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Neuburg

26.10.2017

Sport-Kolumne: Das Ende der Beschwerde

Mehr Kraftsport fordert der Personal-Trainer, mehr Essen die Ernährungsberaterin.
Bild: Kai Remmers, dpa (Symbol)

Unser Autor hat ausgiebig sein Leid geklagt, das das strenge Trainingsprogramm mit sich bringt. Das ist vorbei. Denn tatsächlich hat das Fasten und Sporteln nicht nur schlechte Seiten. Man muss sie nur zu schätzen wissen.

Schluss mit Jammern. In der ersten Hälfte meines Projekts, in zehn Wochen sportlich und durchtrainiert zu werden, habe ich viel zu viel Mitleid eingefordert. Aua, der böse Muskelkater! Oh nein, ich darf keine Nudeln mehr essen! Meine Freunde können mit mir nüchtern nichts mehr anfangen! Schluss damit. Denn in einer meiner schwächsten Wochen bin ich zu zweierlei Erkenntnissen gelangt.

Erstens ist es wirklich nicht schwierig abzunehmen, wenn man überhaupt einmal damit anfängt. Anfangen heißt aber auch, von Beginn an auf alle Ausnahmen zu verzichten. Keinen Döner, nur weil der Wirt hinter der Theke lächelt und der Magen knurrt. Keine Nudeln, weil sie schnell gehen. Keine Ausreden wie: Ich hab doch heute schon so viel gearbeitet. Die Couch habe ich mir jetzt verdient. Spätestens in fünf Tagen sollte man sich einen Rhythmus angeeignet haben, der Arbeit, Sport und Kochen/Essensbeschaffung mehr oder weniger elegant miteinander verknüpft. Außerdem hilft es tatsächlich, eine Faulheitsanalyse in seinem Alltag durchzuführen. Wenn man schon überlegt, ob man fahren oder laufen soll – eindeutige Antwort: laufen. Treppe statt Rolltreppe. Aufstehen statt den Arbeitskollegen mit der Kurzwahlnummer anzurufen. Und auch wenn die Spaghetti in sechs Minuten al dente sind, Gemüse schnippeln kann mit etwas Übung sogar meditativ wirken.

Zweitens holt man sich selten in seinem Leben so viele Komplimente ab, wie nach den ersten verschwundenen Kilos. Das ist das Glück der Dicken. Sie können quasi nur gewinnen. Ein dünner Mensch kann in unserer durchgetrimmten Gesellschaft nur verlieren – wenn er aufgibt und eben zunimmt.

Bis zur Halbzeit meines Sportlerlebens nahmen die Komplimente stufenweise zu. Nach einer Woche: „Im Gesicht sieht man schon was.“ Nach zwei Wochen: „Das wird, nur nicht nachlassen!“ In den Wochen drei und vier: „Bist du irgendwie schmaler geworden?“ Seit Woche fünf: „Unfassbar! Sieben Kilo?!“

Sieben Kilo hat eine Augsburger Waage angezeigt. Vielleicht hatte sie einen Schaden. Seitdem ich mich wieder in Neuburg wiege, zeigt sich, dass mein Körper fünf Kilo Fett zwischenzeitlich abgetragen und energiebringend verbrannt hat. Alles bio und hoffentlich nachhaltig. Meine Ernährungsberaterin hat mir vor Kurzem aufgetragen, mehr zu essen. Mehr Eier, mehr Nüsse. Nicht dass mein Körper sich an die weniger Kalorien gewöhne und vor allem weil ich so keine Muskeln aufbaue. Trainer Simon aus den Vital Plus Studios, den ich zwei Wochen nicht gesehen hatte, fand da weitaus motivierende Worte: „Wow, deine Oberarme machen ja richtig was her. Und der Rücken... Das wird!“ Die fünf Trainingseinheiten pro Woche, das Kreuzheben und die Beinpresse haben ihren Job getan.

Auch wenn ich erst etwas verunsichert war. Denn die Elektro-Waage, die so tut, als würde sie alles über meinen Körper wissen, hat gesagt, dass ich keine Muskeln aufgebaut habe. Die Entwarnung folgt durch Simon: Es ist alles bestens, wenn ich in den Anfangswochen keine Muskelmasse verloren habe. Noch ein Grund zu feiern. Die Disziplin scheint zu stimmen.

In dem Moment, als mich Simon auf Rücken und Oberarme ansprach, musste ich mich daran erinnern, wie mich als gerade Erwachsener ein Muskelmann in der Disco angesprochen hat. Er hat mich gefragt, warum ich nicht das Pumpen anfange. Mein breites Kreuz sei perfekt dafür. Ich hab nur gelacht. Zu jener Zeit war ich unter dem Spitznamen „Katze von Motschenbach“ ein Fußball-Torwart mit eher durchwachsenen Leistungen. Bodybuilding?! Vielleicht Jonglage. Und außerdem wollte ich schon immer, dass mich Menschen für kluge Gedanken und nicht für aufdringliche Muskeln loben. Das hat sich geändert. Mittlerweile geht es nicht mehr darum, Mann zu interpretieren, sondern Mann zu sein.

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