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Königsmoos-Ludwigsmoos

11.09.2018

Stein gewordener Glaube in Ludwigsmoos

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4 Bilder
150 Jahre steht die evangelische Kirche in Ludwigsmoos. Zu diesem Anlass wurde der Innenhof saniert, damit zur Feier alles schön herausgeputzt ist.
Bild: Foto: Federsel

Die evangelische Kirchengemeinde feiert das 150-Jährige Bestehen ihres Gotteshauses. Ein hartnäckiger Pfarrer hatte einst den Bau durchgesetzt. Was geboten ist.

Besondere Anlässe muss man gebührend feiern – das finden auch Pfarrerin Cornelia Dölfel und die Mitglieder der evangelischen Pfarrgemeinde in Ludwigsmoos. Da ihre Kirche seit mittlerweile 150 Jahren steht, finden vom 14. bis zum 16. September drei Tage lang Jubiläumsfeierlichkeiten statt. Mit einem bunten Programm, bei dem für jeden etwas dabei sein dürfte: Findet am Freitag beispielsweise im Festzelt ein bayerischer Abend statt, gibt es am Samstag Livemusik und eine Jugenddisco. Der Sonntag beginnt mit einem Festgottesdienst, danach startet der Betrieb im Festzelt und es gibt viele Aktionen für große und kleine Besucher.

Wer alles mitgeholfen hat

„So langsam steigt dann doch die Aufregung“, sagt Pfarrerin Cornelia Dölfel lächelnd. Sie freut sich über die große Unterstützung des Kirchenvorstands und den Gemeindemitgliedern, die im Vorfeld alle zusammen helfen, damit das Fest gelingen kann. Die Hilfe reicht vom Kuchenbacken über den Auf- und Abbau des Festzelts bis hin zum Dekorieren und Schmücken oder der Kinderbetreuung durch die Pfadfinder. Zum besonderen Geburtstag ist auch eine neue Festschrift erschienen. Die hat Hans Brandmayr erstellt, der sich dabei großteils auf die Festschrift von Manfred Hofstetter zum 125-jährigen Jubiläum stützt und die Schrift umfangreich ergänzt hat. Wenn man darin blättert, erfährt man allerlei Wissenswertes über die lange Geschichte der evangelischen Christen im Donaumoos und auch, wie sich vieles dort verändert hat.

Im Kircheninneren sind die himmelblauen Holzbänke und der große Leuchter an der Decke ein echter Blickfang.
Bild: Fort: Federsel

Pfarrerin Dölfel ist heute zuständig für die evangelische Kirchengemeinde Ludwigsmoos-Pöttmes, zu der neben Ludigsmoos unter anderem Klingsmoos, Langenmosen, Ehekirchen und Pöttmes (mit eigener Kirche) sowie zahlreiche kleinere Ortschaften gehören. „Wir sind eben eine typische Diaspora-Gemeinde“, sagt Dölfel. Während sie also ein recht großes Gebiet zu betreuen hat, gab es eine Zeit, da waren im selben Raum bis zu zehn Pfarrer aktiv. Das war Mitte des 16. Jahrhunderts, als Pfalzgraf Ottheinrich die Reformation einführte. Lange dauert es aber nicht bis zum Wechsel: Rund hundert Jahre später wurde die Gegend im Zuge der Gegenreformation wieder rekatholisiert und war bis 1799 rein katholisch geprägt. Ein evangelisches Gemeindeleben gab es nicht. Erst Kurfürst Max Josef räumte den Evangelischen wieder mehr Rechte ein: 1801 gewährte er ihnen zunächst das Bürgerrecht, damit Protestanten sich in Bayern niederlassen konnten. Mit dem 1803 erlassenen Religionsedikt ermöglichte er den sogenannten „Akatholiken“ dann volle Gleichberechtigung.

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Die Protestanten im Donaumoos

Diese Niederlassungsmöglichkeit nahmen viele gerne an und so siedelten im Donaumoos zahlreiche Protestanten. In Untermaxfeld entstand die wohl älteste evangelische Kirchengemeinde in Oberbayern, 1803 wurde dort erstmals ein Gottesdienst abgehalten. Doch für die Anwohner aus den umliegenden Gemeinden, die weder Kirche noch Pfarrer hatten, bedeutete das einen kilometerlangen Fußweg zum Gottesdienst. Da es immer mehr evangelische Christen gab, wurde 1857 schließlich ein sogenanntes stabiles Vikariat in Ludwigsmoos eingerichtet. Der jeweilige Vikar musste aber die Gottesdienste im Schulhaus abhalten, obwohl sich die Gläubigen und auch der Untermaxfelder Pfarrer Alfred Dorfmüller stark für einen Kirchenbau einsetzten. Pfarrer Dorfmüller wurde immer und immer wieder von den Behörden vertröstet, bis er sich 1865 zu einem doch recht radikalen Schritt entschloss.

Die Aufnahme von 1896 zeigt die Ludwigsmooser Kirche noch fast ohne Bebauung drumherum.
Bild: Repro: Federsel

„Irgendwann wurde es ihm wohl einfach zu viel und er ließ kurzerhand die Kirche ohne Genehmigung bauen“, erzählt Cornelia Dölfel. Die Behörden reagierten wütend, doch ließ man die Arbeiten weiterlaufen und den Schwarzbau nicht abreißen. Mit vielen Spenden konnten schließlich auch die Inneneinrichtung finanziert und die Kirche am 8. September 1868 feierlich eingeweiht werden. 1912 erreichte die Gemeinde sodann ihre volle Unabhängigkeit von der Muttergemeinde Untermaxfeld.

Durch das Kirchengewölbe

Dass der Bau auch heute noch steht, ist angesichts des berüchtigten Moorbodens nicht selbstverständlich. Doch weitsichtig entschieden sich die Bauherren damals für ein stabiles Fundament und Betonpfeiler, was ein Absacken im weichen Untergrund verhinderte. Die Unterkonstruktion kann man übrigens auch am Festtag bewundern, wenn die Pfarrerin Besucher durch die Gewölbe der Kirche führt. Sanierungen gab es aber natürlich im Laufe der Jahre. So wurde 1993 die Außenfassade aufwendig erneuert, der Innenbereich 2010 ebenfalls saniert und dem Originalzustand angeglichen. Und nun steht die Kirche im Jubiläumsjahr genauso da wie vor 150 Jahren.

Viel hat sich in 150 Jahren nicht an der Inneneinrichtung verändert, nur einige Detail wurden verändert.
Bild: Repro: Federsel

Zum großen Jubiläum wurde noch der Hof saniert und die Gemeinde hat sich zum besonderen Jubiläum zudem neue, rote Paramente für die Kirche gegönnt. Für eine Gemeinde mit nur 1100 Mitgliedern sei das Gemeindeleben sehr aktiv, sagt Pfarrerin Dölfel „Ich habe das Gefühl, dass die Menschen sehr stolz auf ihre Kirche sind. Das merkt man auch immer wieder an der großen Hilfsbereitschaft“.

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