährige freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Musikvereinen ein. Entstand doch in dieser Zeit eine Musikerehe zwischen einer Rohrenfelser Musikerin und einem Nenzinger Musikanten. Er überreichte dem Jubelverein einen gut gefüllten Korb mit herzhaften Spezialitäten aus dem Hegau. Mit dem Marsch „Bis bald auf wiedersehen“ verabschiedeten sich die Gäste von der Bühne.

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Der Rest des Abends gehörte dann der Jugend und der Rockband Stereons mit eigenen Kompositionen, beeinflusst von Größen wie Deep Purple oder Led Zeppelin.

Am Sonntagmorgen um 9.30 Uhr begann der Tag mit der Aufstellung zum Kirchenzug. Zur großen Freude der Organisatoren nahmen alle örtlichen Vereine an dem Zug und dem anschließenden Festgottesdienst teil. Den Gottesdienst feierte Pfarrer Anton Tischinger, selbst bekennender Fan der klassischen Blasmusik. Er stellte die kirchliche Feier zu Beginn unter das Motto „Gott erleben in der Musik“. Diesen Gedanken führte er dann in einer sehr themenbezogenen Predigt weiter aus. In der Vorbereitung des Gottesdienstes suchte er in der Bibel nach Hinweisen auf die Musik. Fündig wurde er, wie er sagte, zuerst bei den leisen Tönen, dem Magnificat, und natürlich bei den lauten Klängen, bei den Trompeten von Jericho. Beides natürlich nicht miteinander vergleichbar. Dennoch wies er darauf hin, welche Bedeutung Musik für die Menschen habe, indem sie sie tröstet oder ausgleicht. Musik sei, so Tischinger, visionär und revolutionär. Als Beispiel führte er die 9. Symphonie von Beethoven an, die der Meister im hohen Alter und fast völlig gehörlos schrieb. Heute ist das Werk die Hymne Europas und stehe für das Verbindende in der Musik. Der Gottesdienst wurde von der Rohrenfelser Blasmusik mit der Pöhmer Musikantenmesse musikalisch umrahmt.

Zum gemeinsamen Mittagessen betraten dann noch einmal die Nenzinger die Bühne. Mit einer ausgewogenen Mischung von Klassik und Moderne unterhielten sie die Gäste im voll besetzten Garten des Musikheims.

Der Nachmittag gehörte dann den Gastkapellen aus Oberhausen, Sinning und Ehekirchen. Sogar die Marktkapelle Burgheim ließ es sich nicht nehmen den Rohrenfelsern einen Besuch abzustatten, obwohl sie aufgrund des Marktfestes in ihrer Heimatgemeinde stark eingebunden war. Die Musiker nutzten eine Spielpause in Burgheim, um in Rohrenfels aufzutreten. Ein glaubhafter Beweis dafür, wie eng die Musikkapellen miteinander kooperieren.

Zwischen den schmissigen Stücken der Kapellen zeigten auch die Goaß‘lschnalzer der Donautaler ihr Können. Der unbestrittene Höhepunkt des Nachmittags war der Gemeinschaftschor. Alle anwesenden Musikkapellen intonierten unter dem Dirigat von Peter Böhm und Tobias Probst den Erzherzog Johann Marsch, den Larida Marsch und die Bayernhymne. Für alle, die den Chor erlebten, war dies ein einzigartiges Klangerlebnis. Insgesamt 150 Musiker spielten zusammen die ausgewählten Stücke. Den wohlklingenden Schlusspunkt setzten die Rohrenfelser Musikanten. In den Gesichtern der Organisatoren konnte man ein zufriedenes Lächeln erkennen. Es war ein gelungenes Fest und eine gekonnte Inszenierung traditioneller Blasmusik. Ein Ohrenschmaus für Freunde dieser Musikrichtung. Wie man an den Besucherzahlen in Rohrenfels erkennen konnte, sind das nicht wenige.

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