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Religion

04.01.2019

Sternsinger bringen Freude in die Häuser

Elisabeth Krämer schreibt den Segensspruch an die Haustüre des ehemaligen alten Schulhauses, in dem die Arztpraxis Mayer zuhause ist.
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Elisabeth Krämer schreibt den Segensspruch an die Haustüre des ehemaligen alten Schulhauses, in dem die Arztpraxis Mayer zuhause ist.
Bild: Michael Geyer

Die Sternsinger ziehen wieder um die Häuser. Welche Erfahrungen die Rennertshofener im Laufe ihres langjährigen Engagements gemacht haben.

„Nun sehet den Stern, den wir bringen: ein Licht aus der himmlischen Pracht; nun höret das Lied, das wir singen: ein Lied von der Heiligen Nacht.“ Die drei Sternsinger Magdalena Wilhelm, Elisabeth Krämer und Lucas Biebel machen ihrem Namen alle Ehre. Kaum hat sich ihnen eine Haustür geöffnet, stimmen sie hell und klar ihr Lied von den drei Weisen an.

Von Aufregung oder Lampenfieber ist nichts zu bemerken, schließlich sind die drei schon „alte Hasen“ im Sternsingen. Der elfjährige Lucas macht es zum dritten Mal, für Magdalena und Elisabeth, 18 und 17 Jahre, gehört die Bewahrung des alten Brauchtums heuer schon zum neunten Male zu ihrem Weihnachtsferienprogramm. Die erste Strophe singen die drei gemeinsam, weitere werden von jeweils einem der drei „Könige“ als Gedicht vorgetragen. Unterstützung erfährt das Team durch Begleiterin Carola Wilhelm, die auch kräftig mitsingt, das Spendenkästchen trägt und sich mit „Lucas, binde deine Schuhe ordentlich, damit du nicht mit dem Stern stolperst“ oder mit „Ein bisschen kräftiger dürftet ihr schon noch singen“ um alles kümmert, damit die Aktion gut über die Runden gebracht wird. Lucas Biebel hat in dem Trio eine Doppelfunktion. Er weist als Sternträger den Weg und verkündet als schwarzer König Balthasar das Wunder von der Geburt des Heilands. Elisabeth Krämer als Größte schreibt zum Dank für die Spenden die Segensformel „Christus mansionem benedicat“ oder auf Deutsch „Christus segne dieses Haus“ sowie die Jahreszahl 2019 an den Türrahmen.

Die erste Station ist das Pfarrhaus

Die drei sind nicht allein unterwegs. Zusammen mit ihren Kollegen aus der Ministrantenschar ziehen sie an zwei Tagen in fünf Gruppen durch ganz Rennertshofen. Auch in den anderen Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft Urdonautal wünschen die Sternsinger den Segen Gottes für das neue Jahr. Im Markttreff hat Messnerin Andrea Schiller alles bestens vorbereitet: An zwei prall gefüllten Garderobenständern hängen die königlichen Gewänder, verschiedene Kopfbedeckungen laden zum Anprobieren ein, die Einsatzpläne mit den zu besuchenden Straßen sind kopiert, Weihrauchfässer, Weihrauch und Kreide hergerichtet. Auch die Flyer mit einer Bitte um Spenden wurden nicht vergessen. Sie werden von den Sternsingern in den Briefkasten geworfen, falls sie niemand antreffen.

Als die heiligen Dreikönige waren Magdalena Wilhelm, Elisabeth Krämer und Lucas Biebel (von links) in Rennertshofen unterwegs.
Bild: Michael Geyer

Die erste Station des Quartetts ist das Pfarrhaus. Quasi als Generalprobe des heurigen Dreikönigsingens darf Pfarrer Georg Guggemos den Vortrag hören. Er ist hochzufrieden. „Lauter sympathische und nette Leute“, lobt er das Team und wünscht ihm überall offene Türen und offene Herzen. Die stehen den Rennertshofener Sternsinger wirklich fast überall offen. Viele Leute warten schon auf die Sternsinger, wie zum Beispiel die 77-jährige Katharina Köppel: „Kommt nur herein und macht ordentlich Rauch, den lieb’ ich“, lädt sie die Weisen aus dem Morgenland in ihr Wohnzimmer ein. „Früher habe ich die Sternsinger auch immer begleitet“, verrät sie und steckt nicht nur einen Schein in die Spendenbox, sondern hält auch ein Päckchen Süßigkeiten für die tüchtigen Sammler parat.

Auch Geschäfte stehen auf dem Plan

Weiter geht es. Auch die Arztpraxen oder die Friseursalons stehen auf dem Plan, das Rathaus und der Kindergarten gehören ebenso zum Besuchsprogramm wie die Geschäfte und Banken. Keines der Häuser wird ausgelassen. Aber Magdalena und Elisabeth kennen ihre Ranzhofer aus ihrer langjährigen Erfahrung ganz genau: „Da brauchen wir gar nicht zu läuten“, meint Magdalena vor einem Haus und klingelt trotzdem. „Es könnte ja mal anders sein.“ Tatsächlich öffnet sich die Haustür. Aber außer einem „Jetzt passt es gar nicht“, gibt es dort nichts zu holen.

Die meisten Spender ließen es rascheln – auch mal mit einem 50-Euro-Schein.
Bild: Michael Geyer

Doch solche Erfahrungen sind eher die Ausnahme. Wirklich negative Erlebnisse haben die Rennertshofener Sternsinger noch nicht gemacht. „Das kommt schon eher beim Karfreitagsratschen vor, weil manche Leute mit diesem Brauchtum nichts anfangen können“, verrät Elisabeth Krämer. „Da wurden wir einmal sogar vom Hofe gejagt.“ Vielmehr freut es die Sternsinger, wenn sie sich auf ihre treuen Stammkunden verlassen können. Ein alter Herr lädt sie immer zur Besichtigung seiner schönen Krippe ins Wohnzimmer ein, bei einer Familie gibt es statt Bargeld immer einen Scheck mit einem satten Geldbetrag. So was baut auf und motiviert zum Durchhalten genauso wie das gemeinsame Mittagessen.

Irgendwann am späten Nachmittag ist die Runde abgeklappert. Die Süßigkeiten werden verteilt. Das Geld aus den Pfarreien Rennertshofen und Stepperg geht heuer an das Hilfswerk von Pater Lagleder. Die meisten anderen Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft Urdonautal unterstützen heuer Projekte in Peru.

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