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Gesundheit

23.01.2019

Soforthilfe für psychisch kranke Kinder in Neuburg

Ein stressiger Schulalltag ist häufig ein Auslöser für psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen.
Bild: Patrick Pleul, dpa (Archiv)

Viele Kinder leiden an seelischen Problemen. Um sie möglichst zügig zu unterstützen, gibt es einen Krisendienst. Wie dabei auch Neuburg hilft.

Stress in der Schule, Mobbing im Internet oder Probleme im Elternhaus. Die Ursachen für psychische Probleme bei Kindern und Jugendlichen sind vielfältig. Die Zahlen jedenfalls sind erschreckend: Jedes fünfte Kind in Deutschland zeigt Anzeichen für psychische oder Verhaltensprobleme. Das geht aus einer Studie des Robert-Koch-Instituts hervor. Wenn sich junge Menschen in einem seelischen Notzustand befinden, bleibt oft wenig Zeit, um zu reagieren. Der Krisendienst Psychiatrie kümmert sich in Oberbayern um die psychiatrische Soforthilfe. Nun ist auch die Neuburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie dem Krisennetzwerk beigetreten.

Zusammen mit dem kbo-Heckscher-Klinikum in Ingolstadt, das schon seit dem vergangenen Jahr Mitglied ist, schließe sich damit eine Versorgungslücke, sagt Bezirkstagspräsident Josef Mederer: „Gerade für Kinder und Jugendliche ist es besonders wichtig, dass sie im Fall einer seelischen Krise schnell professionelle medizinische Hilfe bekommen. Je früher sie diese Hilfe erhalten, desto besser.“

Alle 36 Betten sind derzeit belegt

Verantwortlich für die Krisenintervention in der Neuburger Klinik ist die Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Dr. Astrid Passavant. Auch sie zeigt sich zufrieden, dass Neuburg nun Teil des Netzwerks ist: „Für uns ist die Einbindung in den Krisendienst ein wesentlicher Baustein in der Gesamtversorgung von Kindern und Jugendlichen in der Region.“

Wie wichtig die ist, zeigen die Erfahrungen der Neuburger Klinik. Derzeit seien alle 36 Betten belegt. Die Zahl schwanke saisonal bedingt, erklärt Passavant. „Insgesamt können wir feststellen, dass die Krankheitsbilder tendenziell ausgeprägter in ihren Symptomen auftreten. Die Patienten kommen stationär zu uns, wenn die ambulanten und teilstationären Angebote ausgeschöpft sind und keine anderen Alternativen mehr bestehen.“

Soziale Medien können ein Problem sein

Warum bei Kindern und Jugendlichen vermehrt psychische Probleme auftreten, habe mehrere Gründe, sagt die Chefärztin: „Zu beachten ist, dass die sozialen Medien Symptome anschüren wie zum Beispiel das selbstverletzende Verhalten. Weitere Aspekte sind die emotionale Belastung durch Cybermobbing, erhöhte Gewaltbereitschaft, fehlende direkte Kommunikation sowie eine zu große Isolation.“

Gerade der Umgang mit sozialen Medien in Familien sei zunehmend ein Problem, erklärt Passavant: „Die mediale Vernetzung und Kommunikation führt letztendlich zur Isolation. In den Familien spielen die Medien eine zunehmende Rolle, sodass sich oft die Interaktion in den Familien auf den Leistungsbereich wie Schulnoten beschränkt.“ Dadurch entstehe ein Defizit im emotionalen Bereich.

Gegen Ende des Schuljahres gibt es viele Fälle

Nach wie vor gibt es Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche besonders anfällig für psychische Probleme sind. „’Spitzenzeiten’ verzeichnen wir immer in den Wochen vor Weihnachten und gegen Ende eines Schuljahres“, sagt Passavant. In den vergangenen Jahren habe es jedoch auch Verschiebungen gegeben. „Zum Beispiel führte der lange warme Sommer 2018 dazu, dass die klassische Herbstdepression verspätet eingesetzt hat.“

Wer sich einmal in einer seelischen Notlage befindet, erreicht den Krisendienst unter der in Oberbayern einheitlichen Rufnummer 0180/6553000. Zwar geht die Hauptberatungszeit von 8 bis 24 Uhr, allerdings deckt eine Nachtbereitschaft auch die übrigen Stunden ab. Bei Bedarf vermittelt die Leitstelle an weiterführende regionale Hilfsangebote oder organisiert einen mobilen Einsatz vor Ort. Der Bezirk Oberbayern fördert den Krisendienst mit 7,4 Millionen Euro pro Jahr. Alleine im Jahr 2017 erreichten die Leitstellen rund 22.000 Anrufe.

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