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Neuburg

10.07.2019

So steht es um die Neuburger Nahwärme

Die roten Linien zeigen an, in welchen Straßenzügen die Nahwärmeleitungen bereits verlegt sind.
Bild: Stadtwerke Neuburg

Plus Mit dem Ausbau des Neuburger Nahwärmenetzes ging es in den vergangenen sechs Jahren rasant voran. Jetzt tritt der Stadtrat auf die Bremse. Diese Straßenzüge werden heuer noch zu Baustellen.

Betriebsbedingte Kündigungen, Schulden im zweistelligen Millionenbereich und interne Verstimmungen – die Neuburger Stadtwerke sind in den vergangenen Monaten stark in die Kritik geraten. Vor allem dem Chef des Kommunalbetriebs, Richard Kuttenreich, werden wirtschaftliche Fehler und Versäumnisse vorgeworfen. Er habe zu großes Augenmerk auf den Ausbau der Nahwärme gelegt, so die Anschuldigung. Aber wie ist eigentlich der Stand der Dinge? Wie weit ist das Nahwärmenetz ausgebaut? Und welche Baustellen erwarten die Autofahrer in nächster Zukunft?

1600 Wohneinheiten werden in Neuburgs südlichem Stadtgebiet bereits über die Nahwärme versorgt. Vor allem große Blöcke, Wohnheime und Betriebe sind angeschlossen. Der erste Kunde 2013 war das Altenheim St. Augustin, es folgten Großabnehmer wie die Wilhelm-Frankl-Kaserne, Audi in Heinrichsheim, Donaumalz oder auch die JVA sowie viele der Wohnblöcke im Ostend und im Schwalbanger. Derzeit wird die Leitung zum Donauwörther Berg hinauf gelegt, um die Blöcke dort sowie den neuen Supermarkt samt Wohnungen anzuschließen. Auch die neue Realschule am Sehensander Weg wird nach ihrer Fertigstellung Kunde der Nahwärme sein.

An die Neuburger Nahwärme sind 1600 Wohneinheiten angeschlossen

3,2 Millionen Euro durften die Stadtwerke heuer für den Ausbau der Nahwärme ausgeben, so steht es im Wirtschaftsplan. Das Budget war mit den geplanten Baustellen Ende April aufgebraucht, sagt Kuttenreich. Die Vorwürfe, die Nahwärme sei Schuld an der miserablen Finanzlage, weißt er zurück. Das Gegenteil sei der Fall. Wenn der Strom künftig noch teurer wird, setzt die Stadt auf ihre fünf Kraftwerke. Sie erzeugen Strom und Wärme. Mit der eigenen Strom-Produktion könne man so Hochpreisphasen an der Strombörse entgegenwirken.

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270 Millionen Kilowattstunden wäre das Wärmeabsatzpotenzial, 60 Millionen habe man jetzt erreicht, so Kuttenreich. In 15 bis 20 Jahren könnte also alles erschlossen sein. Doch dazu braucht es den Ringschluss und weitere Abwärme. Während das fehlende Leitungsstück von dem großen wärmeerzeugenden Betrieb Verallia (Oberland Glas) ins Stadtgebiet mit Kosten von rund vier Millionen Euro wohl noch auf sich warten lassen wird, kommt mit der Firma Rockwool schon bald ein zweiter Wärmeproduzent dazu. Der dänische Konzern baut derzeit für rund 130 Millionen Euro neue Produktionslinien (siehe Artikel). Rockwool produziert Steinwolle, in deren Fertigungsprozess Abwärme entsteht. Auf 1500 Grad erhitzen die riesigen Öfen das Material, bevor daraus das Dämmmaterial gesponnen wird. Hitze genug, um damit Häuser zu heizen. Mit der zweiten Abwärmefassung, die ab 2020 möglich sein soll, werden 25 Millionen Gigawattstunden erzeugt, erklärt Kuttenreich, so viel wie bei Verallia. „Wir können dann also demnächst doppelt so viel Abwärme absetzen wie bisher.“ Gäbe es den Ringschluss, könnten die Stadtwerke so das gesamte Warmwasser für Neuburg im Sommer durch Abwärme bereitstellen – ohne laufende Motoren der Blockheizkraftwerke. 115˚C heißes Wasser fließt dabei in die angeschlossenen Gebäude und wird dort über einen Wärmetauscher zum Heizen und zur Warmwasserversorgung genutzt.

Diese Baustellen stehen in Neuburg an

Seit drei Jahren, und damit drei Jahre nach dem Start, stehe die „schwarze Null“ bei der Nahwärme, wie der Werkleiter versichert. Und sie trage ihre eigenen Schulden in Höhe von 37,4 Millionen Euro.

Die Autofahrer müssen sich in diesem Jahr noch auf folgende Baustellen einstellen, denn hier werden noch Nahwärme-Leitungen verlegt:

Rohrenfelder Straße Der Bau des Reststücks von der Kirche stadteinwärts startet voraussichtlich nach dem Volksfest Mitte August. 300 Meter fehlen hier noch, dann ist die Verbindung zwischen den beiden Energiezentralen am Parkbad und am Klärwerk geschafft.

St. Andreas-Straße Von der Heideckstraße stadtauswärts wird verlegt bis zur Kapelle, außerdem wird das Gebiet am Schleifmühlweg angeschlossen. Im Herbst wird es hier losgehen.

Ostendstraße Die Verbindung zwischen der Ostendstraße und der Rohrenfelder Straße soll bis zum Jahresende hergestellt sein. Die Leitungen in der Danziger Straße wurden bereits Anfang des Jahres verlegt und sind fertiggestellt. Nun wollen noch die Wohnblöcke der Gewo in der Ostendstraße angeschlossen werden. Hierfür wurde eine Sonderfinanzierung nötig, die aber bereits beschlossen ist.

Donauwörther Berg Derzeit wird auf privatem Grund gearbeitet, ab Mitte September auf öffentlichem, um die Blöcke in der Adalbert-Stifter- und der Gerhard-Hauptmann-Straße und den Neubau des Supermarktes samt den Wohnungen an die Nahwärme anschließen zu können.

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