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Neuburg

08.08.2015

Sommerakademie: Preis als Karrieresprungbrett

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„Interrogatio“ heißt dieses Ensemble, das mit gewollt anarchischen Interpretationen aufwartete. Auch diese Gruppe wurde von der Jury mit einem zweiten Preis belohnt.
Bild: Julia Abspacher

Beim Biagio-Marini-Wettbewerb ging heuer niemand leer aus. Was diese Auszeichnung einmalig in Bayern macht und warum alle sechs Ensembles ausgezeichnet wurden.

So klangvoll der Name ist – Biagio Marini –, so viel Musik steckt in der Tat auch hinter dem Preis, der nach ihm benannt ist. Der italienische Violinvirtuose und Komponist der Barockzeit hat mit seinem Wirken die Instrumentalmusik revolutioniert und stand – und das ist die Verbindung zu Neuburg – nahezu 30 Jahre lang in den Diensten von Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm.

Wenn sich nun heute junge Musiker auf seinen Spuren bewegen, wenn sie in Neuburg der Alten Musik huldigen, dann halten sie gewissermaßen sein Andenken lebendig. Gleichzeitig aber transportieren sie auch die Alte Musik in die neue Zeit – und hier kommt dem Biagio-Marini-Preis eine besondere Bedeutung zu, ist er doch bayernweit die einzige permanente Auszeichnung in dieser Sparte, die Kompositionen aus Mittelalter, Renaissance und Barock umfasst.

Wenn die Neuburger Sommerakademie jenen Preis auslobt, lockt sie damit folgerichtig auch Musiker aller Herren Länder an. Das Musikerwettspiel wird seit nunmehr 16 Jahren ausgetragen. Nach einer Vorauswahl durch den Jurypräsidenten Professor Georg Brunner traten jetzt sechs internationale Ensembles mit unterschiedlichen Besetzungen gegeneinander an.

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In jeweils 15-minütigen Darbietungen zeigten die Musiker ihr Können. Wenn sich diesmal auch niemand an ein Werk des namensgebenden Komponisten wagte, so ließ sich doch eine deutliche Tendenz zu einem anderen Komponisten finden: Georg Philipp Telemann stand bei fünf der sechs Ensembles auf dem Programm.

Keines der Ensembles ging in diesem Jahr bei der Prämierung leer aus, da zum ersten Mal auch dritte Preise gestiftet wurden. Darüber konnten sich „Quintetto Quinqueliando“, „Asian furniture design“ und „Indomptable“ freuen, die auch die drei jüngsten Formationen des Abends waren und deren Mitglieder noch im Musikstudium begriffen sind.

Über den Publikumspreis von 500 Euro durften sich die Mitglieder von „Cembaless“ freuen. Sie gewannen wenig überraschend mit großer Mehrheit, stachen sie doch schon während ihres Vortrags dadurch hervor, das sie als einziges Ensemble nach jedem Stück Szenenapplaus bekamen. Mit sechs Musikern wies die Gruppe zudem die größte Besetzung des Abends auf. Es überzeugten: Elisabeth von Stritzky (Gesang), Brendan O’Donnell (Blockflöten), Annabell Opelt (Blockflöten), Shen-Ju Chang (Viola da Gamba), Robbert Vermeulen (Theorbe) und Stefan Koim (Laute/Gitarre) als einzige Gruppe mit Gesang und ohne Cembalo. Mit „Augellin vah´go e canoro“ von Alessandro Scarletti, „Si dolce e’l tormento“ von Claudio Monteverdi und dem fast modern anmutenden „Ciaccona“ von Tarquinio Merula gewann „Cembaless“ die Zuschauer für sich.

Und noch eine Premiere gab es in diesem Jahr bei der Preisvergabe: Zum ersten Mal seit 1999, also dem Beginn des Wettbewerbs, konnte sich die Jury nicht auf einen Erstplatzierten einigen und vergab so zwei zweite Preise, die dafür mit jeweils 1500 Euro dotiert sind. Diese beiden Preisträger sind verdientermaßen die Ensembles „Interrogatio“ und „Zoom Quartet“.

Die vier Musiker von „Interrogatio“ – Filip Rekiec (Barockvioline), Lorenzo Gabriele (Traversflöte), Adrian Cygan (Barockcello) und Sofija Grgur (Cembalo) – hatten erst im vergangenen Jahr musikalisch zusammengefunden und beeindruckten im Kongregationssaal mit dramatischen und gewollt anarchischen Interpretationen von Bartolomeo de Selma Y Salaverdes „Canzona prima a due Primo Libro de Canzoni“ und Telemanns „Suite Nr. 6 d-moll“.

„Zoom Quartet“, das mit Roy Amotz (Traversflöte“, Katya Polin (Barockvioline/Viola), Ivan Turkalj (Barockcello) und Olivier Wyrwas (Cembalo) ebenfalls aus vier Musikern besteht, spielt hingegen schon länger in dieser Kombination und hat auch international schon Preise gesammelt. In Neuburg hatten sie eine geschlossene Telemann-Komposition im Programm – „Quatuor Parisien Nr 6 in c-moll“ – die freilich in sich sehr viel Abwechslung bot und dessen – vor allem vierten Part – „Gracieusement“ die Musiker ganz hervorragend wiedergaben.

Wer mit dem Biagio-Marini-Wettbewerb in der Tasche nach Hause geht – zurück nach Taiwan, Japan, Australien oder Russland beispielsweise –, der bringt eine nicht ganz unbedeutende Qualifikation mit. „Für manches dieser relativ jungen Ensembles kann dieser Preis durchaus ein Sprungbrett in eine musikalische Karriere sein“, so Professor Georg Brunner.

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