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Neuburg

14.01.2020

So leidet die Natur unter dem Wetter

An diesem Weiher am alten Forsthof bei Bergen im Seminarwald lässt sich die Trockenheit besonders anschaulich betrachten. So hoch wie der rote Stecken, auf den Alfred Hornung zeigt, stand einmal das Wasser.
Bild: Fabian Kluge

Plus Es ist ungewöhnlich mild. Dazu kommt die Trockenheit. Welche Auswirkungen das auf Tiere und Natur hat und wo der Klimawandel bereits Spuren hinterlässt.

Sonnenbrillen waren am Dienstag in Neuburg ein gefragtes Accessoire. Blauer Himmel, nahezu zweistellige Temperaturen und sogar ein paar mutige Blüten begleiteten die Neuburger auf ihrem Weg in die Stadt. Wüsste man’s nicht besser, ginge der Dienstag glatt als goldener Herbsttag im Oktober, zumindest aber als frühlingshafter Apriltag durch. Tatsächlich ist es aber Mitte Januar – nur scheint der Winter davon nichts zu wissen.

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Seit Beginn der Wetteraufzeichnung hat Neuburg im Dezember eine Durchschnittstemperatur von -0,1 Grad. Im Dezember 2019 waren es 2,1 Grad. Im Januar ist es durchschnittlich noch etwas kälter: Auf -1,4 Grad müssen sich die Neuburger normalerweise einstellen. In diesem Monat sind es bislang 1,3 Grad. Auch wenn es sich auf den ersten Blick „nur“ um zwei Grad Unterschied handelt, die Auswirkungen auf Natur und Tiere sind zum Teil erheblich.

Die Auswirkungen des Klimawandels lassen sich bereits an Vögeln in der Region beobachten

Einer, der das weiß, ist Ulrich Mayer vom Landesbund für Vogelschutz. „Es gibt überall Zeichen, dass sich das Wetter verändert hat. Man merkt, wie die Natur darauf reagiert.“ Beobachten lässt sich das zum Beispiel an Vögeln. Kürzlich habe Mayer etwa 50 Wacholderdrosseln gesehen, die sich auf Schafweiden niedergelassen haben, um Futter zu suchen. „Im Normalfall habe ich die immer nur beim Durchzug gesehen, weil sie sich sonst weiter südlich aufhalten“, sagt Mayer. Ein weiteres Beispiel: Eichelhäher. Auch diese könne man derzeit vermehrt beobachten. Das liegt daran, dass Eichelhäher aufgrund der milden Temperaturen immer weiter in den Norden vordringen, erklärt der Experte. Zwar benötigen Vögel durch den ausbleibenden Schnee weniger Zufütterung, Wasserschalen können Gartenbesitzer dennoch aufstellen.

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Nicht nur Tiere reagieren auf das veränderte Klima. Auf seinen Spaziergängen habe Mayer kürzlich blühenden Löwenzahn und Thymian gesehen, dem ebenfalls Blüten gewachsen sind. „Solche Winter sind natürlich immer wieder vorgekommen, aber jetzt merkt man es auch in der Fläche.“

Neben den milden Temperaturen macht vor allem die Trockenheit der Natur zu schaffen. Der Zeller Kanal führe mittlerweile kein Wasser mehr in den Auwald, sagt Mayer. Wiesenbrüter kommen durch den niedrigen Grundwasserpegel viel schwieriger an Nahrung, weil sich die Regenwürmer immer tiefer in die Erde graben. Ein Blick in die Wetterdaten verdeutlicht das Ausmaß: Während es durchschnittlich im Dezember in Neuburg seit den 80er Jahren 58,7 Millimeter Niederschlag gibt, waren es im vergangenen Dezember gerade einmal 26,1 Millimeter – also 26 Liter pro Quadratmeter. Noch gravierender der Januar: Sind es dort im Schnitt 32 Millimeter Niederschlag, waren es in der ersten Januarhälfte 2020 0,9 Millimeter.

Die Trockenheit sieht man im Seminarwald in Neuburg

Anschaulich wird die Trockenheit am Weiher am alten Forsthof im Seminarwald zwischen Neuburg und Bergen. Der Weiher, der sich aus Regen- und Schmelzwasser speist, trocknet aus, zeigt Förster Alfred Hornung. Um 1,2 Meter ist der Pegel in den vergangenen Jahren gesunken. Mittlerweile sind gerade einmal 20 Zentimeter mit Wasser bedeckt. „Wir hoffen, dass es nicht so schlimm wird, wie wir es manchmal befürchten“, sagt Hornung mit sorgenvoller Miene.

Schlimm waren die Auswirkungen zum Teil schon in den vergangenen Jahren – beispielsweise die Borkenkäferplage. „Das war ein kleiner Vorgeschmack und hat uns im Stiftungswald schwer getroffen“, erklärt der Förster. Durch milde Temperaturen – egal ob im Sommer oder Winter – können sich die Schädlinge noch leichter vermehren. Leidtragende sind vor allem Nadelbäume. Aber auch andere Schädlingsarten wie Mäuse oder Eichenprozessionsspinner, die lange Zeit nur im Maintal und wärmeren Regionen auftraten, profitieren. Außerdem, sagt Hornung, trocknen Kleinbiotope aus. Amphibien verlieren dadurch ihren Lebensraum. Schwarzwild wie Wildschweine sind schwieriger zu jagen und zu regulieren. „Es gibt Veränderungen in vielen Bereichen, aber wie das Ökosystem reagiert, weiß niemand“, erzählt Hornung.

Die Forstwirtschaft versucht schon seit Jahren gegenzusteuern, betont er. Beispielsweise setzen die Waldbesitzer auf Bäume, die besser mit Wärme und Trockenheit umgehen können. „Bei uns Förstern ist Klimaschutz schon seit vielen Jahren ein Thema“, sagt der Seminarförster.

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