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Neuburg

17.03.2019

Starkbierfest: Was in Neuburg zum Brüllen komisch war

Starkbierfest Neuburg 2019
3 Bilder
Das Starkbierfest der Freien Wähler in Neuburg 2019 im Kolpinghaus. Künstler: Sepp Egerer, Schorsch Thaller
Bild: Christof Paulus

Plus Die Freien Wähler feiern ihr Starkbierfest in Neuburg. Zwei Löwen derblecken die lokale Prominenz. Im Singspiel wurden den Künstlern einzelne Lieder gestrichen.

Man musste Schlimmes befürchten, als Landrat Peter von der Grün das Bierfass anzapfen wollte. Nach zwei zaghaften Versuchen flog ihm glatt der Zapfhahn aus der Hand. Sieben Schläge später floss das Bier – es sollten am Samstagabend für lange Zeit die einzigen Schwierigkeiten beim 34. Starkbierfest der Freien Wähler gewesen sein.

Denn im Mittelpunkt des Abends stand natürlich die mit Spannung erwartete Starkbierrede. Diese übernahmen heuer Sepp Egerer und Schorsch Thaller. Unter dem Motto „Denkmal“ und verkleidet als die beiden Löwenstatuen, die über den Neuburger Hofgarten wachen, nahmen sie die lokalpolitischen Ereignisse des vergangenen Jahres ordentlich auf die Schippe.

Starkbierrede in Neuburg derbleckt sich durch die gesamte Lokalprominenz

Den ersten Witz musste Landrat von der Grün für seine Anzapfversuche einstecken: „Er hat für jede Woche im Amt einen Schlag gebraucht.“ Anschließend derbleckten sich die beiden durch die Lokalprominenz. Dem Vorsitzenden des Verkehrsvereins, Friedhelm Lahn, unterstellen sie „Erpressungsmethoden beim Christkindlmarkt“, Stadtrat Maximilian Rucker bezeichneten sie als „Schlaftablette“ und auch Burgfunken-Präsident Harry Zitzelsberger bekam sein Fett weg – nicht zuletzt wegen der Beleidigungen gegen Oberbürgermeister Bernhard Gmehling während der Rosenmontagsgaudi: „Zitzelsberger ist gleich dreimal zurückgetreten. Von seinem Amt, seinem Rücktritt und dem Niveau.“

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Landrat Peter von der Grün (FW) beim Fassanstich auf dem Starkbierfest.
Video: Christof Paulus

Auch die Gashi-Brüder nahmen Egerer und Thaller aufs Korn: „Die Gashis machen alles. Wenn sie jetzt auch noch in den Stadtrat gewählt werden und den längst fälligen Puff führen, dann können wir die Stadt in „Neuburg am Gashi“ umbenennen.“ Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Baringer Blaskapelle.

Starkbierfest: In Neuburg "geht's uns eigentlich saugut"

Obwohl sich die beiden Redner durch das vergangene Jahr grantelten und sich über die Überalterung Neuburgs beschwerten („Dattererstadt“), kamen sie zu einem versöhnlichen Schluss: „Wir lästern hier in Neuburg schon auf einem hohen Niveau. Uns geht’s eigentlich saugut.“ Das Publikum im vollen Kolpinghaus bedachte die fehlerfreie Rede mit großem Applaus.

Das Neuburglied beim Starkbierfest im Kolpinghaus
Video: Christof Paulus

Für das Singspiel ging es ins antike Griechenland. Mit dabei waren Peter von der Grün (Roland Harsch), Roland Weigert (Bernhard Pfahler), Karola Schwarz (Anita Kerner), das weise Orakel (Sissy Schafferhans) und die Gebrüder Fakenews (Sepp Egerer und Schorsch Thaller). Zur Melodie von „Über sieben Brücken“ von Peter Maffay sang Schafferhans von der zweiten Donaubrücke. Der geplante Einbahnstraßenring, die Parkplatz-Situation und die Öffnungszeiten des Brandlbads wurden ebenfalls von ihr musikalisch aufgearbeitet. Pfahler alias Weigert, der im Übrigen leibhaftig im Kolpingsaal saß, trällerte lieber über sich selbst: „Ich bin der Schönste und Stärkste auf der Welt.“ Auch durch das Singspiel zog sich das Thema des Abends. Diesmal waren jedoch nicht die teilweise überalterten „Denkmäler“ der Stadt gemeint, sondern die Künstler forderten: „Denk mal an Neuburg.“

Schorsch Thaller führt in Neuburg gestrichene Lieder auf dem Starkbierfest in Karlshuld auf

Für die zum Großteil fehlerlosen und überzeugenden Auftritte der sechs Akteure gab es viel Applaus. Etwas verwundert waren einige Zuschauer dann aber doch, als um 21.45 Uhr das Bühnenprogramm vorbei war. Die Erklärung lieferte Regisseur Schorsch Thaller nach dem Auftritt: Insgesamt sechs Lieder seien aus dem Singspiel gestrichen worden. Seine Intention sei es gewesen, dass sich die Freien Wähler für ihre politischen Erfolge der jüngeren Vergangenheit zwar feiern, aber auch durchaus Kritik einstecken könnten.

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Das sei jedoch in der Fraktion nicht überall auf Zustimmung gestoßen: „Seitdem sie in Bayern mitregieren, sind sie sensibilisiert worden“, sagte der kreative Leiter. Während des Singspiels konnte er sich deshalb die eine oder andere Spitze gegen die Freien Wähler nicht verkneifen. „Geht es an unseren Spott, fahren wir Geschütze auf.“ Zwar beteuerte Thaller, dass es keine Dissonanzen zwischen ihm und den Politikern gebe, die ungesungenen Lieder will der Künstler dennoch aufführen – unter anderem am nächsten Wochenende beim Starkbierfest der CSU in Karlshuld.

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