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Neuburg

12.08.2020

So organisiert das BRK Neuburg Humanitäre Hilfe in Corona-Zeiten

Rumänische Szenen: In Schulen und Sozialeinrichtungen ist die Armut anzutreffen. Hier im Umfeld von Hermannstadt setzt das BRK den Hebel an.

Künftig sollen Speditionen den Transport der Hilfsgüter übernehmen. Die erste Ladung steht abholbereit in Weichering und soll noch in diesem Jahr nach Rumänien. Sorgen macht den Verantwortlichen die finanzielle Situation.

Die Zwangspause war nur relativ kurz. Ihre Mitgliederversammlung und einen Transport von Medizingütern musste die Humanitäre Hilfe des BRK-Kreisverbandes wegen der Corona-Pandemie zwar streichen, jetzt krempeln die Ehrenamtlichen aber wieder die Ärmel hoch. „Sobald wie möglich wollen wir nach Rumänien fahren“, erklärt Vorsitzender Robert Augustin, weil dort die Corona-Welle gravierende Spuren hinterlassen habe. „Wenn dort das Gesundheitswesen unterstützt wird, profitiert auch Deutschland davon.“ Es gebe ja einen intensiven Austausch an Arbeitskräften.

Künftig sollen Hilfsgüter mit Speditionen gefahren werden

Für die Logistik ist Schatzmeister und BRK-Vize Anton Gutmann verantwortlich. Er hat schon seit 14 Tagen die Ladung für ein bis zwei Lastwagen verladefertig zusammengestellt. Das ist wichtig, weil das Rote Kreuz bis auf Weiteres nicht mehr mit den eigenen Sattelschleppern fahren kann. Die seien schlicht am Ende, weil es noch dazu einen Kabelbrand gegeben habe, erklärt Gutmann. Der Vorstand habe deshalb beschlossen, die alten Fahrzeuge zu verkaufen. In welcher Form es Ersatz geben werde, darüber sei noch zu diskutieren.

Stillstand ist dennoch nicht angesagt, weil man künftig mit rumänischen Speditionen fahren will. „Bevor die eine Rückfahrt mit leerer Ladefläche antreten, machen sie schon ein Angebot zu einem Dumpingpreis“, weiß Gutmann nach seinen Recherchen in der Branche. Dafür müssten aber Be- und Entladen sehr schnell gehen. Waren früher bis zu 20 Mann fest einen Tag lang beschäftigt, um einen einzigen Lkw bis unters Dach mit Hilfsgütern vollzustopfen, so stünde heute gerade Mal noch eine Stunde zur Verfügung, um den Hilfstransport reisefertig zu machen.

So entwickelten Anton Gutmann und Vorstandskollege Hans Neugschwendner in Kooperation mit dem befreundeten BRK-Kreisverband Dachau ein System, bei dem sämtliche Hilfsgüter transportbereit auf Paletten verzurrt werden, die dann nur noch von einem Gabelstapler in sehr kurzer Zeit auf die Ladefläche gehievt werden können.

Leichter gesagt, als getan: Eine Europalette misst gerade einmal 80 mal 120 Zentimeter. Kartons lassen sich da leicht auftürmen, aber drei Pflegebetten? Die BRK-Männer gehen daher inzwischen auf Nummer sicher. Mit eigens zugeschnittenen Unterlegbrettern bauen sie stabile Türme, die sie dann noch mit Umreifungsband absichern und mit Folie so fixieren, dass sich absolut nichts mehr bewegen kann.

„Wir sparen Zeit und Geld“, erklärt Anton Gutmann einen weiteren Vorteil des Speditionsmodells. Als die Ware noch selbst transportiert wurde, waren neben den Lkw-Besatzungen ja auch noch Versorgungsfahrzeuge notwendig und die ganze Mannschaft habe sich eine Woche und länger freinehmen müssen.

Wenn jetzt mit Fremdlastern gefahren wird, funktioniert das nur, weil in Rumänien eine bewährte Stütze zur Verfügung stehe. Die Neuburger Ärztin Rodica Leporda ist weiterhin das Bindeglied zwischen Spendern und Empfängern. In Hermannstadt hat sie Kontakte zu einem großen Krankenhaus aufgebaut und auch ein Altenheim soll von den Hilfsgütern profitieren. Wenn die Ladung ankommt, dann kümmert sich Leporda, um das Organisatorische und achtet darauf, dass alle Teile an die richtige Adresse kommen und auch dortbleiben.

Ware in Weilach und Weichering ist fertig für den Transport

So macht sich bei der Humanitären Hilfe Zuversicht breit, weil trotz der Pandemie die Arbeit wenigstens zum Teil wieder aufgenommen werden kann. Die Ware in den Lagern in Weilach und Weichering steht fast vollständig auf Paletten. Jetzt muss nur noch das grüne Licht von Rodica Leporda kommen, dann kann die Suche nach geeigneten Speditionen beginnen.

Anton Gutmann zählt auf, was er mit seiner Mannschaft so alles eingepackt hat: eine komplette Arztpraxis, zahlreiche Krankenbetten samt Nachtkästchen und Matratzen, Stationswagen für Krankenhäuser, ein stationäres Refraktometer für Augenärzte, OP- und Schwesternkleidung, und, und, und. Dazu kommt eine großzügige Spende an Reinigungsmitteln von der Gachenbacher Firma Hörmann.

Noch dieses Jahr soll die Lieferung nach Rumänien gehen

Ein Transport nach Rumänien soll in diesem Jahr in jedem Fall über die Bühne gehen. Bei weiteren Entscheidungen spiele natürlich die Entwicklung der Corona-Pandemie eine Rolle. Anfragen gebe es aus Rumänien und auch die Gebietsklinik in Odessa am Schwarzen Meer, die schon mehrfach beliefert wurde, habe nachgefragt. Jetzt steht erst einmal die Reise ins rumänische Hermannstadt an.

Anton Gutmann ist zuversichtlich, dass die Aktion nach den Vorbereitungen unspektakulär verläuft. „Wenn der Lastwagen am Morgen kommt, dann ist in einer Stunde verladen und schon am nächsten Tag sind die Hilfsgüter am Ziel!“ Während sich das Management für das Sammeln der Ware auf einem guten Weg befindet, schaut der Schatzmeister nicht ohne Sorgen in seine Kasse.

Sorgen bereiten dem BRK Neuburg die Finanzen

Zwar sieht es so aus, als könnten die Hilfsaktionen im Ausland und Zuhause künftig mit geringerem Aufwand abgewickelt werden, für jede Maßnahme rechnet Gutmann aber weiterhin mit einigen Tausendern. Auch die Neuorganisation des Fuhrparks wird nicht ganz billig. Die Zahl der Spender stagniere aber schon seit einigen Jahren. (nr)

Wer die Arbeit des BRK mit einer Spende unterstützen möchte, kann diese unter dem Stichwort „Humanitäre Hilfe“ überweisen. Konto 2212, der Sparkasse Neuburg-Rain (IBAN: DE70 7215 2070 0000 0022 12) und das Konto 360800 bei der Sparkasse Aichach-Schrobenhausen (IBAN: DE76 7205 1210 0000 3608 00).

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