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Neuburg

27.05.2020

So geht es den Reisebüros und Busunternehmen im Landkreis

Viele Reisebüros und Busunternehmenfürchten wegen der Corona-Pandemie um ihre Existenz.
Bild: Eva Felbier

Plus Langsam kehrt wieder Normalität ein. Reisebüros und Busunternehmen spüren davon bisher wenig. Zu wenig. Die Branche kämpft ums Überleben – und um staatliche Hilfen. Dafür fahren manche sogar bis nach Berlin.

„Sylt, Sylt, Sylt und Hamburg, Bayerischer Wald und Sylt“, lautet die Antwort von Heidi Weidner, Inhaberin der Reise-Insel in Neuburg auf die Frage, welche Ziele sie aktuell für ihre Kunden bucht. Die Verunsicherung sei bei vielen noch groß. „Gerade habe ich eine Anfrage für Wien in der kommenden Woche auf dem Tisch“, sagt Heidi Weidner. Empfehlen kann sie Reisen ins Ausland aktuell nicht. „Noch ist es so, dass man bei der Rückkehr 14 Tage in Quarantäne muss.“ Trotz der Unsicherheit sei aber der Drang nach Sonne, Strand und Meer bei den Kunden deutlich zu spüren – nur weiß niemand so genau, wann das wieder möglich sein wird.

Zwar möchte die Bundesregierung die Reisewarnung für 31 europäische Länder zum 15. Juni aufheben. In der aktuellen Zeit kann sich die Situation aber von einem auf den anderen Tag ändern. Und auch, wenn Reisen dann offiziell wieder erlaubt sind: Dürfen ist das eine – wollen das andere. Nach wie vor bearbeiten Reisebüros hauptsächlich Stornierungen. Und das ist in diesen Zeiten doppelt hart. „Es ist ein Minusgeschäft, weil wir das zurückabwickeln, was wir im Vorfeld erarbeitet haben“, sagt Christiane Seitz von Donaumoosreisen Seitz in Karlshuld. Die Abwicklungen bedeuten häufig auch, die Kunden zu vertrösten, wenn ein Reiseveranstalter die Anzahlungen noch nicht zurücküberwiesen hat. Obwohl die Pfingstferien vor der Tür stehen, verzeichnet Christiane Seitz keine Nachfragen. „Wir hoffen, dass unsere Kunden auch für Buchungen innerhalb Deutschlands wieder ins Reisebüro kommen und nicht nur direkt bei den Hotels buchen.“

Busunternehmen Spangler demonstriert in Berlin für staatliche Hilfen

Ein ähnlich düsteres Bild bei den Busreisen: „Ganz vereinzelt gibt es Anfragen für das kommende Jahr“, sagt Christiane Seitz. „Klar, die, die Busreisen buchen, sind häufig in der Altersgruppe, die besonders aufpassen sollte. Das beruhigt sich nicht so schnell.“

Nur zu gerne würden auch Thomas Felbier und seine Kollegen vom Busunternehmen Spangler endlich wieder Fahrten anbieten. Anders als Flieger, Züge und Fernbusse stehen Reisebusse nach wie vor still. „Es geht für die ganze Tourismusbranche ums Überleben“, sagt Felbier am Telefon. Er ist Anfang der Woche mit einem leeren Bus nach Berlin gefahren, um am Mittwoch anlässlich des Tourismusgipfels der Bundesregierung zu demonstrieren.

Seine Forderung: Soforthilfen für seine Branche. Und damit ist er nicht alleine. Hunderte Busse und tausende Vertreter der Tourismusbranche kamen nach Berlin. „Es kann nicht sein, dass es in den Diskussionen immer nur um die Großen wie Lufthansa und TUI geht.“ Auch der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmer (LBO) hat klare Forderungen an die Bundesregierung. „Die überwiegend mittelständisch geprägten Reiseunternehmen sind am Boden“, sagt Landesverbandssprecherin Kirstin Neumayr. „Die holen das nicht wieder auf. Eine Reise, die dieses Jahr nicht gemacht wird, wird im kommenden Jahr nicht doppelt gemacht.“ Daher lautet auch hier die Forderung ein spezieller Rettungsschirm in Form von finanziellen Stützen, die nicht zurückgezahlt werden müssen.

Vereinsfahrten mit Bussen sind weiterhin nicht erlaubt

Ein positives Signal für die Busunternehmer kam am vergangenen Dienstag. In der Pressekonferenz der Bayerischen Staatsregierung waren auch die Busreisen ein Thema. Kirstin Neumayr vom Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmer sieht in den Aussagen von Hubert Aiwanger erste Schritte in die richtige Richtung. Dennoch seien noch viele Fragen offen. Aiwanger kündigte demnach an, dass Busreisen ab 30. Mai unter Auflagen wieder möglich sein sollen. Lange hatten Verbände und Unternehmen darauf gedrängt, endlich eine Perspektive, sprich einen Termin zu bekommen, wann Busse wieder fahren dürfen – in anderen Bundesländern war das bereits geschehen. „Es gibt allerdings einen großen Knackpunkt“, sagt Kirstin Neumeier. „Es gilt in Bayern ein Gruppenbildungsverbot. Das bedeutet, dass sämtliche Vereinsfahrten, eigentlich das komplette Mietomnibusgeschäft, wegfallen.“

Ein Busunternehmen darf also eine Fahrt beispielsweise in den Bayerischen Wald für Individualreisende anbieten. Christiane Seitz hat dafür wenig Verständnis: „So eine Ausflugsfahrt kann von jedem gebucht werden. Die Menschen kommen unter Umständen aus den unterschiedlichsten Ecken. Aber den Vereinsausflug von umliegenden Vereinen darf ich nicht machen, obwohl ich wüsste, dass da dann nur Leute aus dieser Region drinsitzen würden.“

Unklarheit bei Abstandsregeln in den Bussen

Ein großes Fragezeichen gibt es bisher auch noch bei der Umsetzung der Abstandsregeln. Wörtlich sagte Aiwanger in der Pressekonferenz am Dienstag, dass jeder Platz belegt werden dürfe, es gelte ja die Maskenpflicht. „Das wurde schriftlich bisher nicht bestätigt“, sagt Kirstin Neumayr. In den schriftlichen Ausführungen hieße es eineinhalb Meter Abstand. „De facto käme das einem Verbot der Busfahrten gleich, denn ein Bus mit 48 Plätzen dürfte dann nur elf Passagiere transportieren. Maximal 22, wenn sich nur Paare anmelden würden.“ Man muss kein Genie in Mathe sein, um zu wissen, das sich eine solche Fahrt nicht lohnen kann.

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