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09.09.2008

Sprachheilerziehung im Kindergarten auf Eis gelegt

Im Kindergarten St. Vitus in Weichering herrscht Ratlosigkeit. Fünf Jahren lang war dort eine Logopädin tätig, um Kinder mit Sprachdefiziten zu therapieren. Doch seit einem halben Jahr ist dieses Angebot auf Eis gelegt.

Von Claudia Stegmann

Weichering - Im Kindergarten St. Vitus in Weichering herrscht Ratlosigkeit. Fünf Jahren lang war dort eine Logopädin tätig, um Kinder mit Sprachdefiziten zu therapieren.

Doch seit einem halben Jahr ist dieses Angebot auf Eis gelegt. Warum, weiß eigentlich niemand. Nur soviel: Die Logopädin darf nicht mehr im Kindergarten ihre Therapien abhalten, der Dachverband hat einen Riegel vorgeschoben.

Dabei wurde das Angebot in dem teilintegrativen Kindergarten gut angenommen. Zuletzt waren es acht Buben und Mädchen, darunter ein behindertes Kind, die einmal pro Woche einen Vormittag lang von einer Sprachtherapeutin behandelt wurden - und das mit teilweise beachtlichem Erfolg. "Die Kinder sind in ihrer gewohnten Umgebung einfach therapiewilliger", weiß die Vorsitzende des Elternbeirats, Cornelia Starringer. Auch die Hemmschwelle für die Eltern sei ihrer Meinung nach geringer, wenn Therapien quasi nebenher im Kindergartenalltag laufen.

Sprachheilerziehung im Kindergarten auf Eis gelegt

Während einige Eltern nun die Entwicklungen abwarten, haben sich andere entschieden, einen externen Logopäden aufzusuchen. Doch die Kindergartenleiterin Maria Andraschko will sich mit dieser Situation nicht abfinden. Für sie bringt eine Therapie im Kindergarten nur Vorteile mit sich: Einerseits müssen Eltern keine logistische Grätsche machen, um Familie, Arbeit und Therapietermin unter einen Hut zu bringen. Andererseits fallen Kinder aus sozial schwachen Mileus nicht durchs Netz, weil sich die Eltern nicht um die Sprachentwicklung ihrer Kinder kümmern können oder wollen.

Doch nicht der Logopädenverband, sondern die Krankenkassen sperren sich gegen das Konzept. "Hausbesuche dürfen nach den Heilmittelrichtilinien nur dann verordnet werden, wenn sie medizinisch notwendig sind", erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Logopäden (BDL), Lukas Rosenthal. Das wäre bespielsweise dann der Fall, wenn das Kind nicht transportfähig ist. Doch selbst bei behinderten Kindern gibt es nach Auskunft von Rosenthal häufig "absurde Fälle", in denen Kinder für mehrere Hundert Euro mit einem Krankentransport in die Praxis gefahren werden, nur weil die Krankenkassen keinen Hausbesuch anerkennen.

Der schwarze Peter liegt demnach bei den Versicherern, die letztlich entscheiden, ob Hausbesuche anerkannt werden oder nicht. Dass der Logopädenverband jetzt seine Mitglieder zurückgepfiffen hat, liegt laut Rosenthal an teilweise "nicht unerheblichen Regressforderungen", die in der Vergangenheit Krankenkassen an Logopäden gestellt haben.

Nichtsdestotrotz sieht der BDL Handlungsbedarf, denn nicht nur die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bleibe bei dieser Regelung auf der Strecke. "Wir halten eine Behandlung nach dem Kindergarten für völlig uneffektiv", ergänzt Rosenthal. Die Kinder seien einfach ausgepowert und wären für eine Therapie schwerer zugänglich.

Obwohl sich der BDL nach den Worten von Rosenthal massiv für eine stärkere Anerkennung von Hausbesuchen einsetzt, wird sich seiner Meinung nach kurzfristig nichts an der Situation ändern." Das ist ein dickes Brett, durch das wir bohren." Deutschlandweit gesehen seien lediglich die bayerischen Krankenkassen in dieser Frage offen für Diskussionen.

Solange keine Änderung in Sicht ist, rät Rosenthal betroffenen Eltern, direkt mit den Krankenkassen zu verhandeln. "Wenn Eltern Druck auf die Krankenkassen machen, ist das am effizientesten."

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