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Rohrenfels

08.01.2021

St. Andreas in Baiern: Großes Engagement für kleine Kirche

Die kleine Filialkirche St. Andreas in Baiern wurde teilsaniert. Einst war sie sogar Pfarrkirche, ehe sie der Pfarrei Rohrenfels zugeordnet wurde.

Plus Mit viel Eigenleistung und Engagement hat Baiern die Kirche St. Andreas saniert. Die Kirche aus dem frühen 15. Jahrhundert brauchte unter anderem neue Dachbalken und neue Elektrik. Besonders eine Familie hat viel investiert.

Nur 35 Katholiken und circa 15 Häuser zählt das kleine Kirchdorf Baiern, das mit der Filialkirche St. Andreas eine der ältesten Kirchen der Pfarreiengemeinschaft Neuburg besitzt. Sie ist von August bis Dezember nach dreijähriger Vorlaufzeit teilsaniert worden – worüber Pfarrer Herbert Kohler sehr froh ist, der sich in der „schmucken, heimeligen Kirche vom ersten Augenblick an wohlgefühlt“ hat. Baiern bildete früher mit Isenhofen und der Fesenmühle eine eigene Pfarrei und wurde erst zu Beginn der Reformationszeit um 1550 mit der Pfarrei Rohrenfels vereinigt. Die gehört seit September 2011 der Pfarreiengemeinschaft Neuburg an.

Vermutlich wurde St. Andreas im frühen 15. Jahrhundert erbaut, wie anhand eines innerhalb der Kirche liegenden Grabsteins mit der Jahreszahl 1402 geschlossen wird. Die Turmobergeschosse stammen aus dem 16. oder 17. Jahrhundert. Aufgrund statischer Probleme war es höchste Zeit, das kleine Kirchlein mit seinem dreiseitig geschlossenen Chor und quadratischen Turm mit Satteldach zu sanieren. „Man hätte viel Geld in die Kirche hineinstecken können“, sagt Verwaltungsleiter Georg Gabriel, „wir haben uns aber für eine kleinere Variante entschieden“.

Die filigranen Verzierungen des Altars waren zum Teil weggebrochen. Albert Karpf hat sie wie ein Puzzleteil wieder rekonstruiert.

Eine große Sanierung hätte sich auf eine halbe Million Euro belaufen. Das war Kirchenpfleger Albert Karpf eindeutig zuviel – woher hätte das Geld auch kommen sollen. Zwar schießt die Bischöfliche Finanzkammer 60 Prozent der Baukosten zu, doch auch bei der Teilsanierung für 101.000 Euro bleibt eine beträchtliche Summe für die Kirchenstiftung übrig. 12.000 Euro zahlt die Gemeinde, 15.000 Euro wurden gespendet, den Rest muss Karpf, der seit 32 Jahren in der Kirchenverwaltung und seit 22 Jahren Kirchenpfleger von Rohrenfels und damit auch Baiern ist, aus Rücklagen finanzieren.

„Die Familie Karpf hat einen Großteil der Eigenleistungen erbracht und viel Zeit und Kraft investiert“, lobt Gabriel. So konnte das Budget von 101.000 Euro nicht nur eingehalten werden, sondern es blieb noch Geld für Farbe übrig, sodass die Kirche geweißelt werden konnte und wenigstens der Turm noch einen Außenanstrich bekommen kann.

Die Filialkirche brauchte ein neues Dach und neue Elektrik

Das größte Problem aber war das Dach, dessen Balken zum Teil marode waren. Sie mussten ersetzt und Versteifungen angebracht werden. Ein unsichtbarer Zuganker stabilisiert nun den Chorbogen, der bereits Risse aufwies, die zudem verpresst wurden. Auch die Empore musste statisch gesichert werden, die Elektrik erneuert. Während einer Besprechung fielen den Vertretern des Denkmalschutzes einige Aposteltafeln auf. Vier waren an der Empore befestigt, wo sie nun wieder hängen, sechs hingen auf der Empore und drei fanden sich auf dem Dachboden. Nur der Heilige Petrus fehlt, dafür sind Maria und Josef vorhanden. „Wo Petrus abgeblieben ist, wissen wir nicht“, sagt Karpf. Die Tafeln sind circa 200 Jahre alt und wurden im Zuge der Sanierung für 15.000 Euro restauriert, wovon die Bischöfliche Finanzkammer 80 Prozent übernahm.

Die Kreuzwegtafeln hat Kirchenpfleger Albert Karpf eigenhändig restauriert – wie den Altar auch.

Zahlreiche Holzarbeiten hat der Kirchenpfleger selber ausgeführt, vor allem am Holzaltar. „Der war kurz vorm Zusammenbrechen“, erzählt Karpf, der nicht nur den Grundaufbau befestigt und überarbeitet hat, sondern auch die Verzierungen, vor allem die Spitzen. „Das war ein richtiges Puzzlespiel.“ Abgebrochene Teile hat er wieder mit Spezialleim angebracht und vergoldet. Als gelernter Schreiner beherrscht er die alten Techniken noch und konnte so auch die alten, wurmstichigen Kreuzwegtafeln restaurieren, deren Kreuze erneuern, dem Gekreuzigten die abgebrochenen Zehen reparieren und dem heiligen Andreas die gespaltene Hand.

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