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Neuburg

17.10.2020

"Starke Kinderstücke" in Neuburg: Bananen-Dur im Stadttheater

Kalli und das Erdmonster Zottelkralle lernen sich in Kallis Kinderzimmer beim Spielen kennen.
Bild: Anna Hecker

Plus Auf der Bühne des Neuburger Stadttheaters ist Monster „Zottelkralle“ zu Besuch. Da rührt sich was bei den "Starken Kinderstücken" - aber was genau?

Eine Freundschaft mit einem echten Monster ist nicht leicht. Das muss Kalli schnell feststellen, als das Erdmonster Zottelkralle in ihr Kinderzimmer einzieht. Ob das flauschige Monster trotzdem bei Kalli und ihrer Familie bleiben darf, erfuhren die Zuschauer bei den starken Kinderstücke im Neuburger Stadttheater. Die Burghofbühne Dinslaken inszenierte mit „Zottelkralle“ einen wahren Kinderbuchklassiker. Das war zu sehen:

Da tobt ein riesiges, stinkendes Monster (Matthias Guggenberger) mitten zwischen Kallis (Maren Kraus) Spielsachen und spuckt auch noch hemmungslos auf den Boden. Die selbsterklärte Monsterexpertin ist entsetzt. So hatte sich das Mädchen ein Zusammenleben mit einem Monster nicht vorgestellt - dabei war es doch immer ihr innigster Wunsch, ein solches als Haustier zu haben. Vor dem Schlafengehen noch hatte Kalli extra Kekse auf dem Boden verteilt, um endlich ein schaurig scheußliches Monster anzulocken, da liegt auch schon der quietsch-orange Zottelkralle in ihrem Bett.

Ensemble aus Dinslaken zeigt "Zottelkralle" im Neuburger Stadtheater

Für Kalli beginnt ein turbulentes Abenteuer, das vom Ensemble aus Dinslaken farbenfroh und mit raffinierter Bühnentechnik inszeniert wird. Die Geschichte aus der Feder der berühmtesten deutschen Kinderbuchautorin Cornelia Funke dreht sich um ein Erdmonster, das Menschensachen liebt und Menschenkind Kalli, das Monstersachen liebt. Schon in seiner dunklen Höhle tief in der Erde singt Zottelkralle davon, wie schön es doch sein muss, bei diesen „glitschigen Nacktschnecken“ (Menschen) zu leben. Das versteht sein Nachbar Stinkefell (Markus Penne) überhaupt nicht, wo doch die Höhle viel gemütlicher ist.

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Das riesige, braune Pappmaschee-Konstrukt verwandelt sich nur eine Szene später in Kallis gelb leuchtendes Kinderzimmer mit den vielen Spielsachen. Hier lernen sich Kind und Monster kennen und lieben. Doch wäre da nur die sauberkeitsliebende Mutter (Antonia Dreeßen) von Kalli nicht. Von ihr wird Zottelkralle erst gejagt, dann hinausgeworfen und schließlich herzlich aufgenommen. Immerhin ist das haarige Monster mit dem dicken Bauch ein wahrer Musikkenner, vielleicht sogar ein kleiner Mozart am Klavier. Nach nur einer Klavierstunde wechselt Zottelkralle von seinem eigens „kompostierten“ Bananen-Dur und Honig-Moll zu einer klassisch anmutenden Arie.

Der Spaß auf der Bühne erinnert in Neuburg an eine Privatinszenierung

Der kurzweilige Spaß mit kleinen Schwächen erinnert in Neuburg fast an eine Privatinszenierung, schließlich haben sich gerade einmal gut 20 Zuschauer in den Rängen eingefunden. Trotzdem merkt man vor allem den Kindern an, dass sie sich von der Inszenierung von Mirko Schombert gerne gefangen nehmen lassen, was vor allen an der Spielfreude von Kalli alias Maren Kraus liegt, deren kräftige Stimme es trotz durchsichtigen Mundschutzes stets bis in die letzte Reihe schafft, und dem bonbonbunten Bühnenbild, dass sich per Drehung mal in Höhle, Badezimmer, Klavierstube oder Kinderzimmer verwandelt.

Lediglich an wenigen Stellen geraten die Dialoge etwas langatmig und die zwischenzeitlich eingestreuten Gesangsstücke wollen nicht so ganz ins Bild passen. Erst beim Lied „Wir machen immer nur das, was Mama sagt“, klatschen die Kinder auch mit und gerade die Mütter dürften sich natürlich über diese kleine pädagogische Botschaft freuen. Generell ist auch immer wieder ein Gag für die Erwachsenen eingestreut, besonders erfreulich hierbei eine versteckte Anspielung auf den wunderbaren Humoristen Loriot („Renate, ich wohne hier!“ von Kallis Vater auf die Frage „Was machst du denn hier“ von Mutter Renate).

Der kräftige Schlussapplaus von Groß und Klein belohnt das vierköpfige Ensemble aus Dinslaken für seine Darbietung in schon fast familiärem Rahmen und lockt als Zugabe noch ein Lied hervor, „Menschensachen sind so gut“, das die Schauspieler aus voller Kehle schmettern, während sie freudig über die Bühne hüpfen.

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