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Neuburg

10.01.2020

Spaziergängerin filmt schwimmende Wildschweine

Eine Spaziergängerin hat im Neuburger Auwald eine Wildschweinrotte filmen können.
Video: Barbara Wawrzyniak

Plus Eine Spaziergängerin filmt, wie eine Wildschweinrotte durch die Donau schwimmt, ans Ufer geht und direkt an ihr vorbeisaust. Eine Seltenheit.

Schweine können eigentlich gar nicht pfeifen. Wenn etwas Unerhörtes passiert, wird das jedoch gerne mit einer Redensart umschrieben, die ebenfalls Überraschendes beschreibt – etwa ein pfeifendes Schwein. Die Schweine, denen Barbara Wawrzyniak begegnet ist, haben also nicht gepfiffen, dennoch war die Spaziergängerin gehörig überrascht, als sie am Donauufer auf Höhe des Sportplatzes in Joshofen plötzlich ein Plätschern vernahm und ihr sich dunkle Schatten auf dem Wasser näherten. „Zuerst dachte ich: Ein U-Boot in der Donau, das kann doch nicht sein?“, erzählt sie. Weil sie beim nachmittäglichen Gassigehen mit ihren beiden Hunden ihre Brille nicht dabei hatte, zückte sie ihr Handy, aktivierte die Kamera und zoomte in die Richtung, aus der die verdächtigen Geräusche kamen. Beim Blick auf das Display traute sie ihren Augen nicht. „Verdammt, das sind Wildschweine!“, fuhr es aus ihr heraus.

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Neuburg: Mehr als 20 Wildschweine schwimmen durch die Donau

Und es waren nicht nur ein paar. Mehr als zwanzig, schätzt Wawrzyniak, aber zum Zählen war keine Zeit. Die Neuburgerin nahm ihre Hunde an die Leine, drückte auf den Auslöser und filmte die Tiere, wie sie in Reih und Glied scheinbar mühelos die Donau durchschwammen. „Als sie auf meiner Seite ankamen, blieb ich stehen und wartete, wohin sie rennen würden, weil ich nicht wusste, wohin ich gehen sollte“, erzählt sie. Die Schweine rannten zuerst zum Kanal zwischen der Donau und Joshofen und dann weiter in Richtung Sportplatz. Angst hatte die leidenschaftliche Fotografin Wawrzyniak, die oft in der Natur um Neuburg unterwegs ist, keine: „Ich gehe oft im Wald spazieren und weiß, dass die Wildschweine eher Angst vor uns haben und uns nur angreifen, wenn sie sich bedroht fühlen.“ Etwa, wenn sie Nachwuchs haben. In diesem Fall seien ihr aber nur ausgewachsene Tiere begegnet.

Einmal quer über die Donau: Vom Gewerbegebiet Grünau schwamm eine Rotte Wildschweine hinüber nach Joshofen und dabei einer Spaziergängerin vor die Linse. Die traute anfangs ihren Augen nicht.
Bild: Barbara Wawrzyniak

Peter Niggemeyer ist Forstdirektor des Wittelsbacher Ausgleichsfonds, zu dem Teile des Auwalds entlang der Donau bei Neuburg gehören. Er bewertet den Vorfall wie folgt: „Es ist nichts Besonderes, dass eine Rotte Sauen das Ufer wechselt – Schwimmen ist für sie kein Problem. Das Besondere ist, dass es beobachtet wurde.“ In dem rund 1000 Hektar großen Waldgebiet, das den Wittelsbachern gehört, leben seiner Einschätzung nach mehrere Wildschweinrotten. Wie viele Tiere es genau sind, lasse sich nicht sagen. Allerdings nehme die Schwarzwildpopulation in Deutschland seit Jahren zu, daher würden auch bei der Jagd im Auwald von Jahr zu Jahr mehr Tiere erlegt. Über die Größe der Rotten lässt sich auch nur spekulieren. Sie hänge von mehreren Umweltfaktoren ab, etwa der Bejagung oder der Landschaftsbeschaffenheit, in der die Tiere leben, sagt der Forstexperte. In Deutschland würde eine Rotte in der Regel zwischen fünf und 20, maximal auch 50 Tiere umfassen. In anderen Ländern, wie Rumänien, seien auch einmal Wildschweinrotten mit 100 Tieren zu beobachten.

Spaziergängerin filmt schwimmende Wildschweine

In Neuburg gab es bisher keine Probleme mit Wildschweinen

Zu Gesicht bekommt man die Tiere nur selten. „Wildschweine sind eher nachts unterwegs und ziehen sich generell gerne zurück“, sagt Niggemeyer. Eine Gefahr für den Menschen gehe daher von ihnen in der Regel nicht aus. „Wild versucht, dem Menschen auszuweichen, es sei denn, es wähnt sich in großer Gefahr ohne Ausweichmöglichkeit.“ Das könne sein, wenn man „kreuz und quer“ durch den Wald laufe und dabei in einen Wurfkessel gerate (die Wildsau bei der Geburt stört, Anm. der Red.) oder wenn ein Hund in den Wald rennen und ein Tier angreifen würde. Hundehaltern rät Niggemeyer deshalb grundsätzlich, ihre Tiere im Wald an die Leine zu nehmen. Von einem unliebsamen Zusammentreffen zwischen Wildschweinen und Menschen im Auwald bei Neuburg sei ihm nichts bekannt. Auch nicht, dass die Tiere in Wohngebiete vordringen würden, wie in anderen Großstädten der Fall. „Das kommt vor allem dann vor, wenn die Menschen viel Fressbares rausstellen und die Tiere nichts Besseres in der Natur finden.“ Im Auwald sei das Angebot jedoch groß.

Für den seltenen Fall, dass sich ein Ereignis wie das von Barbara Wawrzyniak wiederholen sollte, rät der Forstexperte Spaziergängern Folgendes: „Einfach stehenbleiben und das Stück heile Natur genießen, das man beobachten darf.“ In diesem Sinne hat Wawrzyniak alles richtig gemacht. Für sie war es nicht das erste Aufeinandertreffen mit Wildschweinen. Im Wald bei Attenfeld habe sie bereits welche gesehen, damals allerdings in weiter Ferne. Aber „Wildschweine, die durch die Donau schwimmen – ein schneller und unruhiger Fluss –, das ist ein ungewöhnliches Ereignis“, sagt sie und ist begeistert. Denn auch für sie als Hobbyfotografin ist es ein glücklicher Zufall, den sie ein für alle Mal auf Kamera festhalten konnte.

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