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Neuburg-Schrobenhausen

08.12.2020

So ist die Corona-Lage im Kreis Neuburg-Schrobenhausen

Die KJF Klinik St. Elisabeth in Neuburg hat noch genügend Kapazitäten frei.
Bild: Dorothee Pfaffel

Plus Der Kreis Neuburg-Schrobenhausen kratzt nach wie vor am Inzidenz-Grenzwert 200. Wird dieser überschritten, drohen Bürgern weitere Einschränkungen. Welche das sind und wie die Situation in den Krankenhäusern vor Ort ist.

Weil die Infektionszahlen weiter steigen, könnten in Neuburg-Schrobenhausen schon bald strengere Corona-Regeln gelten. Unter anderem müssen dann alle älteren Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben, wo sie digitalen Fernunterricht bekommen. Auch die Möglichkeit, nachts rauszugehen, wird deutlich eingeschränkt. Folgen hätte diese Tendenz allerdings auch für die Kliniken, deren Kapazitäten mit schwellenden Ansteckungen sinken. So musste zuletzt etwa das Universitätsklinikum in Augsburg einen Aufnahmestopp für seine Patienten verhängen.

Corona: Die Sieben-Tages-Inzidenz im Raum Neuburg klettert weiter

Dass nach der Stadt Augsburg nun auch der Landkreis droht, ein sogenannter Corona-Hotspot zu werden, legen die neu veröffentlichten Daten des Robert-Koch-Instituts nahe. Demzufolge liegt die Sieben-Tages-Inzidenz zum Stand Donnerstag, 10. Dezember, 0 Uhr, bei 193,2. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit meldet für Mittwoch, 9. Dezember, 8 Uhr, indes eine Inzidenz von 194,24.

Auch Fahrschulen müssten auf Präsenzunterricht verzichten.
Bild: Ulli Roessle (Symbolfoto)

Wachsen diese Werte weiter, gelten im Kreis striktere Maßnahmen – Regeln, die in der 10. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung verankert sind, auf die auch das Landratsamt nachdrücklich verweist. Für betroffene Kommunen und Kreise mit einer Inzidenz von mehr als 200 ist in diesem Fall nicht nur ein genereller Distanzunterricht ab der achten Klasse vorgeschrieben. Für jeden herrscht außerdem eine erweitere Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. In diesem Zeitraum dürfen Bürgerinnen und Bürger das eigene Zuhause nur noch verlassen, wenn es dafür triftige Gründe gibt: Wenn sie zur Arbeit gehen, in medizinischen Notfällen, um ihre Haustiere zu versorgen – oder aus „ähnlich gewichtigen und unabweisbaren Gründen“.

Auch der Unterricht an Musik- und Fahrschulen darf nicht mehr in Präsenzform stattfinden. Wochenmärkte sind laut Verordnung zum Warenverkauf untersagt – außer, es handelt sich dabei um Lebensmittel. Was das betrifft, stehe das örtliche Landratsamt im stetigen Austausch mit der Stadt Neuburg, um „im Fall einer Inzidenzüberschreitung die Marktbeschicker rasch informieren zu können“.

Konsequenzen aber haben kletternde Infektionszahlen nicht nur für den Alltag der Menschen in Neuburg-Schrobenhausen. Auch – und besonders – die Kliniken müssen sich und ihre Ressourcen für eine sich zuspitzende Pandemie-Lage rüsten. So gibt es zwar am Kreiskrankenhaus in Schrobenhausen noch keinen Aufnahmestopp für Patienten. Aber auch hier nehmen Medizinerinnen und Mediziner elektive Eingriffe – planbare Operationen also – nur noch „im Rahmen“ vor, wie Pressesprecherin Stefanie Schmid erklärt. „Es wird derzeit nicht im vollen Umfang operiert.“ Dabei werde abgewogen, welche Eingriffe nötig sind und welche Kapazitäten zur Verfügung stehen. „Es wird jeder Fall individuell beurteilt.“

Im Kreiskrankenhaus Schrobenhausen stehen sieben Intensivbetten bereit

In der Klinik befinden sich momentan drei Personen auf der Intensivstation, davon ist eine mit dem Coronavirus infiziert. Ausgelastet ist das Krankenhaus damit noch nicht – insgesamt stehen ihm sieben Intensivbetten zur Verfügung. Wobei Zahl und Personal im Notfall jeweils aufgestockt werden können, sagt Stefanie Schmid. Täglich wird die Situation vor Ort neu bewertet, evaluiert, die Abläufe an die Erkenntnisse angepasst. Dazu treffen sich Geschäftsführung, Pandemie-Beauftragter und Ärzte des Krankenhauses täglich zur Konferenz.

Auch die KJF Klinik St. Elisabeth in Neuburg hat noch genügend Kapazitäten frei. Im Moment sei ein Bett auf der Erwachsenenintensivstation und ein Überwachungsbett auf der Pädiatrischen Intensivstation mit einem Sars-CoV-2 positiven Patienten belegt, teilt der ärztliche Direktor Stephan Seeliger mit. „Intensivbetten sind somit für Patienten, die einen Intensivplatz benötigen, abrufbar.“ Wie sich die nächsten Wochen darstellen, sei jedoch schwierig vorauszusehen. Insgesamt seien in der Region ausreichend Intensivbetten verfügbar, betont Seeliger. Ein Aufnahmestopp wie in Augsburg ist vor Ort offenbar nicht absehbar. „In Neuburg stehen insgesamt 325 Betten für Patienten zur Verfügung. Im Moment sind hier ausreichend Betten vorhanden“, sagt Seeliger.

Steigt die Sieben-Tages-Inzidenz weiter, müssen viele Schüler im Kreis von zuhause aus lernen.
Bild: Ulli Roessle (Symbolfoto)

Trotzdem verfolgen die Verantwortlichen die Situation genau. Die Klinikleitung trifft sich wöchentlich und nach Bedarf mit allen Führungskräften der klinischen Bereiche, um die Abläufe zu koordinieren und abzusprechen. „Bis dato musste noch kein Notfallpatient oder einbestellter Patient wegen Sars-CoV-2 auf seine medizinische Versorgung warten“, betont der ärztliche Direktor.

Ein anderes Bild zeichnet sich dagegen in der geriatrischen Reha-Einrichtung in Neuburg. Wie aus einer Mitteilung hervorgeht, dürfen die Patientinnen und Patienten „zu ihrem eigenen Schutz“ derzeit keinen Besuch empfangen. Die Einrichtung hatte Ende November von einem erhöhten Infektionsgeschehen berichtet. Damals zeigten zunächst drei Patienten Symptome, woraufhin das Geriatriezentrum mehrere Corona-Reihentests veranlasst hatte. Das Ergebnis: Insgesamt waren vierzehn Menschen betroffen. „Man kann durch diesen Vorfall erkennen, wie rasant sich dieses Virus ausbreitet. Das, was bei uns passiert ist, kann man mit dem landesweiten Infektionsgeschehen in Altenheimen und Krankenhäusern vergleichen“, erklärt Alexey Baryshnikov als Oberarzt der Geriatrischen Fachklinik und Mitglied der hausinternen Hygienekommission.

Die Frage, wie es dazu kommen konnte, aber bleibt offen. Man vermute, heißt es in dem Pressebericht, dass die Corona-Situation auf eine Patientin zurückzuführen sei, die von einem Krankenhaus in der Region in die Neuburger Einrichtung kam und ohne erneute Testung als Covid-negativ eingestuft wurde.

Mit Corona-Infektionen hat auch das Geriatriezentrum Neuburg zu kämpfen

Bis Ende vergangener Woche hatte man angenommen, die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle gebracht zu haben. Jetzt ergaben neue Tests vier weitere Corona-positive Resultate. Dabei handelt es sich den Ausführungen der zuständigen Pressestelle zufolge um dieselben Patienten, die wenige Tage zuvor einen negativen Abstrich erhalten hatten. Nach Einleitung aller Hygienemaßnahmen – darunter Besuchsverbot, Aufnahmestopp und Reihentestungen von Mitarbeitern und Patienten – komme das aktuelle Ergebnis überraschend, sagt Alexey Baryshnikov. Wahrscheinlich aber sei, dass die Betroffenen das Virus bereits vor einigen Tagen in sich trugen und der vorangegangene Test wegen der Inkubationszeit nicht angeschlagen habe.

Ein ernüchternder Befund – und das nur wenige Tage vor den Weihnachtsfeiertagen. Das Geriatriezentrum hofft, seinen Patienten bis dahin wieder Besuch zu ermöglichen. Dafür aber müsse zunächst das Infektionsgeschehen eingedämmt werden und eine weitere Testung negativ verlaufen.

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