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Mordprozess

25.04.2015

Stefan B. fiel wegen Kinderpornos auf

Stefan B. wird in den Gerichtssaal geführt.
Bild: Würmseher

Ein Gutachter bescheinigte 2008, von ihm gehe keine Gefahr aus

Liebevoller Vater oder gefährlicher Pädophiler? Überzeugter Rechtsradikaler oder Mitläufer? Sexuell abartig Veranlagter oder lediglich aktiver Liebhaber? Hoffnungslos unselbstständig und arbeitsscheu oder aber unreif? – Was trifft auf Stefan B. zu? Wer ist der mutmaßliche Mörder von Franziska? – Der 13. Verhandlungstag offenbarte am gestrigen Freitag weitere Facetten seines Charakters.

Zur Sprache kam schwerpunktmäßig die familiäre Situation des 27-Jährigen. Ein früherer Bewährungshelfer, Mitarbeiterinnen des Landratsamts Eichstätt, ein guter Freund und die Mutter von Stefan Bs. heute siebenjährigem Sohn schilderten, wie sie den Angeklagten erlebt haben.

Eine Sozialpädagogin, die sich im Rahmen einer Betreuungsweisung um ihn hatte kümmern sollen, musste am Ende erkennen, dass sie mit ihren Bemühungen „völlig gescheitert“ war. Sie hatte den damals 17-jährigen Stefan B. 2005 ein halbes Jahr lang begleitet und sollte ihn sowohl beruflich auf den Weg bringen als auch sein gestörtes Mutter-Sohn-Verhältnis verbessern. Beides ist ihr nicht ansatzweise gelungen. Denn Stefan B. hatte nach ihren Worten jede Mitarbeit verweigert und war hochgradig unselbstständig. „Er wirkte wie ein Riesenbaby“, sagte sie, „körperlich groß, aber unreif und nicht imstande, auf einem Formular seinen Namen einzutragen.“ Zwei Bäckerlehren hatte Stefan B. abgebrochen, ein Praktikum im Tierheim gar nicht erst angetreten.

Rechtsradikale Äußerungen registrierte sie zwar bei Stefan B., stellte aber fest, dass es „oft nur große Parolen waren, außerhalb war er ganz klein“. Eine wirkliche neonazistische Ideologie habe sie bei ihm nicht erkannt. „Er war eher Mitläufer, der sich dadurch größer gemacht hat.“

Eine Mitarbeiterin des Eichstätter Jugendamts kennt Stefan B., seit er 14 Jahre alt war. Damals war er erstmals wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis mit der Justiz in Konflikt geraten. Ein Jahr später, 2002, rief dann seine Mutter um Hilfe, weil sie nicht mehr mit ihm klarkam. Von 2003 bis 2006 war die Jugendgerichtshilfe eingeschaltet. Und ab 2008 musste das Jugendamt wieder tätig werden: Damals waren bei Stefan B. kinderpornografische Schriften entdeckt worden. Im selben Jahr wurde Stefan B. Vater eines Sohnes und das Jugendamt nahm das Kind in Obhut, so lange, bis das Gutachten eines Diplom-Psychologen ergab, dass bei Stefan B. keine pädophilen Neigungen vorliegen. Die kinderpornografischen Fotos habe er lediglich aus Neugier und Naivität heruntergeladen. Ein Risiko gehe von ihm nicht aus – so damals das Gutachten.

Die Mutter seines Sohnes beschrieb Stefan B. recht positiv. Die heute 25-Jährige lebte mit ihm viereinhalb Jahre zusammen, zunächst bei ihrem Vater, dann bei seiner Mutter in Egweil, dann in einer eigenen Wohnung in Obereichstätt und schließlich wieder bei der Mutter. Sie stand zu ihm trotz seiner Konflikte mit dem Gesetz, trotz der beiden abgebrochenen Lehren und Dauer-Arbeitslosigkeit.

„Er war nett und hat sich um seinen Sohn gekümmert“, schilderte sie als Zeugin. „Anfangs war er völlig unselbstständig, aber nach seinem Gefängnisaufenthalt von Dezember 2006 bis August 2007 hat er sich positiv verändert.“ Sexuelle Auffälligkeiten hatte sie an Stefan B. während der gemeinsamen Zeit nicht bemerkt, berichtete aber von einem generell aktiven Liebesleben. Im Juli 2010 trennte sie sich dann allerdings von ihm, weil „es in der Beziehung einfach nicht mehr gestimmt hat“.

Gute Erinnerungen hat auch der Freund an Stefan B., mit dem der 27-Jährige zuletzt gechattet hatte – bis unmittelbar vor seiner Festnahme wegen Mordes. „Er ist ein ruhiger Typ“, so beschrieb er ihn gestern, „ich hab ihn nie aggressiv erlebt, eher hilfsbereit. Er hat mir wiederholt beim Holzmachen geholfen.“ Am 16. Februar 2014, dem Tag nach dem Mord an Franziska, wollten sich die zwei Männer eigentlich in Burgheim treffen. Dazu kam es dann allerdings nicht mehr. Um 21.03 Uhr erreichte den Freund die letzte Whats App-Nachricht, in der Stefan B. mit seinen ganz speziellen Worten seinen Unmut über die Festnahme äußerte und sich vom Freund verabschiedete: „Gefickt. Bye!“

Die Verhandlung wird am Montag um 9 Uhr fortgesetzt.

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