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Neuburg-Schrobenhausen

28.03.2020

Spargelbauer: „Ich befürchte, dass es grob wird“

Spargelbauern stehen in der Corona-Krise vor dem großen Problem, dass die Erntehelfer aus Osteuropa nicht einreisen dürfen. Deshalb wird heuer weniger Edelgemüse gestochen, viel Spargel wird auf den Feldern bleiben.
Bild: Symbolfoto Erich Echter

Plus Wegen der  Corona-Krise fehlen jetzt Saisonarbeiter auf den Feldern. Viele Betriebe befürchten in diesem Jahr hohe Verluste und hoffen doch noch auf eine Wende.

Studenten, Selbstständige, Arbeitslose, Angestellte in Kurzarbeit, Rentner und sogar Kinder und Jugendliche – alle wollen helfen, dass die Spargelsaison nicht ins Wasser fällt. Aufgrund der fehlenden Erntehelfer wegen der Corona-Reisebeschränkungen hatte der Spargelerzeugerverband Südbayern die Erntehelferhotline „Sie suchen – wir suchen“ gestartet. In kürzester Zeit haben sich über 200 Arbeitswillige gemeldet, die gerne mithelfen würden. Viele Bürger rufen auch direkt bei den betroffenen Spargelhöfen in ihrer Nähe an und bieten ihre Unterstützung an.

Claudia Westner aus dem Kühbacher Ortsteil Haslangkreit ist Vorsitzende des Spargelerzeugerverbands Südbayern und Nachfolgerin von Josef Plöckl. Sie freut sich über die vielen Rückmeldungen und hofft, dass auch viele Helfer auf die Höfe vermittelt werden können. Sie weist allerdings darauf hin, dass es sich beim Spargelstechen um eine harte körperliche Arbeit handelt, die auch einige Wochen durchgehalten werden sollte. Auch, um nicht so viele verschiedene Gruppen einsetzen zu müssen. Frauen seien eher beim Waschen, Schneiden und Verpacken des Spargels gefragt. Kinder dürfen nicht eingesetzt werden, auch wenn das manchen Eltern bei der intensiven Betreuungssituation vermutlich ganz recht wäre. Jugendliche können ab 16 Jahren mit anpacken.

Nur wenige Arbeitskräfte sind bei den Spargelbauern angekommen

Bei Claudia Westner selbst sind acht Helfer aus Polen eingetroffen, die mit entsprechenden Arbeitsverträgen problemlos über die Grenze kamen, wie die 48-Jährige berichtet. Andere Spargelhöfe haben Flugtickets für ihre Helfer, überwiegend aus Rumänien, finanziert. So sind bei den Spargelbauern Lohner aus Inchenhofen oder Degmaier aus Schrobenhausen noch vor dem vom Innenministerium verhängten Einreiseverbot einige Arbeiter aus Rumänien angekommen. Da die Saison bei diesen Betrieben erst in diesen Tagen oder erst Richtung Ostern beginnt, reicht vorläufig ein kleinerer Teil an Helfern. Wie viel Spargel heuer verkauft werden kann, ist ohnehin offen. Da viele Gastronomiebetriebe derzeit geschlossen haben und allenfalls Speisen zum Abholen oder Ausliefern anbieten, drohen hier erhebliche Umsatzeinbußen.

Spargelbauer: „Ich befürchte, dass es grob wird“

Generell gilt Spargel als Luxusgemüse, für das durchaus etwas mehr Geld auf den Tisch gelegt werden muss. Zum Saisonstart im Schrobenhausener Anbaugebiet dürften die Preise, je nach Klasse, zwischen fünf und 15 Euro pro Kilo liegen. Der Großteil der befragten Spargelbauern will versuchen, trotz der vermutlich höheren Produktionskosten und des geringeren Absatzes auf eine Preissteigerung zu verzichten. Georg Lohner betreibt mit seinem Bruder Josef eines der größten Spargelunternehmen Deutschlands. Er sagt: „Die Leute müssen den Spargel ja auch noch kaufen können. In Zeiten, in denen die Menschen ihre Arbeit verlieren oder in Kurzarbeit gehen müssen, können wir den Spargel nicht teurer machen.“

Auch Claudia Westner erwartet keine extreme Preiserhöhung, obgleich der Preis beim Spargel nach wie vor „Hofsache“ sei. Sie hofft darauf, dass die Bevölkerung den heimischen Spargel jetzt auch kauft. „Viele Leute sind zu Hause und haben jetzt Zeit zum Kochen“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Was würde sich da besser anbieten als gesundes, frisches, regionales Gemüse?“ Sie ist davon überzeugt: Der Spargel ist gut für die Seele und hebt die Stimmung. Trotz der in Bayern geltenden Ausgangsbeschränkungen darf laut Landratsamt übrigens jeder Bürger raus, um Spargel auf Märkten, in Hütten am Straßenrand oder in Hofläden zu kaufen.

Auch Manfred Seine vom gleichnamigen Spargelhof in Mühlried versucht, sich für die aktuelle Krisensituation zu wappnen. Normalerweise würde er heuer 230 Saisonarbeiter beschäftigen, aktuell sind es 62. „Alles Rumänen“, sagt der 63-Jährige. „Die meisten hatten wir im Vorfeld schon da fürs Pflanzen. Als wir dann gedacht haben, dass es eng werden könnte, sind noch einige mit Kleinbussen gekommen. Das war alles abenteuerlich, denn Fliegen ging nicht. Wir haben mit der Bundespolizei telefoniert, aber die Aussage war, die dürfen nicht rein und müssen wieder zurück.“ Im Moment, sagt Manfred Seine, sei die Witterung noch zu kalt und es gebe wenig Spargel. Die Lage werde sich verschärfen, sobald es wärmer werde. „Es wird sehr schwierig werden. Wir werden nicht alles beernten, schon deshalb, weil wir nicht alles absetzen können.“ Wichtig wäre, so der Spargelbauer, dass die Gastronomie wieder öffnen dürfe. „Die ist momentan tot, auch der Gastroservice und die Kantinen, weil die großen Firmen geschlossen haben.“ Viel hänge von der Dauer der Ausgangsbeschränkung ab. „Der Karfreitag ist für mich ein entscheidender Tag. Wenn sich nach Ostern wieder alles ein wenig normalisiert, wäre das ein Lichtblick. Was ich aber nicht glaube“, schiebt Seine hinterher. „Ich schätze, dass es grober kommt. Man braucht nur mal die Bilder aus Italien anschauen. Ich denke, dass viele die Situation noch unterschätzen.“

Spargelbauer Seine sorgt vor und setzt auf Abstand

Um mit einem blauen Augen davonzukommen und nicht zu tief in die roten Zahlen zu rutschen, will Manfred Seine zumindest den momentanen Betrieb auf seinem Hof aufrecht erhalten. Und dazu sei wichtig, „dass wir von außen keine Krankheit hereinkriegen. Unsere Arbeiter dürfen keinen Besuch empfangen und auch nicht woanders hin. Zum Einkaufen gehen sie nur einzeln und einmal in der Woche.“

Dass offenbar auch viele Kunden in diesen Zeiten anders denken und sich in Supermärkten um Klopapier streiten, bereitet Georg Lohner Sorgen. Der Lohner-Spargel wird beispielsweise bei Aldi und Lidl verkauft. Vonseiten der Discounter gab es zuletzt viel Unterstützung bei der Suche nach Erntehelfern. „Die wollen doch etwas in den Regalen haben“, erklärt Lohner. Wie die Kunden auf den Spargel reagieren werden, kann Lohner nicht vorhersehen. Er glaubt aber, wie wohl viele seiner Berufskollegen, dass es in dieser Saison vor allem um Verlustminimierung gehen wird.

Hotline Die Erntehelferhotline „Sie suchen – wir suchen“ des Spargelerzeugerverbands Südbayern ist unter Telefon 08252/89480 und per E-Mail an info@griesers-hotel-post.de zu erreichen.

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