Newsticker

EU sichert sich bis zu 160 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs von Moderna
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Stadtwerke stehen nicht vor dem Bankrott

Neuburg

14.11.2018

Stadtwerke stehen nicht vor dem Bankrott

Die Lage bei den Neuburger Stadtwerken ist in Griff zu bekommen, sagt Oberbürgermeister Bernhard Gmehling.
Bild: Marcel Rother

Neuburgs Oberbürgermeister Gmehling hält Vorwürfe in diese Richtung für überzogen. Allerdings müsse an einigen Schrauben gedreht werden. An was er denkt.

Er steckt „tief drin“, sagt Bernhard Gmehling. Doch angesichts differenzierter Betrachtungsweisen und einem Hin und Her von immer wieder neuen Strömungen in den verschiedenen Sparten sei es zugegebenermaßen nicht einfach, bei den Neuburger Stadtwerken den Durchblick zu behalten. Doch von desaströsen Zuständen zu sprechen, oder davon, dass der Energieversorger vor dem Bankrott stehe, ist für den Oberbürgermeister überzogen. Gleichwohl ist er der Meinung, dass an einigen Schrauben gedreht werden müsse.

Hinter verschlossenen Türen wurde am Dienstagabend nach der öffentlichen Sitzung des Werkausschusses noch detaillierter über die Ergebnisse des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes und einen Zwischenbericht der Kanzlei Rödl&Partner diskutiert. Die Prüfungsgesellschaft aus Nürnberg ist von der Stadt beauftragt, als Beratungsunternehmen einen unbefangenen Blick von außen auf die Stadtwerke zu werfen. Die Ergebnisse beider Prüfungsorgane werden auch Schwerpunkt auf der Klausur des Gesamtstadtrates am Samstagnachmittag im Haus der Maschinenringe sein.

Handlungsbedarf sieht der Oberbürgermeister beim Personal

Handlungsbedarf gebe es in den Augen des Oberbürgermeisters zum einen beim Personal. Im Zuge der Umstrukturierung des Kommunalbetriebs und des Aufbaus der Nahwärme sei es zwar notwendig gewesen, das Personal aufzustocken. Aber auch Rödl&Partner seien der Meinung, dass zu viele Mitarbeiter eingestellt worden sind. „Da müssen wir reagieren“, sagt Gmehling.

Außerdem sei angemahnt worden, so Gmehling, dass zu viele Personalkosten als Ausgaben auf die Sparten Gas und Strom geschrieben worden seien. „Es kann nicht sein, dass wir in diesen Energiebereichen deshalb Miese schreiben, auch wenn die Erlöse grundsätzlich geringer werden“, verdeutlicht der OB. Gleichwohl gibt er zu, dass 2010/2011 zu wenig in den weiteren Ausbau der Gas- und Stromnetze investiert worden sei, was sich aktuell negativ auswirken würde.

Das Jahresdefizit bei den Stadtwerken lag 2017 bei 3,4 Millionen Euro 

Auch was den Bereich Buchhaltung und Controlling angehe, müssten, so der OB und Werkreferent Roland Harsch unisono, durch noch bessere Softwareprogramme künftig exaktere Zahlen geliefert werden. Es dürfe sich nicht wiederholen, dass die Rechnungsführung bei den Stadtwerken ein Jahresdefizit von 2,6 Millionen Euro vorhersage und es letztlich 3,4 Millionen werden, so wie es aktuell für 2017 der Fall ist.

Grundsätzlich sind sich OB und Werkreferent einig, dass die Stadtwerke sich nicht zuletzt mit dem Großprojekt Nahwärme auf dem richtigen Weg befinden würden. Allerdings sei die Umstrukturierung schwieriger als gedacht. „Aber ein so großer Umbruch kostet nun einmal viel Geld“, verdeutlicht Harsch.

Nichtsdestotrotz sollte künftig in den verschiedenen Sparten der Stadtwerke gezielter und vorsichtiger investiert werden. „Was will ich erreichen? Warum ist die Investition sinnvoll? Was kommt am Ende für uns heraus?“, sind Fragen, die Roland Harsch in Zukunft stärker in den Fokus gestellt haben möchte. Diesen Weg sollten Stadtwerke und Stadtpolitik gemeinsam gehen. OB Gmehling stört sich deshalb auch an der von einigen Stadträten öffentlich geäußerten Kritik am kommunalen Eigenbetrieb. „Wenn man als Aufsichtsrat ein Unternehmen so schlecht redet, dann würde ich mich schon fragen, ob ich da noch an der richtigen Stelle sitze.“

Stadtwerkeleiter Kuttenreich sieht sich auf dem richtigen Weg

Stadtwerkeleiter Richard Kuttenreich sieht sich indes auf dem richtigen Weg. Vom Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband sei trotz des negativen Wirtschaftsergebnisses ein uneingeschränkter Vermerk erteilt worden. Außerdem hätten Rödl&Partner die Aussagen seiner Lageberichte seit 2014 faktisch bestätigt. Was die Personalsituation angehe, müsse man berücksichtigen, so Kuttenreich, dass sich die Neuburger Stadtwerke noch im Umbruch befinden würden. Das von Rödl&Partner im Vergleich zu Stadtwerken im Normalbetrieb angesprochene Mehrpersonal von Minimum sechs bis Maximum 16 Angestellten müsse deshalb auch unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden. „Seit 2013 wurden 37 neue Arbeitsplätze geschaffen“, wie Kuttenreich es ausdrückt. Aktuell gebe es 136 Angestellte, davon gut 30 Teilzeitarbeitskräfte, sodass es in Summe 114 Vollzeitbeschäftigte bei den Stadtwerken gebe. Angesichts der Altersstruktur – zwölf Mitarbeiter über 58 und insgesamt 40 über 50 Jahre – würde sich der Personalstand natürlich regulieren. Wichtig sei es, dass die Kompetenz und das Wissen der erfahrenen Kollegen auch an die neuen Mitarbeiter weitergegeben werden könne.

Seit heuer sei der Wirtschaftsplan der Stadtwerke belastbar

Außerdem habe die jetzige Leitung „die eklatanten Managementfehler“ in den Jahren 2010/11, die sich nun negativ auswirken, nicht zu verantworten. Dazu zähle auch ein Verlustvortrag von acht Millionen Euro, den die Stadtwerke seit 1999 vor sich herschieben würden, ohne dass dies in der Vergangenheit geregelt worden wäre. „Ich kann meine Arbeit erst ab 2018 messen lassen, ab dann trage ich die Verantwortung“, sagt Kuttenreich. Seit heuer sei der Wirtschaftsplan belastbar, „ab da sind die Stadtwerke steuerbar gewesen“. Dass Investitionen fehlten oder die Datenqualität zu wünschen übrig lasse, diese Ausreden zählten ab 2018 nicht mehr.

Durch die Investitionen in die Netze in den vergangenen Jahren prognostiziert er für 2018 in diesem Segment bereits ein Plus im Gasgeschäft von 800000 Euro und 2019, wenn sich die Investitionen ins Stromnetz auswirken, für diese Sparte ein Plus von rund 1,5 Millionen Euro. Da die öffentlichen Einrichtungen, wie Bäder und Busse, aber auch künftig Miese einfahren würden, sei eine weitere Unterstützung aus dem Stadthaushalt unabdingbar, um Rücklagen für künftige Investitionen schaffen zu können.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren