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Neuburg

25.08.2019

Sommerserie: Diese Frau bringt Menschen von A nach B

Doris Domke-Schmid ist Busfahrerin. Wenn keine Ferien sind, fährt sie Schüler aller Altersklassen – und hat damit eine große Verantwortung, diese sicher nach Hause zu bringen. Jetzt, während der Sommerferien, fährt sie einen Stadtbus.
Bild: Laura Freilinger

Plus Als Busfahrerin trägt Doris Domke-Schmid eine große Verantwortung. Wie sich ihr Beruf in 30 Jahren verändert hat und warum er sie immer noch erfüllt.

In unserer Sommerserie „Auf Achse“ begleiten wir Menschen aus der Region, die beruflich viel in der Stadt und der Umgebung unterwegs sind. Sie berichten uns, was ihnen an ihrem Beruf besonders gefällt, welche Schwierigkeiten oder Vorurteile dieser manchmal mit sich bringt oder welche Rolle das mitunter heiße Wetter spielt.

Noch sind Ferien – doch bald fängt die Schule wieder an. Dann beginnt für Busfahrerin Doris Domke-Schmid die Arbeit, wenn die Schulglocke für die Kinder die Freizeit einläutet. Mehrere Dutzend Kinder sprinten dann auf ihren Bus zu. Noch bevor sie zusteigen, rufen sie ihrer Busfahrerin ein freundliches „Hallo, Doris!“ entgegen. Diese lächelt, fragt die Kinder, wie der Tag denn so war und kontrolliert, ob auch alle einen Sitzplatz gefunden haben. Der Lautstärkepegel ist hoch, gegen die Hitze bläst ihr ein kleiner Ventilator ins Gesicht.

„Ich stehe jeden Morgen auf und freue mich auf meinen Arbeitstag. Er ist sehr abwechslungsreich und man erfährt viel Dank. Ich könnte mir nichts anderes vorstellen“, schwärmt Doris Domke-Schmid über ihren Beruf als Busfahrerin, den sie seit 30 Jahren ausübt. Vor ihrem Lenkrad sitzen zwei gehäkelte Eisprinzessinnen aus Stoff. Ein Kunde habe ihr die selbst gemachten Puppen einmal geschenkt, erzählt sie. „Das ist gar nicht einmal so selten. Manchmal bringen mir Fahrgäste Schokolade oder ähnliche Kleinigkeiten mit“, sagt die Neuburgerin und freut sich.

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Während der Ferien fährt Doris Domke-Schmid Stadtbus

Während der Schulzeit fährt Domke-Schmid vormittags und mittags Kinder aller Altersklassen zu ihren jeweiligen Schulen. Die Schüler kennt sie beim Namen, sie fragt sie nach den Hausaufgaben, schlichtet sogar Streitigkeiten. Jetzt in den Sommerferien fährt sie – anstatt wie sonst nachmittags – ganztägig einen Stadtbus. „Was mir daran so gefällt, ist, jeden Tag völlig verschiedene Fahrgäste zu befördern. Ich mag die Schulkinder vormittags unglaublich gern“, erzählt Domke-Schmid und lächelt. „Andererseits genieße ich auch die ruhigeren Fahrten am späten Nachmittag.“

Viele Menschen, die bei ihr mitfahren, würden sich dankbar zeigen, sagt die Busfahrerin. Es gebe aber auch ungeduldige Passagiere. „Wenn ein Fahrgast spät dran ist, dann hätte er eben einen Bus früher nehmen müssen. Meine Aufgabe ist es, alle Fahrgäste sicher von A nach B zu bringen, da darf man auf Drängler nicht so eingehen“, erläutert sie. „Meistens sind Beschwerden wirklich nur Kleinigkeiten, beispielsweise, dass Kunden nicht an der Vordertür aussteigen durften“, sagt sie. Zwischen den Fahrten hat sie meistens längere Pausen. Das stört die Neuburgerin aber keineswegs: „Meine Kollegen und ich sind da ganz gut organisiert und nehmen in der Zeit private Termine wahr. Unser Arbeitgeber achtet streng auf die Einhaltung der Lenk- und Fahrzeiten. Urlaub nehmen wir uns meistens in den Ferien, da dort weniger Personal benötigt wird.“

Vor einigen Jahren fuhr Doris Domke-Schmid auch Fernstrecken ins Ausland. „Da trägt man eine wesentlich größere Verantwortung und muss sich auch technisch besser auskennen“, erklärt sie. „Besonders schön an Fernreisen ist der Kontakt zu Touristen. Man erfährt dabei ganz interessante Geschichten.“ Grundsätzlich gelte aber, eine gewisse Distanz zu Kunden zu halten. Während der Fahrt dürfe ohnehin nicht mit dem Fahrer gesprochen werden.

Domke-Schmid durfte die ein oder andere schöne Geschichte schon selbst miterleben. Einmal ist zum Beispiel während einer Pause ein junger Vogel unbemerkt durch das Seitenfenster geflogen – zur großen Freude der Schulkinder. Als sie die Linie zu Ende gefahren hatte, setzte sie ihn wieder an seinem „Fundort“aus.

Früher war eine Frau als Busfahrerin etwas Besonders

In ihren ersten Wochen als Busfahrerin war sie als Frau etwas Besonderes. Eigentlich war sie durch Zufall zu dem Beruf gekommen, nachdem sie als Fahrlehrerin einen Führerschein für den Bus hatte machen dürfen. „Als ich vor etwa 30 Jahren das erste Mal eine Strecke abfuhr, war es noch ungewöhnlich, dass Frauen diesen Beruf ergreifen“, erinnert sie sich. „Der Großteil der Aufmerksamkeit war dann natürlich auf mir“, sagt Domke-Schmid lachend. „Heute ist das aber nicht mehr so. Vieles ist besser geworden. Zum Beispiel sind die Busse mittlerweile wirklich schön zu fahren, sie haben alle Klimaanlagen.“

Neben vielen positiven Veränderungen wie diesen habe die Neuburgerin allerdings das Gefühl, der Beruf hätte etwas von seinem Ansehen eingebüßt. „Früher war man als Busfahrer ein toller Hecht. Durch den vielen Verkehr heutzutage trifft man häufiger auf wütende Autofahrer“, bedauert die Frau. „Da legen Eltern ihren Kindern ans Herz, sich von der Busfahrerin nichts sagen zu lassen. Grundsätzlich wünsche ich mir aber von allen Altersgruppen mehr Respekt.“ Trotz allem macht ihr der Beruf nach wie vor Spaß. Es sei einfach ihr Ding, Bus zu fahren. An die Größe des Fahrzeugs hätte sie sich schon lange gewöhnt und außerdem sei es doch toll, auch bei schönem Wetter unterwegs sein zu können.

Wie man ein guter Busfahrer wird

Der Beruf des Busfahrers ist erst seit wenigen Jahren ein Ausbildungsberuf. Dafür ist er aber sehr gefragt. „Auch unser Betrieb sucht händeringend nach Mitarbeitern“, sagt Domke-Schmid. Voraussetzungen seien ein guter Quali, ein gutes Sehvermögen sowie ein Grundverständnis für Technik. „Gerade im Stadtverkehr reicht es aber völlig, ein paar kleine Tricks zu kennen. Das kann jeder lernen“, erklärt die Busfahrerin. Zweimal pro Woche stünde eine grobe Reinigung des Busses auf dem Programm, je nach Jahreszeit müsse man aber auch öfter die Gänge säubern.

Wie in jedem Dienstleistungsberuf sollte man außerdem gut mit Menschen umgehen können. Alle fünf Jahre finden Modulschulungen statt, die die Angestellten besuchen müssen. Dabei lernen sie technische Neuerungen, ökonomisches Fahren und Regelungen zu Personenbeförderung. Außerdem werden dort gezielt Grenzsituationen besprochen und wie sie sich in diesen verhalten sollten. Zudem gibt es eine vorgegebene Zahl an Ersthelfern pro Betrieb und regelmäßige ärztliche Untersuchungen, insbesondere ab dem 50. Lebensjahr.

Einer Sache könne man sich sicher sein, betont Busfahrerin Domke-Schmid. „Wir geben täglich unser Bestes. Viele Kollegen fühlen sich einfach dazu berufen, diesen Beruf auszuführen.“

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