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Neuburg an der Donau

21.06.2017

Sommer, Sonne, Brandlbad

Bei gleißender Sonne und Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke ist das Wasser im Freibad für viele eine willkommene Abkühlung. Unter den aufmerksamen Blicken des Bademeisters ziehen Schwimmer ihre Bahnen, Kinder planschen in Becken und suchen den Kick auf der Wasserrutsche.
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Bei gleißender Sonne und Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke ist das Wasser im Freibad für viele eine willkommene Abkühlung. Unter den aufmerksamen Blicken des Bademeisters ziehen Schwimmer ihre Bahnen, Kinder planschen in Becken und suchen den Kick auf der Wasserrutsche.
Bild: Marcel Rother

Die Temperaturen sind hochsommerlich, die Menschen zieht es ans Wasser. Beliebt ist das Freibad in Neuburg. Die Menschen, die dorthin kommen, könnten unterschiedlicher kaum sein.

Alles plätschert, planscht und pritschelt, der Duft von Kokosöl liegt in der Luft und am Kiosk gibt es Eis am Stil mit Pommes. Das war gefühlt schon immer so und wird gehofft auch immer so bleiben. Generationen von Deutschen verbindet diese Erfahrung – bei über 30 Grad eingebrannt ins kollektive Sommergedächtnis. Symbolisch dafür steht das Freibad. Älter als die Antike, ist es für viele gleichzeitig der Ort, an dem sie ihre erste Demokratieerfahrung machen, denn: Vor der Sonne sind alle gleich. Bar jeder Alltagsuniformierung begegnen sich knapp über der Wasseroberfläche Bürger-, Bäcker- und Bademeister, Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Männlein wie Weiblein, auf Augenhöhe. Die Motive der einzelnen Badegäste könnten dennoch kaum unterschiedlicher sein, wie ein Besuch im Brandlbad zeigt:

Frühschwimmer Die Sonne brennt noch auf halber Flamme, die Bäume spiegeln sich in der regungslosen Wasseroberfläche, da zieht es bereits die ersten Badegäste zu den Becken. Es ist sieben Uhr morgens, die Stunde der Frühschwimmer. Immer dienstags und freitags öffnet das Brandlbad eine Stunde eher. Wenn es nach Karena Heiß geht, könnte das Angebot für Dauerkartenbesitzer gerne auf die gesamte Woche ausgeweitet werden. Die Neuburgerin ist seit Jahrzehnten Stammgast im Brandlbad und geht jeden Tag zum Schwimmen, egal bei welchem Wetter. Sie liebt das Freiheitsgefühl, wie sie sagt und erklärt, was sie darunter versteht: „Wenn ich auf dem Rücken schwimme, am Himmel die Schwalben, dann ist das ein unbeschreiblich schönes Bild.“

Bundeswehr Weniger wegen der Schwalben, vielmehr wegen des Sportabzeichens, das sie jedes Jahr ablegen müssen, sind die Soldaten des Bundeswehrstützpunkts Neuburg hier. Für sie ist der Morgensport Beruf. Athletische Körper ziehen äußerlich einmütig neben Genießern und Rentnern zwei Stunden ihre Bahnen, innerlich sind sie doch meilenweit entfernt. „Wir sind nicht hier, um zu chillen, bei uns geht es darum, fit zu sein“, sagt André Leuschner.

Familien Picknickdecken, Sonnenschirme und Strandmuscheln im Freibad sind das sichere Erkennungszeichen von Familien. Ein Wohnzimmer im Freien, zwei mal zwei Meter groß, manchmal auch größer. Sophie Mahmood-Schafferhans und ihre Freundin Sandy Grande haben es sich auf kuscheligen Decken gemütlich gemacht. Mit dabei ihre beiden Kinder Mina und Leroy, zehn und neun Monate alt. Für die Kleinen ist es der erste Besuch im Freibad – mit der Demokratie kann man nicht früh genug beginnen. Genauso wie mit Babybecken, Fontänen, Wasserspielen und einem Spielplatz und jeder Menge kühlem Sand, der kitzelnd zwischen kleinen Kinderfingern hindurchrieselt. Einziger Wermutstropfen: Die Väter können den Erstkontakt ihrer Kinder mit neuem Terrain nicht erleben, sie müssen arbeiten.

Paare Die Arbeit hinter sich, das kühle Becken vor sich und den Partner an ihrer Seite haben Kristin Reißner und Dominik Hillner. Die Auszubildenden haben sich bewusst im Freibad verabredet, nach einem langen, anstrengenden Tag wollen sie gemeinsam ihre Freizeit verbringen. Das junge Paar – sie 17, er 22 – erbringt den Beweis, dass im Freibad nicht nur zarte Bande geknüpft, sondern auch weitergeflochten werden – bei einem Stück Wassermelone, einem Abendsnack vom Kiosk oder in der Sonne liegend, das junge, sommerfrische Leben genießend.

Abendschwimmer Angelika und Gerhard Heimisch haben das Brandlbad neu entdeckt. Zuletzt waren sie vor 15 Jahren hier, damals waren ihre Kinder noch klein. In diesem Jahr sind sie schon zum zwölften Mal hier. Immer zweieinhalb Stunden vor Schluss – ab dann wird der Eintritt günstiger – und immer nach dem gleichen Schema: Schwimmen, Sonnen und ab nach Hause. Die familiäre Atmosphäre, die grüßenden Bademeister und das abgesperrte Sportbecken, in dem sie in Ruhe ihre Bahnen ziehen können, hat ihre Liebe zum Freibad wieder aufleben lassen.

Sportler Ein Freibad ist immer auch ein wenig Laufsteg, Partnerbörse und Boulevard der Eitelkeiten, vor allem bei jüngeren Besuchern. Sehen und gesehen werden eben. Mädels tragen gerne die neueste Bademode spazieren, Jungs ihre Muskeln. Auch wenn sie es nicht darauf anlegen, ernten den ein oder anderen Blick auch Stephan Pils, Daniel Hutter, Michael Habermayr und Daniel Jester. Die vier Freunde kennen sich vom Fußball und bleiben auch im Freibad durch und durch Sportler: Sie trifft man beim Schwimmen, Tischtennisspielen oder auf dem Beach-Volleyballfeld. Oder nach einem Tag im Freibad im Biergarten. Noch so symbolischer Ort. Aber das ist ein anderes Thema.

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