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Stadtarchiv

05.03.2018

Stadtarchiv in Ingolstadt: Das Gedächtnis einer Stadt

Ingolstädter Geldscheine gab es auch einmal als Notgeld während der Inflation. Daneben findet sich ein Schein mit der Stolzen Summe von einer Billion Mark.
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Ingolstädter Geldscheine gab es auch einmal als Notgeld während der Inflation. Daneben findet sich ein Schein mit der Stolzen Summe von einer Billion Mark.
Bild: Silke Federsel

Vom Billionen-Schein bis zu einem prachtvollen Buch aus der Renaissance: In den alten Gemäuern zeigt sich die Geschichte Ingolstadts in vielen Facetten.

Urkunden, Zeitungsausschnitte oder historische Stadtpläne: Es waren wirklich interessante Einblicke in das „Gedächtnis der Stadtgeschichte“, die sich den Besuchern boten, als das Ingolstädter Stadtarchiv am vergangenen Wochenende beim „Tag der Archive“ seine Pforten öffnete und ausgewählte Archivalien präsentierte. Alle zwei Jahre findet diese Veranstaltung bundesweit statt – heuer unter dem Motto „Demokratie und Bürgerrechte“. Und da für Ingolstadt gerade die Zeitspanne zwischen den napoleonischen Kriegen und den 20er Jahren besonders viele Veränderungen mit sich gebracht hat, waren auch viele Dokumente aus dieser Zeit zu sehen.

Die Geldentwertung etwa, die während des Ersten Weltkriegs begann und im Krisenjahr 1923 als Hyperinflation ihren Höhepunkt erreichte, durchlebten auch die Ingolstädter. Vor allem anhand der Aufzeichnungen eines Lehrers, der damals Tagebuch führte, Lebensmittelmarken und Geldscheine sammelte und alles dokumentierte, veranschaulichten die Archivare diese Epoche. Besonders interessant: die vielen verschiedenen Geldscheine und Währungen mit oftmals horrendd hohen Beträgen. Auch eigens gedrucktes Ingolstädter Notgeld war an diesem Tag zu sehen, „Das muss damals schon ein bunter Geldbeutel gewesen sein“, sagte Archivarin Martina Pohl. Wobei ein Geldbeutel oftmals nicht ausreichte – um die riesigen Beträge zu transportieren, nutzte man manchmal auch Kisten oder gar Schubkarren, erklärte sie. Und da nicht jeder mit derartigen Summen rechnen konnte, gab es einen Zeitungsartikel , der ein wenig „Mathenachhilfe“ vermitteln sollte und die großen Zahlen erklärte.

„Kampfradler gab es also damals schon“

Viele Institutionen und Vereine, die man heute kennt, hatten ihren Ursprung schon im 19. Jahrhundert. Der „Verschönerungsverein“ etwa war der Vorläufer des heutigen Gartenamts. Ob nun Obstbaumpflanzungen oder die Schaffung von Parkanlagen – viele Grünflächen in der Stadt haben ihren Ursprung diesem Verein zu verdanken. Und mit dem Aufkommen des Fahrrads gründeten sich auch im 19. Jahrhundert Fahrradvereine, wie historische Fotografien zeigen. Auch Heinrich Fleißer, der Vater der Schriftstellerin Marieluise Fleißer, ließ sich damals stolz mit seinem Zweirad abbilden. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Bekanntmachung der Polizei – die verhängte nämlich empfindliche Geldstrafen für Radfahrer, die etwa auf dem Gehsteig unterwegs waren oder rücksichtslos fuhren. „Kampfradler gab es also damals schon“, erklärte Doris Wittmann lachend.

Stadtarchiv in Ingolstadt: Das Gedächtnis einer Stadt

Der bayerische Defiliermarsch wurde 1850 in Ingolstadt komponiert

Nicht nur etwas zu sehen, sondern auch zu hören gab es hingegen an einer anderen Station. Der bayerische Defiliermarsch, der auf Volks- und Vereinsfesten in ganz Bayern zu hören ist und manchem als inoffizielle Nationalhymne gilt, wurde von Adolf Scherzer 1850 in Ingolstadt komponiert, wie Iris Winkler erzählte, die auch historische Notenblätter für die Besucher zur Ansicht bereithielt.

Ein richtiges Prunkstück zeigte Stadtmuseumschefin Beatrix Schönewald: Das Privilegienbuch der Stadt wurde 1493 von Stadtschreiber Andreas Zainer angelegt und von seinen Nachfolgern über Jahrhunderte fortgeführt. Das Buch enthält Abschriften von Urkunden der Kaiser und der bayerischen Herzöge und Kurfürsten, die eine Verleihung besonderer Rechte und Privilegien für Ingolstadt beinhalten. Besonders prächtig und interessant sind farbige Miniaturportraits der Bürgermeister und Ratsherren aus verschiedenen Jahrhunderten. „Sie sind alle sehr realistisch gemalt und man kann sich die Herren durchaus vorstellen“, sagte Schönewald. Und man sehe auch, wie sich die Mode im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat – von Ratsmitgliedern in Renaissancegewändern über Herren mit Barockperücken und schließlich, auf der letzten Abbildung von 1880, Männern in schlichten schwarzen Anzügen ist alles dabei.

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