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Neuburg

20.05.2017

Sprengstoff auf dem Neuburger Wohnungsmarkt

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Auch die Wohnungen der Gewo fallen bald aus der Sozialwohnungsbindung.
Bild: Xaver Habermeier (Archiv)

In Neuburg fehlt vor allem günstiger Wohnraum – findet nicht nur die SPD. Aber was tun? Baureferent, Partei und Gewo-Geschäftsführer sind sich einig.

Bei jedem Baugebiet, das ausgewiesen wird, bilden sich schon vor dem Verkauf der Grundstücke lange Schlangen von Interessenten. Bauträgern werden die Wohnungen aus den Händen gerissen, bevor überhaupt ein Stein gemauert wurde. Der Neuburger Wohnungsmarkt kann wahrlich als überhitzt bezeichnet werden. Das wirkt sich natürlich auf die Bau- und Grundstückspreise wie auch auf die Mieten aus. Auf der Strecke bleiben dabei schnell diejenigen, die weniger verdienen und auf bezahlbaren Wohnraum angewiesen sind. Noch hinzu kommt, dass die Bindungen vieler Sozialwohnungen in den kommenden Jahren auslaufen. Die Neuburger SPD befasste sich bei ihrer Versammlung mit der Wohnungsnot in der Ottheinrichstadt.

Zu dieser Thematik hatte der Ortsverband der SPD zwei Experten geladen. Rainer Bierwagen berichtete von der Gemeinnützigen Wohnungsbau (Gewo) Neuburg. Und Baureferent Dr. Johann Habermeyer stellte die Planungen der Stadt Neuburg vor. Die Stadt tue sich schwer, geeignetes Bauland zu erwerben, so Habermeyer. „Viele, die wir ansprechen, sagen, ’was soll ich mit dem Geld, für das ich keine Zinsen bekomme?’ Andere legen ihr Geld in Betongold an.“ Und in diesem Räderwerk komme der einfache, finanziell nicht so gut dastehende Mieter im wahrsten Sinne unter die Räder.

Die SPD-Mitglieder waren sich einig darüber, dass der soziale Wohnungsbau wiederbelebt werden müsse. Rainer Bierwagens Einblick in die Gewo gab in diese Richtung wenig Hoffnung. Ganz im Gegenteil. Von heute noch rund 140 Wohnungen der Gewo, die als Sozialwohnung gebunden sind, wird es 2029 nur noch 32 geben. Alle anderen fallen in diesem Zeitraum aus der Sozialwohnungsbindung. Von den gut 100 Wohnungen der Bau- und Siedlungsgenossenschaft des Landkreises sind dann laut Bierwagen gar keine Sozialwohnungen mehr vorhanden. Neue wurden bisher nicht geplant oder gar gebaut. Die Gewo führt momentan über 200 Vormerkungen von Menschen, die Wohnraum in Neuburg suchen.

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Mietpreise im Durchschnitt bei mehr als 10 Euro

Problematisch aber sei auch die Entwicklung der Mietpreise. Sie liegen durchschnittlich inzwischen bei über zehn Euro pro Quadratmeter. Das müsse günstiger gehen, so die SPD. Man könne nicht nur in Richtung Audi-Manager schielen und immer nur Grundstücke für Einfamilienhäuser ausweisen, sagt Alexander Fischer, Vorsitzender der Neuburger Jusos. „Wir brauchen auch mehrgeschossige Häuser, denn es gilt Krankenpfleger und Verkäufer ebenfalls mit guten Wohnungen zu versorgen.“

Dass die Stadt selbst Wohnungen baut, davon hält Habermeyer nichts. „Besser wäre es, privaten Investoren den Grund zur Verfügung zu stellen, auf dem sie dann bauen könnten.“ Viele Faktoren treiben den Mietpreis nach oben. Neben der hohen Nachfrage sind es auch die Baustoffpreise und die raren Handwerker in unserer Boomregion. Die Baukosten sind laut Bierwagen von 2000 bis 2013 um rund 36 Prozent und von 2013 bis 2016 noch einmal um zehn Prozent gestiegen. Mit deshalb, weil der Staat mit immer weiteren Verschärfungen für höhere Baupreise sorgt. Zwei Beispiele sind der Brandschutz und die Energieeinsparverordnung. Was also tun? Es müsse mehr Bauland generiert werden, so die einhellige Meinung. Dafür müsse auch mal tiefer in die Stadtkasse gefasst werden, fordert Habermeyer. Die zwölf Wohnungen, die die Gewo baut – Bezug ist für Juni 2018 geplant – sind nur ein Tropfen auf den heißen Wohnungsmarkt. Und, so Bierwagen, dies seien erst mal die letzten geplanten Neubauten. „Wir haben keine Grundstücke mehr.“

Die SPD sieht nur eine Chance, die Hitze aus dem Wohnungsmarkt zu nehmen. Der Staat müsse wieder mehr fördern. Für den Sozialen Wohnungsbau seien die Förderungen kontinuierlich heruntergefahren worden. Genossenschaftliche Lösungen wurden genauso angedacht wie längere Förderzeiträume. Und der Staat dürfe die Not nicht noch verschärfen, indem er die Bauanforderungen noch weiter nach oben schraubt.

Für Habermeyer ist der politische Wille entscheidend. „Wir müssen Kompromisse schließen. Wir müssen verdichten. Und nicht jeder Neubau darf von den Anliegern bekämpft werden.“

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